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| 09:22 Uhr

Schwarzheide
Akute Brandgefahr für Seecampus

Trotz eines kräftigen Landregens Mitte Juli, mehr als einen Monat nach dem Brand, schwelt die Kohletrübe im Schwarzheider Ferdinandsteich weiter.
Trotz eines kräftigen Landregens Mitte Juli, mehr als einen Monat nach dem Brand, schwelt die Kohletrübe im Schwarzheider Ferdinandsteich weiter. FOTO: Richter-Zippack
Schwarzheide. Der Schwarzheider Seecampus steht auf brandgefährlichem Grund. Im nahen Südsee lagert nämlich alte Kohletrübe aus Zeiten der Braunkohleveredlung. Diese kann sich von selbst entzünden, wie am Ferdinandssee kürzlich geschehen. Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos) schlägt Alarm und drängt auf Abhilfe. Von Torsten Richter-Zippack

Rund 1000 Schüler und 100 Lehrer besuchen den Schwarzheider Seecampus. Das Bildungshaus beherbergt das Emil-Fischer-Gymnasium, das Oberstufenzentrum Lausitz und Sportstätten. Dem Areal am Schwarzheider Südsee droht eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Das sagt Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos), denn: Kohletrübe lagert im Nordwestbereich des Südsees.

Dieses Substrat ist ein Abfallprodukt aus den längst abgerissenen Anlagen der Braunkohlenveredlung Lauchhammer aus DDR-Zeiten. Es besteht hauptsächlich aus Kohle und ist in der Lage, Kohlenwasserstoffe zu binden. Dazu kommen Ölrückstände und weiterer Industrieschlamm. Der Südsee ist ein geflutetes Restloch des alten Tagebaus Ferdinand-Westfeld, der bis vor rund 80 Jahren in Betrieb war. Die eingeleitete Kohletrübe hat eine Eigenschaft, die Christoph Schmidt Sorgenfalten auf die Stirn treibt: Denn sie kann sich schnell selbst entzünden, ausgerechnet bei leichtem Regen.

Was passieren kann, wenn dieses Substrat erst einmal brennt, war erst im Juni auf dem Ferdinandssee, dem Nachbargewässer des Südsees, zu erleben. Dort hatte auf rund einem Hektar der Wald auf der aus Kohletrübe bestehenden Halbinsel gebrannt. Nach Angaben der Stadt Schwarzheide waren elf Feuerwehren aus Schwarzheide, Lauchhammer, Kostebrau, Schipkau sowie von der BASF im Einsatz. Es dauerte knapp fünf Stunden, bis die Flammen eingedämmt waren. Allerdings sind unterirdische Schwelbrände bis heute aktiv. Immer wieder kommt es auf der Halbinsel zu Rauchentwicklungen. Betreten können die Kameraden das Eiland nicht, da es einen instabilen Untergrund hat.

Gleiches, so befürchtet Bürgermeister Schmidt, könnte auch auf dem Südsee unterhalb des Seecampus geschehen. „Ich will gar nicht daran denken. Nur so viel: Es würde eine Katastrophe geben“, kommentiert das Stadtoberhaupt. Die Bergbausanierer von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) bestätigen die Gefahr. „Eine Selbstentzündung kann nicht ausgeschlossen werden“, sagt Sprecher Uwe Steinhuber. Die eigentliche Brandgefahr müsse dabei nicht zwangsläufig von der Kohletrübe ausgehen. Sollte sich allerdings bei einem Ödlandbrand in unmittelbarer Umgebung die Kohletrübe entzünden, könne diese nur sehr schwer wieder gelöscht werden. „Das sei das eigentliche Problem. Die anhaltend hohe Trockenheit in der Region begünstige das. Bereits im Jahr 2015 war geplant, die Südsee-Kohletrübe in andere, tiefere Gewässerbereiche einzubringen. Allerdings wurde dieses Verfahren durch die Wasserbehörde des Landkreises Oberspreewald-Lausitz infrage gestellt. Diese hat eigenen Angaben zufolge darauf hingewiesen, dass sich dadurch die Wasserqualität verschlechtern könnte. So gab es keine Erlaubnis.

Inzwischen, so resümiert Uwe Steinhuber, wurde die Kohleschlammfläche in den Zurückliegenden zwei Jahren umfangreich beprobt und analysiert. Ziel dieser Untersuchungen sei es, nachzuweisen, dass mit der vorgesehenen Sanierung keine Schadstoffe freigesetzt werden.

Diese neuen Ergebnisse sollen zeitnah mit den Behörden erörtert werden, um eine schnellstmögliche Sanierung zu beginnen. Laut Wasserbehörde sind das Sichern der Kohletrübe an Ort und Stelle oder aber das Entnehmen und Verbrennen die Alternativen, erläutert Kreissprecher Stephan Hornak.

Indes soll mittelfristig auch die bergtechnische Sanierung des Süd- und des Ferdinandssees fortgeführt werden. Geplant sind laut der LMBV unter anderem leichte Rütteldruckverdichtungen und Böschungssicherungen. Darüber hinaus gehende Arbeiten, beispielsweise für eine künftige wassersportliche Nutzung, obliegen indes der Stadt Schwarzheide.

„Klar ist natürlich, dass wir vom Seecampus einen bergsicheren Zugang zum Wasser brauchen“, sagt Christoph Schmidt. Laut Bebauungsplan sind entlang des Nord- und des Ostufers des Südteiches „Nischen der Naherholung“ vorgesehen, wie es das Stadtoberhaupt formuliert. Darüber hinaus sei am Südsee eine Einlassstelle für das Feuerwehrboot notwendig. Damit hätten die Kameraden bei einem möglichen Brand der Kohletrübe-Fläche wesentlich bessere Karten.