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Lausitzer Universität
Studenten ackern für Aktivpark am Senftenberger See

Sebastian Becker und Stephan Müller entwickeln Laufstrecken für den geplanten Aktivpark am Senftenberger See.
Sebastian Becker und Stephan Müller entwickeln Laufstrecken für den geplanten Aktivpark am Senftenberger See. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Angehende Wirtschaftsingenieure der Lausitzer Universität entwickeln das Laufstrecken-Paket für Senftenberg. Von Kathleen Weser

Studenten helfen dem staatlich anerkannten Erholungsort Senftenberg bei den Hausaufgaben. Mit ganzem körperlichen Einsatz, ausgeprägtem Forscherdrang und sichtlicher Freude.

Sebastian Becker und Stephan Müller aus Cottbus sind angehende Wirtschaftsingenieure. Das Rüstzeug für den Beruf holen sich die jungen Männer an der Brandenburgischen-Technischen Universität (BTU) Cottbus - Senftenberg. Und das erfordert, zumindest zeitweise, auch gute Laufschuhe und Kondition. Denn die Studenten arbeiten an den Laufstrecken für den geplanten Aktivpark um den Senftenberger See. „Für uns ist das eine fachübergreifende Arbeit“, erklärt Sebastian Becker. „Dass wir einen Beitrag für ein reales Projekt im Lausitzer Seenland leisten dürfen, das wirklich umgesetzt werden soll, reizt uns an der Aufgabe“, ergänzt Stephan Müller. Und die Aufgabe hat es in sich, sie fordert Köpfchen und Beine.

Denn am Anfang steht die Analyse. „Wir haben uns mal kühn der Senftenberger Laufgruppe am Stadthafen angeschlossen, um ein Gefühl für die Wünsche der Aktiven zu bekommen“, erzählt Stephan Müller. Und lachend räumt er ein: „Die Leute sind zwar deutlich älter als wir. Aber ich musste leider feststellen, trotzdem viel fitter.“ Die Studenten haben daher die Erlaubnis bekommen, die begeisterten Läufer mit dem Fahrrad zu begleiten. „Wir brauchten unsere Puste für die Tiefenrecherche“, bestätigt Sebastian Becker schmunzelnd.

So haben die angehenden Wirtschaftsingenieure die schönsten Laufwege mit erfahrenen Nutzern und Sicht auf das Wasser ergründet. Das Areal wird auch für die selbst erklärende Ausschilderung der Laufstrecken ganz genau in Augenschein genommen. Und den Kilometerzähler haben die Studenten ebenso im Blick. Denn für alle Generationen vom Kind bis zum trainierten Senior soll auch dieser sportliche Teil des avisierten Aktivparkes am Senftenberger See rundum geeignet sein. „Da können wir keine überforderten Anfänger so weit auf die Strecke schicken, dass sie völlig k.o keinen Fuß mehr vor den anderen setzen können“, bestätigt Stephan Müller. Der sichere Rückweg muss jederzeit einschätzbar bleiben. Deshalb wird ein mehrstufiges Laufprogramm für Senftenberg entwickelt, das Anfang nächsten Jahres stehen soll.

„Das ist ein handfestes Projekt, bei dem wir die Chance haben, auch das Ergebnis selbst zu sehen und zu erfahren“, sagt Sebastian Becker. Das sei auch ein guter Ansporn, das Beste zu geben. Die Bachelor-Studenten sind im siebten Semester und haben sich dafür entschieden, auch das Fachgebiet der kommunalen Wirtschaftsförderung zu beackern. Das ist in deutschen Landen noch ziemlich selten. Der Senftenberger Wirtschaftsförderer Frank Neubert lehrt an der Lausitzer Universität. So haben die jungen Männer, die auch eine Wohngemeinschaft in Senftenberg gegründet haben, vom Aktivpark-Projekt gehört und sich für diese Arbeit entschieden.

Der Abschluss, der Sebastian Becker und Stephan Müller den Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht, liegt in greifbarer Nähe. Beide aber wollen ihr  Fachwissen noch ausbauen und den Master dranhängen. Das ist ein hartes Brot. Denn die Studenten arbeiten nebenbei in einer Pizzeria und an der Uni. „Wir müssen uns das Studium zum Teil selbst finanzieren“,  bestätigt Stephan Müller. Die BTU empfehlen die Cottbuser gern weiter. „Die Nähe zur Praxis und den Unternehmen ist wertvoll und hilfreich“, sagt Sebastian Becker, der nach dem Studium am liebsten beim heimischen Chemie-Riesen arbeiten will. Unternehmer kommen an die Uni, lehren teilweise selbst - von der Produktwirtschaft bis zum technischen Vertrieb. Die Informationen „aus der realen Wirtschaft“ saugen die Studenten auf. Die Campus-X-Change vermittelt Kontakte. „Hier können wir leicht sogar mit den Geschäftsführern der Unternehmen ins Gespräch kommen. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt Sebastian Becker. Auch Stephan Müller ist ein bodenständiger Lausitzer, für den die Heimat beruflich die erste Wahl bleibt. „Aber wir gehen auch dorthin, wo der beste Job ruft“, bekräftigt der angehende Ingenieur. Vor dem Laufstrecken-Plan hat er wenig Bammel, „vor der öffentlichen Präsentation dann schon“, räumt er ein. Aber noch ruft davor die Arbeit.