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Agnes nimmt sich Zeit für Patienten

Senftenberg. Sie heißt nicht Agnes und ist auch um einiges jünger als die legendäre Gemeindeschwester aus dem DDR-Fernsehen. Anstelle der weißen Kultschwalbe sattelt sie ihren Drahtesel. Arzthelferin Susann Wegner aus Senftenberg gehört zu den ersten 30 Agnes-Nachfolgerinnen im Land Brandenburg, die als Fallmanagerin am bundesweit einzigartigen Modellprojekt "Agnes zwei" teilnehmen. Andrea Budich

Ihr angestammter Arbeitsalltag in der Allgemeinarztpraxis von Dr. Stephanie Lenke wird sich ändern. Die frisch ausgebildete Agnes-Nachfolgerin Susann Wegner hat ab 1. April einen neuen Job übernommen. Er gibt ihr genügend Zeit, sich um besonders betreuungsintensive Patienten zu kümmern. In der Senftenberger Praxis mit sehr großem Patientenstamm haben viele ältere in ihrer Mobilität eingeschränkte Patienten mehrere chronische Krankheiten. In enger Absprache mit Dr. Lenke koordiniert Schwester Susann deren medizinische Betreuung und stimmt Behandlungspfade mit Fachärzten bis ins Detail ab. Mit Blutdruckmessgerät, Verbandszeug und Laptop steigt sie zudem ins Auto und übernimmt zur Entlastung der Allgemeinärztin eigenständig auch Hausbesuche. Nach einem Krankenhausaufenthalt kümmert sich Susann Wegner um die Nachsorge und hilft bei der Verständigung mit der Krankenkasse. "Meine Arbeit ähnelt der einer Sozialarbeiterin im Krankenhaus", freut sich die Arzthelferin auf ihre neuen Aufgaben als Fallmanagerin.

Vom Einsatz ihrer praxiseigenen Agnes erhofft sich Dr. Stephanie Lenke eine Entlastung. 40 bis 60 Patienten ihrer Allgemeinarztpraxis werden zunächst davon profitieren. Später ist auch eine Kooperation mit Facharztpraxen der Region geplant, beispielsweise bei der Behandlung eines diabetischen Fußes. "Das komplette Betreuungsumfeld soll für die Patienten angenehmer werden. Viele sind dankbar, wenn sie ihr Herz ausschütten können und ihnen zugehört wird", erklärt die Ärztin, die sich künftig wieder stärker auf die medizinische Behandlung ihrer Patienten konzentrieren kann. Sie bedauert, dass am brandenburgweiten Modellprojekt nur die AOK und die Barmer teilnehmen. Die Versicherten anderer Kassen können "Agnes zwei" noch nicht in Anspruch nehmen.

Nach den ersten Arbeitstagen ist "Agnes" Susann Wegner überzeugt: Dank ihres persönlichen Einsatzes und der individuell abgestimmten Behandlung fühlen sich die Patienten ihrer Chefin noch besser aufgehoben.

Zum Thema:
Das erste "Agnes"-Programm aus dem Jahr 2006 konnte den Ansprüchen nicht genügen. Es kommt nur Menschen ab 60 Jahren auf dem Lande zugute, die nicht selbstständig einen Arzt aufsuchen können. "Agnes zwei" ist nicht an ärztlich unterversorgte Regionen gebunden. Finanziell abgesichert wird das Modell von den Kassen AOK und Barmer. Pro Monat und Patient kostet die "Agnes zwei"-Betreuung eines Versicherten 40 Euro.