In der Fußballsaison 2014/15 sind dem Landesverband Störungen in 70 Spielen gemeldet worden. Diese Anzahl relativiert sich nach Angaben des FLB jedoch, wenn die brandenburgweit angepfiffenen 13 115 Spiele im Herrenbereich gegenübergestellt werden. Demnach hat es in gerade einmal 0,5 Prozent aller Partien ein angezeigtes Vorkommnis gegeben.

In der Saison 2015/16 sieht es bis einschließlich Dezember noch besser aus. Nach den 7833 Begegnungen bei den Herren wurden 14Gewalt- und 17 Diskriminierungsfälle gemeldet (0,4 Prozent). Je Partie können auch mehrere Delikte auftreten, bei denen Spieler, Schiedsrichter, Trainer, Betreuer und/oder Zuschauer Opfer oder Täter sind.

Angesicht dieser Zahlen kommt beim Fußball-Landesverband zwar keine Panik auf, aufmerksam bleiben die Verantwortlichen dennoch. "Wir können nicht feststellen, dass die Vorfälle zunehmen. Sie sind auf niedriger Basis eher rückläufig", stellt Fred Kreitlow, Vorsitzender des Sicherheitsausschusses des FLB, fest. Der Fußballkreis Südbrandenburg (Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Teile von Dahme-Spreewald) sei einer der Kreise im Land mit den meisten Vorkommnissen. "Das liegt aber daran, dass der Sicherheitsbeauftragte seine Arbeit sehr ernst nimmt und dort viel gemeldet wird", stellt Fred Kreitlow fest.

Zunächst erhält der Staffelleiter den Sonderbericht mit dem Vorkommnis. Er wägt ab, ob er Strafen ausspricht oder aber an das jeweils zuständige Sportgericht übergibt. Bei Tätlichkeiten, so der FLB, sei es fast immer so, dass der Fall an das Sportgericht übergeben wird. Dieses Gremium habe die Möglichkeit der Beweisaufnahme, könne Zeugen und Beschuldigte vorladen. Die Fußballkreise haben für ihren Spielbetrieb ein eigenes Sportgericht und der Landesverband für den Landesspielbetrieb. Zudem habe jeder Fußballkreis einen Sicherheitsbeauftragten.

In Südbrandenburg ist dies Andreas Dommasch aus Schönwalde. Mit Rücksicht auf die Kosten, die Vereine zu tragen haben, würden jedes Jahr nur wenige Sitzungen des Sportgerichts angesetzt. Dabei werden jeweils mehrere Ereignisse behandelt. Die Bandbreite reiche vom Spielabbruch wegen Spielermangels, über den Nichtantritt einer Mannschaft sowie bei Roten Karten nach einer Tätlichkeit, Unsportlichkeit oder grober Unsportlichkeit (wie Beleidigung des Schiedsrichters). Fälle von Rassismus habe es im ganzen Jahr 2015 nur zwei gegeben.

"Insgesamt ist kein negativer Trend zu erkennen. Ich hoffe, dass sich die harten Urteile herumsprechen und wirken", sagt Andreas Dommasch. Wer auf dem Fußballplatz beleidigt, prügelt oder sonst wie unsportlich agiert, kann in der Tat hart bestraft werden. Der Katalog reicht von Zeit- und Spielsperren von bis zu sechs Partien bis hin zu Geldstrafen von 50 bis 200 Euro. Zusätzlich, so Andreas Dommasch, könne der jeweilige Verein intern gegen den Störer vorgehen. Und letztlich kann ein Akteur sogar vor dem Amtsgericht landen.

In der Vergangenheit hatte so manch eine Männermannschaft den Ruf, mit schnell ausrastenden Einzelakteuren anzutreten. "Aktuell haben wir keinen Problemverein", beruhigt der Finsterwalder Sebastian Schulz. "Wir haben die Lage im Blick. Hektische Aktionen wegen einzelner Vorfälle sind nicht notwendig", stellt der Vorsitzende des Fußballkreises Südbrandenburg fest.

Wo es Probleme geben könnte, werden mehr Ordner eingesetzt. "Bei Derbys geht es schon eher zur Sache. Aber die Rivalität ist nicht mehr so wie früher", sagt Sebastian Schulz.

Zum Thema:
Das Sportgericht wird vom Fußball-Verbandstag gewählt. Dem Gremium gehören der Vorsitzende, sein Stellvertreter und vier Beisitzer an. Die Mitglieder kommen aus allen Regionen des Fußballkreises. Der Kreis Südbrandenburg gehört flächenmäßig zu den größten im Land und hat mit 10 500 Aktiven die meisten Vereinsfußballer.