Sven Mochmann, Leiter der Arbeitsagentur Senftenberg, kann belegen, dass nicht nur die demografische Entwicklung für freundlichere Zahlen in der Statistik sorgt. "Wir registrieren einen stetigen Zugang bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten", sagt er. Zwischen 2009 und 2014 habe sich deren Anzahl im Landkreis von 35 857 auf 38 756 erhöht.

"Diese positive Tendenz hat im vorigen Jahr angehalten und sollte sich auch im Jahr 2016 fortsetzen", ist der Agenturchef überzeugt. Er verweist auf die insgesamt gute Stimmung in den Mitgliedsbetrieben von Handwerkskammer sowie Industrie- und Handelskammer im Kammerbezirk Cottbus. Dies hätten deren Umfragen ergeben. Die Auftragslage sei allgemein gut, die Firmen haben Planungssicherheit.

Dies schlage sich in der anhaltend hohen Anzahl freier, bei der Agentur gemeldeter Stellen nieder. Etwa 600 sind es im Süden und mehr als 300 im Norden des Landkreises. Ziel sei es, den nach wie vor hohen Sockel bei den Langzeitarbeitslosen abzusenken. Fast jeder zweite ohne Arbeit ist eine längere Zeit beschäftigungslos. "Ich gehe weiterhin von einem moderaten Rückgang von bis zu sieben Prozent im Jahr aus", sagt Sven Mochmann. Vorhandene Qualifikation und Anforderungen der Firmen, Lohnwünsche und Lohnangebote seien zusammenzubringen.

Der Haken in der Statistik

Die Anzahl der Arbeitslosen im Landkreis ist von 11 269 im Jahr 2009 auf 7752 im Jahr 2014 gesunken. In diesem Zusammenhang wird den Arbeitsagenturen angelastet, Menschen ohne Job in der offiziellen Statistik zu "verstecken". In der Tat sei es so, antwortet der Agenturleiter, dass Arbeitslose in Weiterbildung, in Arbeitsgelegenheiten (1,50-Euro-Jobber), Kranke, Teilnehmer in Trainingsmaßnahmen und Ältere mit Sonderregelungen nicht in das monatlich gemeldete Zahlenwerk einfließen, jedoch geführt werden. Im OSL-Kreis betrifft dies etwa 2000 Frauen und Männer. Deren Anzahl sei seit 2008 um rund 40 Prozent gesunken. Würde man sie in die Arbeitslosenstatistik aufnehmen, läge die Quote um drei bis vier Prozent höher.

Und dann gebe es noch die sogenannte stille Reserve. Das sind Personen, die weder in der Arbeitsagentur noch beim Jobcenter gemeldet sind. Dies betreffe vor allem Ehefrauen, die aufgrund des Verdienstes ihres Mannes nicht arbeiten müssen, aber auch andere Personen, die ein wie auch immer geartetes Auskommen haben. Im Osten sei die "stille Reserve" kleiner als im Westen.

Ein Schwerpunkt der Arbeit der Jobvermittler bleiben die arbeitslosen Jugendlichen. Ihr Anteil unter allen Arbeitslosen im Landkreis betrage 5,3 Prozent. "Angesichts der vielen freien Stellen gibt es für junge Leute keinen Grund, arbeitslos zu sein", sagt Sven Mochmann. "Die meisten haben einen guten Schulabschluss und eine gute Ausbildung", ergänzt Agenturteamleiterin Heike Kuhl. Anspruch und Angebot klaffen jedoch zu oft auseinander.

Agentur bleibt hartnäckig

Auf der anderen Seite gebe es aber auch Unwillige. "Es ist schon verwunderlich, dass ein durchaus nennenswerter Teil der Jugendlichen nach unseren Ausbildungs- und Arbeitsangeboten plötzlich erkrankt. Und das immer wieder", hat der Agenturleiter festgestellt. Doch die Behörde lasse nicht locker. "Wir bedrohen sie auch weiterhin konsequent mit Arbeit", meint es seine Kollegin Heike Kuhl durchaus ernst. Manch ein Optimist hegt die Hoffnung, dass Flüchtlinge freie Stellen schnell besetzen werden. "Wir können jeden als Fachkraft gut gebrauchen. Aber ehe diese Personen soweit sind, wird es Monate und Jahre dauern", hält Sven Mochmann den Ball flach angesichts der in den meisten Fällen für diesen hiesigen Markt fehlenden Qualifikation oder gar Schulbildung.

Derzeit seien ungefähr 300 Flüchtlinge in Jobcenter und Arbeitsagentur erfasst. Da sich viele auf den Weg in die Ballungszentren machen, seien Prognosen für dieses Jahr und die Statistik schwer zu geben. Zwischen September und Jahresende 2015 wurden im Landkreis lediglich sieben Flüchtlinge mit Bleibestatus in eine Arbeit vermittelt. Die angesprochenen Betriebe seien durchaus bereit, Asylbewerber und Flüchtlinge zu beschäftigen, doch es mangele an Sprachkenntnissen und an der Qualifikation. Kurse und Praktika sollen helfen.

Ende Oktober habe die Arbeitsagentur mit mindestens achtwöchigen Spracheinstiegskurse begonnen, das Jobcenter schon vorher. Zuletzt betraf dies 238 Personen mit Bleibeperspektive, insbesondere aus Syrien, dem Iran, Irak und Eritrea.