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AfD holt die meisten Stimmen im Landkreis OSL

Sein Wahlkampf war von Erfolg gekrönt: AfD-Mann Peter Drenske aus Schacksdorf verpasste den Erststimmen-Sieg gegen Michael Stübgen (CDU) nur knapp. Im Oberspreewald-Lausitz-Kreis konnte seine Partei aber die meisten Wähler mobilisieren.
Sein Wahlkampf war von Erfolg gekrönt: AfD-Mann Peter Drenske aus Schacksdorf verpasste den Erststimmen-Sieg gegen Michael Stübgen (CDU) nur knapp. Im Oberspreewald-Lausitz-Kreis konnte seine Partei aber die meisten Wähler mobilisieren. FOTO: Heike Lehmann
Senftenberg/Finsterwalde. In neun der 26 zum Wahlkreis 65 zählenden Städte, Ämter und Gemeinden liegt die AfD vor der CDU. In OSL gewinnt sie sogar. Frank Claus, Heike Lehmann und Jan Augustin

Die Freude über diesen Wahlsieg und damit den wiederholten Einzug in den Bundestag dürfte bei Michael Stübgen verhalten sein. Nicht nur er hat im Vergleich zur letzten Bundestagswahl im Jahr 2013 mehr als elf Prozent verloren, auch seine Partei, die CDU, verliert zehn Prozent. Die schwindende Überzeugungskraft der Christdemokraten bei den Wählern hat sich eine andere Partei zunutze gemacht: die AfD. In einigen Orten des Wahlkreises hat Direktkandidat Peter Drenske auf Anhieb die Wahl gewonnen. In neun der 26 zum Wahlkreis 65 (Elbe-Elster - Oberspreewald-Lausitz II) zählenden Städte, Ämter und Gemeinden liegt die AfD vor der CDU. Im Oberspreewald-Lausitz-Kreis gewinnt die AfD (25,9) sogar die Wahl vor der CDU (25,8). Den höchsten Sieg fährt die AfD in den Gemeinden des Amtes Schradenland mit 35 Prozent ein. Dort hat die CDU mit minus 17,5 Prozent auch herbe Verluste einstecken müssen. Noch bitterer für die Christdemokraten sind die durch die Bundespolitik verursachten Verluste im Wahlkreis des Landtagsabgeordneten und Brandenburger CDU-Landesvorsitzenden Ingo Senftleben: minus 20,5 Prozent in Ortrand und minus 18,1 Prozent in Ruhland.

AfD-Direktkandidat Peter Drenske ist, na klar, mit dem Ergebnis "sehr zufrieden". Drenske hatte absichtlich nicht für die Liste kandidiert, weil er nur das Direktmandat erringen wollte. Dabei unterlag er mit 24,7 Prozent nur knapp dem wiedergewählten Michael Stübgen (CDU/29,5). Drenskes Kommentar: "Knapp daneben ist auch vorbei." Ärgerlich sei für ihn, dass Stübgen noch 30 Prozent erreicht habe, obwohl er bei uns in der Region nur immer zu den Wahlen auftauche. Stolz könne der AfD-Kreisverband sein, mit das beste Ergebnis in Brandenburg eingefahren zu haben. Man habe insgesamt einen guten Wahlkampf gemacht. "Ein Direktmandat in Brandenburg wäre schön gewesen, ich wollte, dass hier endlich mal was passiert. Stattdessen wird Stübgen jetzt weiter ein Abnicker von Frau Merkel bleiben." Persönlich wird sich Drenske weiter im Kreisvorstand der AfD engagieren, alles weitere werde sich finden. "Der Wahlkampf hat auch viel Nerven und Geld gekostet", begründet er.

"Sehr zufrieden" ist auch CDU-Kreisgeschäftsführerin in OSL, Roswitha Schier, mit dem bundes- und kreisweiten Ergebnis ihrer Partei. Richtig Freude komme angesichts des AfD-Erfolges aber nicht auf. "Man muss das Wählervotum aber ernst nehmen", sagt sie. "Wie haben mit Entsetzen feststellen müssen, dass die AfD unheimlich viel gewonnen hat. Das ist schon ein Kracher", kommentiert der Calauer Norwin Märkisch (CDU). Roswitha Schier unterstützte am Sonntag auch "ihre" Kandidaten bei den Bürgermeisterwahlen in Calau und Vetschau. René Riewa konnte sich zwar in Calau nicht gegen Amtsinhaber Werner Suchner durchsetzen. Dafür holte Bengt Kanzler in Vetschau die meisten Stimmen. Gegen Herausforderer Uwe Jeschke (SPD) muss er dennoch die Stichwahl abwarten.

Nach AfD und CDU wird die Linke Dritter in OSL. Die Calauerin Diana Tietze ist am Montag mit gemischten Gefühlen in den Griechenland-Urlaub geflogen: "Wenn ich sehe, wie viele Stimmen die AfD bekommen hat, dann habe ich Bauchschmerzen. Das weckt aber auch meinen Kampfgeist", sagt sie. Andererseits ist sie, genauso wie der Kreisvorsitzende Mario Dannenberg, "stolz auf das Ergebnis" ihrer Partei. "Wir sehen unsere politische Verantwortung darin, das Land wieder sozialer zu machen." Dass die SPD nicht mehr in eine Regierungskoalition gehen will, bewertet Tietze als einen "klugen Schachzug". Die SPD sei ihre Regierungsverantwortung los und die AfD nicht Oppositionsführer.

"Unsere Richtung ist jetzt Opposition. Das ist richtig so", betont SPD-Regionalgeschäftsführerin Kerstin Weide. 15,4 Prozent stimmten im Wahlkreis für die SPD. Über das starke Abschneiden der AfD ist sie indes "total erschüttert". Mit diesem eindeutigen Ergebnis habe sie nicht gerechnet. Kerstin Weide räumt ein: "Wir haben es nicht vermitteln können, was wir eigentlich wollten." In den nächsten Tagen werde man sich zusammensetzen und das Ergebnis analysieren.

Einen so nicht erwarteten Erfolg feiert der Vetschauer Martin Neumann (FDP). Der Hochschulprofessor und Direktkandidat aus Vetschau ist glücklich und zieht mit Listenplatz 2 wieder in den Bundestag ein. Dort wolle er wieder das Thema Bildung und Forschung schwerpunktmäßig beackern.

Abgeschlagen beenden die Grünen in OSL (2,7) die Wahl. Stefan Schön wird zwar weder Bundestagsabgeordneter noch der neue Vetschauer Bürgermeister. Bundesweit sei es aber ein sehr gutes Ergebnis für die Grünen. Den Erfolg der AfD bezeichnet Schön als einen "großen Schlag ins Kontor".

Neben dem Schradenland gibt es vier weitere Regionen, in denen die AfD mehr als 30 Prozent einfährt: Ortrand (31,8), Ruhland (31,2), Röderland (30,7) und Plessa (30,6). SPD und Linke verlieren in allen Städten, Ämtern und Gemeinden. Die FDP holt die meisten Stimmen in Ruhland (8,3) und in Ortrand (8,1), gefolgt von Uebigau-Wahrenbrück und Schwarzheide (je 7,7) sowie Doberlug-Kirchhain (7,4).

In zwei Orten im Stadtgebiet Bad Liebenwerda feiert die AfD regelrechte Höhenflüge und übertrumpft die CDU fast ums Doppelte: In Kröbeln entfallen auf die AfD 42,6 Prozent der Stimmen (CDU 22,6), in Thalberg bekommt sie 41,8 Prozent (CDU 23,0). In Hirschfeld im Amt Schradenland erreicht die AfD mit 38,9 Prozent (CDU 27,9) ebenfalls viele Wähler.