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| 15:47 Uhr

OSL-Kreis macht Vertragsstrafen geltend und hält sich rechtliche Schritte vor
Ärger über Chaos beim Busverkehr

Auf den Busverkehr in OSL ist derzeit kein Verlass. Eltern, Großeltern und Lehrer fahren die Kinder mit dem Auto – so wie hier an der Grundschule in Annahütte, wo Franziska Szabo aus Meuro ihren Sohn Damian abholt. Um die Heimreise ihrer Tochter vom Schwarzheider Gymnasium kümmern sich Oma und Opa.
Auf den Busverkehr in OSL ist derzeit kein Verlass. Eltern, Großeltern und Lehrer fahren die Kinder mit dem Auto – so wie hier an der Grundschule in Annahütte, wo Franziska Szabo aus Meuro ihren Sohn Damian abholt. Um die Heimreise ihrer Tochter vom Schwarzheider Gymnasium kümmern sich Oma und Opa. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. In Oberspreewald-Lausitz fallen derzeit massenweise Fahrten aus. Eltern sind sauer, Busfahrer und der Landrat auch. Der Betreiber kritisiert die Einstellung krank geschriebener Mitarbeiter. Von Jan Augustin und Steffen Rasche

Busfahren im Oberspreewald-Lausitz-Kreis ist derzeit alles andere als verlässlich. Am Donnerstag sind mindestens 51 Fahrten ausgefallen. An diesem Freitag fast das gleiche Bild. Wer sich im Internet auf der Seite des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) informiert, sieht neben seiner gesuchten Verbindung oft das rote Warndreieck mit Ausrufezeichen. Heißt: Fahrausfall „aufgrund des enorm hohen Krankenstandes bei den Busfahrern“. Auf der Homepage der kreiseigenen Verkehrsgesellschaft Oberspreewald-Lausitz (VGOSL), die das Liniennetz und den Fahrplan managt, werden die Leistungsausfälle in einer Tabelle täglich mehrfach aktualisiert. Doch die Angaben von VBB und VGOSL sind nicht immer deckungsgleich.

Von dem aktuellen Bus-Chaos am stärksten betroffen sind vor allem Eltern mit schulpflichtigen Kindern. Franziska Szabo aus Meuro etwa. Ihren neunjährigen Sohn Damian muss sie dieser Tage mit dem eigenen Auto aus der Annahütter Grundschule abholen, nachdem sie von der Schulleiterin telefonisch informiert wird. Um die Tochter der Meuroerin kümmern sich unterdessen die Großeltern, die sie aus dem Schwarzheider Gymnasium abholen. Damit die Kinder in die Schule kommen, springen sogar viele Lehrer in die Bresche.

Siegurd Heinze, parteiloser Landrat des Oberspreewald-Lausitz-Kreises, räumt ein: „Die aktuelle Situation des regionalen Busverkehrs in unserem Landkreis ist als völlig unbefriedigend einzuschätzen.“ Der Leistungsausfall aufgrund des plötzlich außerordentlich hohen Krankenstandes von rund 30 Prozent sei derzeitig nicht zu kompensieren. „Dass vor allem der Schülerverkehr in unserem Landkreis darunter leidet, bedauern wir sehr und bringen für den Unmut vieler Eltern und auch Lehrer vollstes Verständnis auf. Gleichzeitig bitten wir als Aufgabenträger des öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis die von den Fahrtausfällen betroffenen Nutzer der Buslinien für die Unannehmlichkeiten um Entschuldigung“, sagt Heinze. Der Landkreis schöpfe „wegen mangelhafter Leistungserbringung“ alle sich ihm bietenden vertraglichen Möglichkeiten zur Wiederherstellung eines ordnungsgemäßen ÖPNV aus. „Auch werden wir uns ausdrücklich alle gebotenen rechtlichen Schritte vorbehalten“, betont Heinze. Ausgefallene Fahrten sollen nicht vergütet und mit Vertragsstrafen belegt werden. An betroffene Fahrgäste appelliert er, vom Erstattungsanspruch Gebrauch zu machen.

Die Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck (KVG) aus Zittau, die nach gewonnener Ausschreibung seit gut einem Jahr den Busverkehr im Landkreis sowie in den Städten Senftenberg und Lübbenau betreibt, gibt zu: „Wir wollten eine vernünftige Qualität abliefern, aber es gelingt uns einfach nicht“, sagt KVG-Geschäftsführer Alfons Dienel. Wenig Verständnis zeige er für den hohen Krankenstand unter den Busfahrern: „Weil gefühlt einige Leute keine Lust haben auf Arbeit.“ Er meine damit ausdrücklich nicht die älteren Mitarbeiter, die schon jahrelang beim Vorgänger angestellt waren und jetzt mit ihrem Einsatz den Betrieb aufrecht erhalten. Um das Personal-Problem zu lösen, wolle die KVG künftig selbst Busfahrer ausbilden und weiter Mitarbeiter akquirieren.

So sucht das in Sachsen ansässige Unternehmen etwa intern mit einem Aushang nach Busfahrern für Oberspreewald-Lausitz und wirbt dabei mit Konditionen, die in Summe mindestens 800 Euro über dem Gehalt der hiesigen Busfahrer liegen. Dieser Aushang stößt hier bitter auf, sagt Sylvio Schmidt als Arbeitnehmer-Vertreter der KVG in Senftenberg. Eine verärgerte Belegschaft frage sich, warum es solche oder ähnliche Möglichkeiten nicht auch für sie gebe. Die Stimmung im Betrieb sei gedrückt. Schmidts Fazit: „Wir sind Busfahrer zweiter Klasse.“