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Fehlstart in die Saison am Senftenberger See
Zoff im Paradies: Still ruht der See

In diesem Frühling ist ein Fehlstart hingelegt worden. Der Senftenberger See ist nicht pünktlich schiffbar, weil die nun um die Insel deutlich geringere nutzbare Wasserfläche nicht pünktlich ausgewiesen wurde.
In diesem Frühling ist ein Fehlstart hingelegt worden. Der Senftenberger See ist nicht pünktlich schiffbar, weil die nun um die Insel deutlich geringere nutzbare Wasserfläche nicht pünktlich ausgewiesen wurde. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Der Frust der Touristiker in Senftenberg über das Behördenversagen zum Saisonstart ist riesig. Von Andrea Budich und Torsten Richter-Zippack

Ein Saisonstart, der komplett ins Wasser fällt, obwohl sämtliche Mannschaften der Bootsverleiher rund um den See startklar sind - so etwas hat Hafenmeisterin Ulrike Herrman in ihren 20 Arbeitsjahren am Senftenberger See noch nie erlebt. Die Stimmung bei Freizeitkapitänen und Dienstleistern ist gleichermaßen auf den Seegrund abgesunken.

Maßlos verärgert über den Fehlstart in die neue Saison zeigt sich auch auch Kathrin Winkler, die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland. Dass sie von der Bojen-Panne und der daraus resultierenden Sperrung des Sees lediglich aus der Presse erfahren hat, bleibt für die Tourismus-Expertin gänzlich unverständlich. Dabei ist es seit Jahrzehnten bekannt, dass die See-Saison am 1. April beginnt. Eine direkte Information der Landesbehörden wäre aus ihrer Sicht angemessen gewesen. Bei der Reisemesse an diesem Wochenende in Prag bleibt ihr nun die Aufgabe, den Gästen, die aufs Wasser wollen zu erklären, dass der See noch ganze vier Wochen lang still ruht und niemand aufs Wasser darf. Was die Seenlandtage Ende April betrifft, stirbt bei der Tourismus-Chefin die Hoffnung zuletzt. „Seenlandtage gänzlich auf dem Trockenen, das wäre schon verrückt“, hofft sie darauf, dass die Landesbehörden sich bei der Austonnung sputen mögen.

Zu den Leistungsanbietern, die jetzt zum Nichtstun verdonnert sind, gehören auch Alexander Köstler und Patrick Deutschbein vom Bootsverleiher Voigt Marine im Senftenberger Stadthafen. „Die peinliche Bojen-Panne haben wir jetzt auszubaden“, reden sie Klartext. Einen Teil ihrer 20 Boote haben sie in der Halle gelassen, als die Nachricht vom Schifffahrtsverbot bis zu ihnen durchsickerte. Ihren Saisonkräften, die schon fest geordert waren, musste abgesagt werden. Aufs Eis gelegt wurde dank der Hiobsbotschaft auch der Kauf von drei neuen Sportbooten mit Kajüte. „Bei einem Saisonstart mit Null Einnahmen und keinerlei Planbarkeit fehlt dafür das Geld“, erklärt Alexander Köstler. Was für ihn aber mindestens genauso schwer wiegt, sind die enttäuschten Gäste, die schon seit dem Vorjahr online feste Buchungen für den April getätigt hatten. Eine Großfamilie aus Sindelfingen bei Stuttgart gehört dazu, die zu Ostern extra des Sees wegen angereist war. Abgesagt werden mussten auch zwei Junggesellenabschieds-Runden, die schon sehr langfristig für den April Hausboote gebucht hatten. Für den 24. April hat zudem das tschechische Fernsehen ein großes Pontonboot für ein ganzes Fernsehteam bei Voigt Marine bestellt. Ihr Dreh auf dem Senftenberger See mit Kanalfahrt fällt nun ins Wasser. „Ein absolutes behördliches Versagen“, bringt es Patrick Deutschbein auf den Punkt.

Sichtbares Zeichen dafür sind die leeren Fingerstege im Stadthafen. „Vor einem Jahr sah das ganz anders aus“, sagt Hafenmeisterin Ulrike Herrmann und zeigt zum Beweis Fotos aus dem Vorjahr. Da das Schifffahrtsverbot so gut wie gar nicht öffentlich kommuniziert wurde, erwartet sie am Wochenende mit vorausgesagtem Traumwetter zahlreiche Freizeitkapitäne, die ihre Boote einsetzen wollen. Betroffen sind 70 Dauerlieger und auch die 120 Landliegeplätze im Segelhafen Niemtsch. Erste Nachfragen hat es bei ihr schon gegeben bezüglich der kassierten Liegeplatzgebühr. Die Bootsführer wollen für ihr Geld natürlich auch eine Leistung, die angesichts des gesperrten Sees jetzt nicht erbracht werden kann.

Normalerweise wäre Klaus Brinschwitz mit seiner Wassersportschule am Niemtscher Ufer am 15. April in die neue Saison gestartet. Auch daraus wird nichts. „Ich hatte bereits Anfragen zu Wassersportkursen im April. Diese Gäste habe ich mit Gutscheinen vertröstet, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt wiederkommen“, sagt der Unternehmer sichtlich frustriert. Jetzt will Brinschwitz seine Schule am 1. Mai öffnen. Sein Ärger auf die für die Sperrung verantwortlichen Behörden ist riesig: „Ich war bereits im Herbst bei einer Infoveranstaltung der Bergbausanierer. Schon damals wurde die Problematik der sich verändernden Insel erörtert. Da hätten doch in den zuständigen Behörden sofort die Alarmglocken schrillen müssen, weil die Austonnung verändert werden muss. Aber nichts ist passiert. Und jetzt dieses Theater!“ Mehr noch: „Diese ganze Situation ist doch aus absolutem Desinteresse am See und am Tourismus entstanden“, laubt Klaus Brinschwitz. Hätte er als Unternehmer so gewirtschaftet wie die Behörden, wäre der Konkurs unvermeidbar gewesen.

Auf dem benachbarten Geierswalder See geht hingegen alles seinen gewohnten Gang. Nach Auskunft des Elsterheider Bürgermeisters Dietmar Koark steht das Gewässer seit Anfang April Wassersportlern wieder offen. Allerdings befindet sich der Geierswalder See in Regie der sächsischen Behörden.

Im vergangenen Frühjahr ist die Welt auf dem Senftenberger See noch in Ordnung gewesen, obwohl sich der Bojen-Zoff da schon abzeichnete.
Im vergangenen Frühjahr ist die Welt auf dem Senftenberger See noch in Ordnung gewesen, obwohl sich der Bojen-Zoff da schon abzeichnete. FOTO: Steffen Rasche