ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:36 Uhr

Reisende meckern über Senftenberger Haltepunkt
Ärger an verwaistem Bahnhof wächst

Die schöne, aber verwaiste Empfangshalle wurde in einem Gemeinschaftsprojekt von Bahn und Stadt vor etwa vier Jahren neu gestrichen und gestaltet.
Die schöne, aber verwaiste Empfangshalle wurde in einem Gemeinschaftsprojekt von Bahn und Stadt vor etwa vier Jahren neu gestrichen und gestaltet. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. Die Kritik am Zustand des Senftenberger Bahnhofes wird immer lauter. Jetzt will die Stadt gemeinsam mit BTU-Studenten das Ensemble zum Tor zur Innenstadt entwickeln. Von Jan Augustin

Immer wieder nutzen die Einwohner von Senftenberg die Sitzungen des Stadtparlaments um ihren Unmut über den Zustand ihres eigentlich doch so schönen Bahnhofes loszuwerden: Es fehlt eine Toilette, es sieht vermüllt aus, es riecht unangenehm und es fehlen Mieter. Die Debatte wird auch im Internet geführt. Bei Facebook füllt das Thema mehrere Bildschirmseiten. „Leute, da schaut’s ja aus. Bääääää. Dreckig, nass und stinkt“, schreibt „BOWI“ zum Beispiel. Der Schuldige ist im sozialen Netzwerk schnell gefunden: die Deutsche Bahn als Eigentümerin. Aber auch die Stadt bekommt ihr Fett weg: „Die Stadt Senftenberg könnte es kaufen, hat jedoch kein Interesse daran. Stattdessen kauft die Stadt Senftenberg für 10 000 Euro das Sedlitzer Bahnhofsgebäude als künftigen (Haupt)Bahnhof ‚Lausitzer Seenland‘“, glaubt „Jósef Polski“. Doch die Online-Gemeinde liegt nicht immer richtig: Das Bahnhofsgebäude steht nicht zum Verkauf und es ist auch nicht zum Verkauf vorgesehen, stellt Bahnsprecher Gisbert Gahler klar. Das Senftenberger Bahnhofsgebäude kann derzeit also weder aus privater Hand, wie in Großräschen und Ortrand, noch von einer Kommune erworben werden.

Das Senftenberger Bahnhofsgebäude in graubraunem Putz: Die letzten größeren Sanierungsarbeiten liegen fast 20 Jahre zurück.
Das Senftenberger Bahnhofsgebäude in graubraunem Putz: Die letzten größeren Sanierungsarbeiten liegen fast 20 Jahre zurück. FOTO: LR / Jan Augustin

Trotzdem: Der Stadt Senftenberg liegt freilich „eine Nutzung des Gebäudes und eine Qualifizierung des Umfeldes sehr am Herzen“, erklärt Stadtsprecher Andreas Groebe. Daher strebe sie nun gemeinsam mit der BTU Cottbus-Senftenberg ein studentisches Projekt an, „in dem neue Nutzungen für das Gebäude gesucht werden und das Umfeld revitalisiert wird“. Als Hauptziele nennt Groebe die Inwertsetzung und Belebung des denkmalgeschützten Gebäudes, die Schaffung eines Eingangsbereiches zur Innenstadt als „Tor zur Innenstadt“ und die Entwicklung des Bahnhofes und des Umfeldes zu einem „Mobilitätszentrum mit Bündelung aller Verkehrsmittel“. Wann genau das passieren soll, bleibt offen.

Farbenfroh sieht anders aus, Ein nüchtern wirkender Tunnel, mit teils kaputten Fliesen und Flecken an der Decke, führt die Reisenden zu den Gleisen.
Farbenfroh sieht anders aus, Ein nüchtern wirkender Tunnel, mit teils kaputten Fliesen und Flecken an der Decke, führt die Reisenden zu den Gleisen. FOTO: LR / Jan Augustin

Die Stadt Senftenberg sieht aber auch die Bahn in der Pflicht. Als Eigentümerin muss sie sich um das Gebäude kümmern, sagt Andreas Groebe. Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) habe das auch in mehreren Briefen an die Bahnverantwortlichen zum Ausdruck gebracht. Antworten darauf habe er aber so gut wie keine erhalten. „Bisher liefen die Aktivitäten dahingehend leider ins Leere“, sagt Groebe. Sollte sich jedoch eine sinnvolle Nutzung ergeben, werde die Stadt diese unterstützen. Der Bahn wiederum sei nur ein Schreiben des Bürgermeisters bekannt, teilt Bahnsprecher Gisbert Gahler mit. „Darin ging es um die Wiedereröffnung der Bahnhofstoilette“, so Gahler. Und der Brief sei im Frühjahr auch beantwortet worden. Die DB Station&Service AG sei dahingehend für den Dialog offen. Facebook-Mitglied „Cori Lein“ hat zum Thema kürzlich folgenden Kommentar verfasst: „In den Fahrstuhl hat am Wochenende wer rein gepinkelt. Ob aus Boshaftigkeit oder Verzweiflung, weil nirgends Toiletten sind, weiß ich nicht. Aber es war die reinste Freude mit dem Ding zu fahren.“

Reisende werden unter anderem mit diesem Anblick gleich vor dem Bahnhof empfangen. Grundstück und Gebäude sind verfallen und vermüllt.
Reisende werden unter anderem mit diesem Anblick gleich vor dem Bahnhof empfangen. Grundstück und Gebäude sind verfallen und vermüllt. FOTO: LR / Jan Augustin

Vonseiten der Bahn sind Renovierungsvorhaben am Gebäude derzeit zumindest ausgeschlossen. Für eine Sanierung gebe es keine Planungen, „da keine verkehrssicherungsrelevanten Mängel vorhanden sind“, begründet Bahnsprecher Gisbert Gahler. Die letzten größeren Arbeiten liegen mittlerweile fast 20 Jahre zurück - Fenster und Dach wurden damals vollständig erneuert. Vor etwa vier Jahren wurde die Bahnhofshalle als Gemeinschaftsprojekt von Bahn und Stadt gestrichen und neu gestaltet. Die großflächigen Wandbilder von der Stadt und vom Tierpark verschönern die imposante Halle zwar - was aber überwiegt, ist der Eindruck eines verwaisten Bahnhofes ohne Mieter, dafür mit Fahrkartenautomaten.