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| 17:58 Uhr

Ältester Schlosspark-Baum gestutzt

Die Roteiche im Schlosspark Senftenberg ist fachgerecht gestutzt worden. Der gut 100 Jahre alte Baum ist am Stammfuß so massiv von der Fäulnis befallen, dass die Standsicherheit akut gefährdet war. Unmittelbar am Steindamm musste die Säge angesetzt werden.
Die Roteiche im Schlosspark Senftenberg ist fachgerecht gestutzt worden. Der gut 100 Jahre alte Baum ist am Stammfuß so massiv von der Fäulnis befallen, dass die Standsicherheit akut gefährdet war. Unmittelbar am Steindamm musste die Säge angesetzt werden. FOTO: Rasche/str1
Der älteste Baum im Senftenberger Schlosspark ist mächtig gestutzt worden. Die markante Roteiche am Steindamm wurde am gestrigen Montag bis auf einen Stuppen von etwa vier Metern Höhe fachgerecht eingekürzt. Pilzbefall hat den Baum-Riesen so geschwächt, dass nur noch die Säge angesetzt werden konnte. Kathleen Weser

Senftenberg. Der Blick des Großräschener Baumgutachters Roland Subatzus wandert am gestrigen Einsatztag im Schlosspark immer wieder vom fachgerechten Schnitt in luftiger Höhe voller Sorge auf den Geh- und Radweg am Steindamm. Die Kreissägen trennen kreischend die starken Äste vom maroden Stamm der Roteiche. Eine Mutter marschiert mit dem Kinderwagen trotzdem am Bauschild vorbei in die Gefahrenzone. Eine Radfahrerin kann der Gutachter noch bremsen - und vor schweren herabfallenden Ästen bewahren.

Dem Schutz der Bürger ist die Entscheidung geschuldet, den wohl ältesten Baum des Senftenberger Schlossparkes so extrem zu stutzen. Seit zehn Jahren behält Roland Subatzus die Roteiche schon im Sachverständigen-Blick. Denn sehr viele Pilzfruchtkörper des Flachen und auch des Wulstigen Lackporlings haben dem Stammfuß arg zugesetzt. Die Weißfäule ist nunmehr so weit fortgeschritten, dass der Baum nicht mehr zu retten ist. Zu groß ist die Gefahr geworden, dass das marode Holz unter der schweren Last der Krone zusammenbricht und Menschen verletzt. "Inmitten des Parks hätten wir den Baum noch absperren und weiter erhalten können", stellt der Baumgutachter fest. "Hier am Parkrand ist das unmöglich", erklärt Roland Su batzus weiter. Der gewaltige Stuppen bleibt stehen und soll Kleinsäugern und Insekten einen Lebensraum bieten. Eine Informationstafel soll zudem aufgestellt werden.

Länger als 100 Jahre ist der Baum, der aus Amerika stammt, hier gewachsen. Roteichen waren nach Europa geholt worden, als hier ein großes Sterben heimischer Eichen eingesetzt hatte und auch in deutschen Landen befürchtet wurde, der Traditionsbaum sterbe aus. "Das war eine Mode-Erscheinung, die auch in der Gartenstadt Marga zu sehen ist", erklärt Subatzus.

Zunächst ist die Roteiche auch sehr resistent gegen die heimischen Schädlinge gewesen. Doch der Pilzbefall hat den Einwanderer (Neophyt) nun doch dahingerafft. "Wir vergessen oft, jeder Baum ist ein Lebewesen. Und auch deren Leben geht dem Gesetz der Natur folgend irgendwann zu Ende", sagt der Sachverständige. Im Baum-Kataster wird die Roteiche, ein Naturdenkmal, mit einem Alter von 115 Jahren geführt. Heimische Stieleichen werden deutlich älter.

Auf das Ende auf Raten des Parkbaum-Riesen als Insekten-Wohnung haben sich der Gutachter, die Stadt Senftenberg und die Naturschutzbehörde des Landkreises verständigt. Und Roland Subatzus erklärt auch Passanten, die die Äste des Baumes und große Teile des Stammes fallen sehen: Hier war einfach nichts mehr zu retten. Die aggressiven Pilze haben das Baumstamm-Holz zu großen Teilen praktisch bereits bis zu Pulver zersetzt, das er durch seine Finger rinnen lässt. Und der Wurzel-Befall ist auch unschwer zu erkennen.