Mit einer Portion Wehmut haben sich die Stiftung und ihre Mitarbeiter bei einem kleinen Umtrunk von dem altehrwürdigen Klinkerbau verabschiedet, durch den sie seit 1993 zahlreiche Lauchhammeraner und Gäste fachkundig geführt haben. "Die letzte Führung war schon etwas schmerzhaft, hatten wir doch viele Höhepunkte in diesem Haus", gestand Museumsmitarbeiterin Katrin Unger.

Seit der Eröffnung des Museums hat sich dort nicht nur die interessante Dauerausstellung präsentiert. Das Haus beherbergte in den Depoträumen im Obergeschoss die wahren Schätze des Lauchhammer Kunstgusses, die in zahlreichen Sonderausstellungen gezeigt wurden. Kunst- und Gebrauchsgegenstände sowie Werkzeuge aus Eisenguss aus dem 19. Jahrhundert zeigte eine Ansammlung aus der Zeit, als das Museum noch in den Kinderschuhen steckte.

Unter dem Aspekt der Erhaltung und Restaurierung frühen Eisenbildgusses konnten 1996 unter dem Titel "Denk Mal" mit Unterstützung staatlicher Museen früheste Eisengussfiguren des Gräflich von Einsiedel'schen Eisenwerkes gezeigt werden. "Ich erinnere mich besonders gern an die Präsentationen zeitgenössischer Künstler wie Anna Franziska Schwarzbachs ,Einundzwanzig Eisengüsse', die Fotografien von Christina Glanz über den Abbruch der Industriestrukturen in Lauchhammer sowie die Skulpturen von Ernst Barlach und Wieland Förster im vergangenen Jahr", erzählte der Stiftungsvorsitzende Wilken Straatmann.

Er hat sich seit 1994 mit Erfolg um die überregionale Anerkennung des Museums bemüht. Mit dem geplanten "Werkhof Kunstguss" in der Löwendalstraße will die Stiftung Kunstgussmuseum Lauchhammer diesem Ziel ein Stück näher rücken. Die Nähe zur ältesten noch produzierenden Kunstgießerei Deutschlands werde dazu beitragen, das Museum bekannter zu machen, hofft der Stiftungsvorsitzende.

Die Pläne zur Erweiterung der ehemaligen Bronzeschule würden noch immer in der Schublade der Stiftung liegen und nicht aufgegeben werden, informierte der Vorsitzende des Freundeskreises Kunstgussmuseum, Gerhard Nies. Die Dauerausstellung aus der Grünhauser Straße werde deshalb vorübergehend im Gebäude des Schaudepots aufgebaut. Darum wird sich die Kustodin des Museums, Dr. Susanne Kähler, kümmern. Die Kunstwissenschaftlerin hat sich vorgenommen, die wertvolle Arbeit ihres Vorgängers Matthias Frotscher fortzusetzen.

Der Auszug aus dem historischen Gebäude sei aufgrund seines schlechten Zustandes notwendig gewesen. "Für die Bewahrung der Kunstgegenstände ist ein angemessenes Klima erforderlich, das wir aufgrund der Schäden am Gebäude nicht einhalten konnten", erläutert Dr. Susanne Kähler.

Vor 110 Jahren wurde das Haus als vermutlich erstes Lehrlingswohnheim Deutschlands für den Gießerei-nachwuchs errichtet. Generationen von Lehrlingen verbrachten bis 1991 dort ihre Ausbildungszeit. Als nach dem Zusammenbruch des Lauchhammerwerkes die Lehrlinge ausblieben, richtete die neu gegründete Stiftung Kunstgussmuseum auf Initiative der Wequa GmbH hier das Kunstgussmuseum ein. Bis heute wandelten mehr als 33 000 Besucher durch die Ausstellungsräume, die nun von jetzt an leer stehen. Das Gebäude werde zum Verkauf ausgeschrieben, teilte die Stiftung Kunstgussmuseum mit. Ab März 2009 soll die Ausstellung im Schaudepot Bronzeschule aufgebaut werden. Bis dahin können Besucher nach vorheriger Anmeldung die Modellsammlung anschauen.