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| 02:44 Uhr

Abschied für immer vom Grubenteich

Die Grubenteichsiedlung in Lauchhammer-West ist im vergangenen Jahr dem Boden gleichgemacht worden.
Die Grubenteichsiedlung in Lauchhammer-West ist im vergangenen Jahr dem Boden gleichgemacht worden. FOTO: LMBV
Lauchhammer. Der herbe Verlust des bescheidenen eigenen Hauses im Grünen bleibt spürbar. Die letzten Bewohner der Grubenteichsiedlung in Lauchhammer-West haben den ersten Jahreswechsel hinter sich – nach einem schweren Abschied im Sommer vom trauten Heim und von guten Nachbarn. Kathleen Weser

Alle Bewohner der Wohnsiedlung am Grubenteich haben im Sommer ihre liebevoll mit eigener Kraft aufgebauten bescheidenen Wohnhäuser auf der Kippe des Alttagebaus Mückenberg geräumt. Die Familien sind in ausbaufähige alternative Immobilien und Mietwohnungen gezogen. Schweren Herzens. Knapp drei Monate, nachdem die letzten Bewohner die Siedlung aus den 30er-Jahren verlassen haben, sind die ersten drei Häuser dem Erdboden gleichgemacht. Den Blick über den Absperrzaun der Bergbausanierer können die meisten noch immer nicht lassen. Das Lebenswerk bleibt allgegenwärtig. Der Abschied dauert bis zum letzten Stein und hält auch darüber hinaus noch an. "Als unser Haus abgerissen wurde, habe ich geheult", bestätigt Monika Kathke, die Sprecherin der Bürgerinitiative. Die Angst vor den vorhergesagten Gefahren auf dem locker gelagerten Kippenland aber sei zuvor auch unerträglich gewesen. Die Menschen hatten um eine gemeinsame Zukunft an einem Ersatzwohnstandort gekämpft - erfolglos. Das Land hat das Loch, das zwischen den Verkehrswerten der bescheidenen Häuser am Grubenteich und den Kosten für Ersatzhäuser klaffte, nicht geschlossen.

Kurz vor Weihnachten hatte sich der Tag, an dem das Ende der Grubenteichsiedlung in Lauchhammer-West mit den Unterschriften der Betroffenen auf den Abfindungsverträgen vor dem Notar besiegelt worden war, zum ersten Mal gejährt. Auch Erleichterung nach Jahren der Ungewissheit war damals deutlich zu spüren.

Bereits 2011 hatten Untersuchungen von Gutachtern im Auftrag des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) Brandenburg ergeben, dass bautechnische Verbesserungen und der dauerhafte Erhalt des Wohnstandortes Grubenteichsiedlung zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten nicht möglich sind. Eine ungewisse Zeit zwischen Hoffnung und Verzweiflung folgte. Erst nach fünf Jahren herrscht Klarheit. Das Land Brandenburg drängt darauf, dass das Wohngebiet aufgegeben wird - das ist bisher beispiellos in der ostdeutschen Bergbaufolgelandschaft. Nur wenige der Grubenteichsiedler haben sich für Ersatzhäuser entschieden, in die sie selbst noch kräftig investieren müssen. Die meisten der Absiedler sind in Mietverhältnisse eingetreten, die sie freiwillig allerdings niemals angestrebt hätten.

Egon Gückel ist in eine schöne Mietwohnung mit einem kleinen Garten in Lauchhammer-West gezogen. Auch er hat bis zuletzt nach dem geliebten Haus, das mit zuerst abgerissen wird, geschaut. "Die alten Obstbäume haben so viel getragen wie nie zuvor. Als ob sie wussten, dass es das letzte Mal sein würde", erzählt er. Tränen der Freude und des Schmerzes mischen sich Mitte September beim ersten geselligen Wiedersehen verstohlen in den Augenwinkeln der Nachbarn, die mit der Grubenteichsiedlung gemeinsam so viel verloren haben.

Auch in den neuen vier Wänden von Familie Kathke in Kleinleipisch hat das letzte Bild von der Grubenteichsiedlung einen Ehrenplatz - im Herzen sowieso.