ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:06 Uhr

Abgezockt: Privat-Kredit kam niemals an

Senftenberg.. Ohne seinen Rollstuhl wäre Wolfgang Hahnewald aus Senftenberg aufgeschmissen. Wegen einer schweren Wirbelsäulen-Erkrankung geht’s zu Fuß nur noch behäbig – und so sieht man den 56-jährigen Frührentner auf seinem Elektro-Flitzer fast täglich durch die Kreisstadt düsen. Da kam es unlängst auch einer mittleren Katastrophe gleich, als der mobile Untersatz plötzlich streikte. Woher sollte Wolfgang Hahnewald die Tausender für einen neuen Rollstuhl nehmen? Also griff er zum Telefon . . . Von Kai Dietrich

„Vergebe privates Darlehen ab 3,9 Prozent.“ Diese Kleinanzeige in der Presse kam Wolfgang Hahnewald wie gerufen. „Ich hatte mir in Elsterwerda schon einen neuen Rollstuhl ausgesucht. Aber der sollte 3 000 Euro kosten.“ Ein Batzen Geld, den die Krankenkasse nicht bereit war, zu übernehmen. Das elektrische Gefährt sei Luxus, hieß es dort, Wolfgang Hahnewald solle sich doch mit der einfachen handbetriebenen Variante zufrieden geben. „Aber wie ich den mit meinen schwachen Armen steuern soll, hat mich keiner gefragt“ , sagt der Mann, den in Senftenberg viele nur unter seinem Spitznamen Posti kennen. Angesichts der Ebbe in seiner Geldbörse fasste er sich ein Herz und reagierte auf die Offerte in der Zeitung - und alles schien mit „Team Finanz“ aus Neubrandenburg auch ratzbatz über die Bühne zu gehen.

„Der hat vertrauensvoll gewirkt“
Sogar zum Besuch ins Klettwitzer Krankenhaus kam der nette Geschäftsführer, um mit Wolfgang Hahnewald, der auf regelmäßige Bluttransfusionen angewiesen ist, die finanziellen Modalitäten zu klären. „Der hat wirklich vertrauensvoll gewirkt“ , meint der ehemalige Postangestellte, der bereitwillig Rentenbescheid und andere Akten einsehen ließ, um anschließend seine drei Buchstaben unter den Darlehensvertrag zu setzen. Nach einer Auftaktrate von einem Hunderter sollten 3000 Euro für den neuen Elektro-Renner auf Hahnewalds Konto fließen. Aber das Geschäft platzte: „Ich habe meine Rate überwiesen, aber der Kredit ist nie bei meiner Bank angekommen.“
Mal abgesehen davon, dass der Zinssatz laut Vertrag plötzlich von moderaten 3,9 auf fast zehn Prozent in die Höhe schnellte, fühlt sich Wolfgang Hahnewald ganz mies betrogen. Knapp zwei Monate nach seiner folgenschweren Unterschrift hat er die Hoffnung auf eine 3 000-Euro-Gutschrift längst in den Wind geschrieben. „Wenn ich doch wenigstens meine Anzahlung zurück bekommen könnte“ , sagt er ein bisschen verzweifelt. „Aber wenn der Typ in Neubrandenburg am Telefon meine Stimme hört, legt er immer sofort wieder auf.“
Lediglich als Vermittler für das Finanzgeschäft sei Frank M. (Name ist der Redaktion bekannt), der Typ aus Neubrandenburg, im Falle Wolfgang Hahnewalds aufgetreten. „Wir nehmen nur die Daten der Kunden auf und leiten sie dann an die Bank weiter. Und wenn die dem Antragsteller kein Darlehen gewährt, können wir das auch nicht ändern“ , rechtfertigt sich der Geschäftsführer von Team-Finanz, einer Firma, die ihr Brot vorrangig mit rentableren Bau-Darlehen verdienen soll.

Neuer Rollstuhl für nur 800 Euro
Dass auch bei kleineren Summen Vermittlungsprovisionen fällig sind, verstehe sich selbstredend, so Frank M. Soll in der Übersetzung wohl heißen, dass Hahnewald auch seine 100 Euro nicht wiedersehen wird.
Im Nachhinein ärgert sich der freundliche Frührentner mächtig darüber, sich überhaupt auf solch ein luftiges Spielchen eingelassen zu haben. Erst vor kurzem kam er mit einem neuen (gebrauchten) dunkelroten Feuerstuhl in die Senftenberger RUNDSCHAU-Redaktion. „Privat gekauft. Hat nur 800 Euro gekostet.“ Sein lustiger Spitzname leuchtet schon von der Lenksäule in der Mitte, ein Aufkleber seines Lieblingsvereins - „natürlich Energie Cottbus“ - ziert die Rückseite vom Fahrersitz. Dass er mit seinem Reinfall über die Heimatzeitung an die Öffentlichkeit gegangen ist, hat vor allem einen Grund: „Dass nicht andere Leute auch so einen Unsinn machen. Auch wenn die Lage aussichtslos erscheint - der Ärger hinterher ist es nicht wert.“