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| 17:33 Uhr

Streit nach E-Mail an Altdöberner Amtsausschuss
Empörung über Abgeordneten-Brief

Senftenberg/Altdöbern. In einer E-Mail an den Altdöberner Amtsausschuss übt der Senftenberger Stadtverordnete René Markgraf heftige Kritik am künftigen Amtsdirektor Frank Neubert. Von Rufmordkampagne ist die Rede. Von Jan Augustin

Während der Stadtverordnete René Markgraf gerade die Trauminseln der Seychellen im Indischen Ozean genießt, schäumt der Senftenberger Wirtschaftsförderer Frank Neubert vor Wut. Grund ist ein Brief an alle Mitglieder des Altdöberner Amtsausschusses. Neubert, aktuell noch bei der Stadt Senftenberg in Amt und Würden, ist von diesem Gremium zum neuen der Chef der Amtsverwaltung gewählt worden. Die Einspruchsfrist ist ohne offizielle Einwände nun abgelaufen - Frank Neubert wird voraussichtlich kommende Woche seine Ernennungsurkunde überreicht bekommen.

Die Anschuldigungen in dem Schreiben von René Markgraf, der für die zwei Mann starke Fraktion der Stimme freier Bürger (SFB) in der Senftenberger Ratsrunde sitzt, sind heftig. Herr Neubert nehme es nicht so genau mit der Wahrheit, und er habe der Region seit Jahren immens Schaden zugefügt. Senftenberg habe er einen „Bärendienst erwiesen, indem er Projekte und Preise unter falschen Daten und Fakten realisierte“. In der Antragstellung zur Nominierung der Stadt als wirtschaftsfreundliche Kommune habe er gelogen, „was die Balken her gaben“. Über die Konsequenzen eines angeblichen Erfolges als „staatlich anerkannter Erholungsort“ hätten er sowie Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) sich nie ernsthaft Gedanken gemacht. „Industrielle Ansiedlung von gewerblicher Produktion wird es über viele Jahre in Senftenberg nicht mehr geben“, schreibt Markgraf, der einst seinen Unternehmenssitz am Senftenberger Hafen ansiedeln wollte, dann aber mit diesem Wunsch an der Mehrheit des Parlamentes scheiterte - und nun seine Firma von Cottbus aus leitet. Er prophezeit: Die zu einseitige Ausrichtung auf den Tourismus werde Senftenberg noch schmerzhaft zu spüren bekommen.

Frank Neubert hält sich zum jetzigen Zeitpunkt noch bedeckt. Er habe seinen Rechtsanwalt konsultiert. Dass es in ihm brodelt, zeigt seine kurze Stellungnahme: „Ich werde in steter Abstimmung mit der Stadt Senftenberg in dieser Sache weiter verfahren. Derzeit wird geprüft, in welcher Form wir rechtlich gegen diese Rufmordkampagne des Herrn Markgraf vorgehen werden.“

Das Senftenberger Stadtoberhaupt hat indes eine zweiseitige „Richtigstellung“ ans Amt Altdöbern geschickt. Sie liegt der RUNDSCHAU vor. „Da alle aufgeführten Anschuldigungen komplett der Unwahrheit entsprechen, kann ich klar feststellen, dass Herr Neubert der Stadt Senftenberg in keiner Weise irgendeinen materiellen noch ideellen Schaden zugeführt hat“, schreibt Fredrich. So habe Neubert auch niemals die Abgeordneten „hinters Licht geführt“. In keiner Wiese habe er „Projekte und Preise“ unter „falschen Daten und Fakten realisiert“. Für die Nominierung der Stadt als wirtschaftsfreundliche Kommune sind nach Fredrichs Schilderung „in keiner Weise unkorrekten Angaben“ an die ausrichtende Oskar-Patzelt-Stiftung gemacht worden. Dessen Vorstandsvorsitzender Dr. Helfried Schmidt habe noch nie erlebt, „dass eine derartige Verleumdungskampagne gegen die eigene Heimatstadt durch einen Stadtverordneten inszeniert wurde“.

Fredrich erkennt zwei mögliche Motive „für die bereits seit einigen Jahren getätigten negativen Verlautbarungen des Herrn Markraf gegenüber der Arbeit des Wirtschaftsförderers“. Zum einen könnte der Grund in einem Urteil des Landgerichtes Potsdam liegen, in dem Markgraf untersagt worden sei, weiterhin vertrauliche Informationen der Wirtschaftsförderung an die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung auf der Internetseite seines Unternehmens zu veröffentlichen. Zum anderen liege eine Grund „vielleicht“ auch darin, dass die Stadt René Markgraf kein Grundstück am Hafen verkauft habe. Neubert habe sich ausschließlich an die Beschlüsse der Ratsrunde gehalten.

Für den Chef des Altdöberner Amtsausschusses Peter Winzer gehen Inhalt und Form der Vorwürfe unter die Gürtellinie. „Wir haben gewählt und werden Herrn Neubert bestellen“, teilt er mit. Eine Neuwahl werde es nicht geben.