Entsprechend dem Selbstverständnis der Wirtschaftsentwicklungs- und Qualifizierungsgesellschaft (Wequa) sei die Förderung von kulturellen und sozialen Einrichtungen von Anfang an ein wichtiges Thema gewesen. Prof. Seidel erinnert an das Kunstgussmuseum, den Freundeskreis Kunstguss, die Gießereifeste und den Kultur- und Heimatverein, die es ohne die Arbeitsfördergesellschaft und den damaligen Geschäftsführer Dr. Norbert Pietsch nicht gegeben hätte.

Das jüngste Kind
Dank der vielfältigen Unterstützung der MAN Takraf Fördertechnik GmbH und weiterer aus der Wirtschaft sei es gelungen, in Lauchhammer wertvolles Kulturgut zu erhalten. Die Einrichtung eines multikulturellen Begegnungszentrums in der Friedensgedächtniskirche sei in diesem Sinne „das jüngste Kind der Wequa“ , meint Kulturmanager Dietmar Simmank.
1998 sei die Idee entstanden, das leer stehende Gotteshaus für kulturelle Zwecke zu nutzen. Mit der Stadtverwaltung sei die Gesellschaft schnell übereingekommen, erinnert sich Prof. Seidel. „Aber dann begann die Arbeit“ , fügt er hinzu. Mauertrockenlegung, Innenausbau, Fußboden- und Heizungserneuerung, Einbau von Toiletten und denkmalschutzgerechter Holzfenster . . . hätten mehrere 10 000 Euro verschlungen. „Ohne die öffentliche Förderung und die Hilfe von Sponsoren wäre uns das nicht gelungen“ , hebt der Geschäftsführer hervor.
Heute hat sich das Haus als Begegnungszentrum für ein breites Publikum mit unterschiedlichsten Ansprüchen etabliert. Prof. Seidel: „Ich denke, wir sind eingeführt.“ Jährlich stehen etwa 90 Veranstaltungen auf dem Programm. Die Gästezahl liegt derzeit bei ungefähr 7000 pro Jahr.

Kultur mit Niveau
Dietmar Simmank war einer der Enthusiasten, die sich von Anfang an für das Konzept engagiert haben: „Unser Ziel besteht darin, eine niveauvolle Kultur mit attraktiver Gastronomie anzubieten, die erschwinglich ist.“ Auftritte von regionalen Künstlern und jungen Talenten wurden bald durch zwei eigene Theaterproduktionen im Rahmen des „Xenos“ -Projektes ergänzt. Wichtig sind politische Veranstaltungen. Regine Hildebrandt war da, auch Manfred Stolpe und Matthias Platzeck. Themen wie Hartz IV oder Wahlen standen immer wieder auf der Tagesordnung von Veranstaltungen.
In den fünf Jahren habe es verschiedene Projekte gegeben, die ohne die Unterstützung der Arbeitsförderung unmöglich gewesen wären. Nicht immer gelinge es, die vielfältigen Veranstaltungen kostendeckend zu gestalten. Aktuellstes Projekt ist die Zusammenarbeit mit der Neuen Bühne Senftenberg. Regelmäßige Aufführungen wird es in den nächsten Monaten geben. Deshalb werde demnächst eine feste Bühne aufgebaut.
Er meint: „Wir werden unserem Anspruch als Zentrum für Kunst, Kultur und Politik damit in zunehmendem Maße gerecht.“ Eine Konkurrenz zu ähnlichen Zentren wie der Wendischen Kirche in Senftenberg oder den IBA-Terrassen sieht der Wequa-Geschäftsführer nicht. Für die Zukunft strebe die Wequa sogar eine Vernetzung der verschiedenen Kulturangebote an. Die unterschiedlichen Einzugsgebiete der Zentren forderten geradezu solch eine Zusammenarbeit heraus. Die Friedensgedächtniskirche werde schließlich von einem Publikum zwischen Ortrand und Schipkau angenommen.

Ehrenamtliches Engagement
Finanziell sei eine solche Einrichtung natürlich nicht ohne staatliche Förderung zu betreiben. Auch nicht durch die Eintrittsgelder. Großes ehrenamtliches Engagement der Mitglieder des Betreibervereins Haus der Möglichkeiten sichere zumindest die Gästebetreuung und Reinigungsarbeiten ab. Zuschüsse in wirtschaftlich vertretbarem Rahmen leiste auch die Wequa.
Noch in diesem Jahr offeriert das Haus einige interessante Angebote: Karten sind noch erhältlich für ein vorweihnachtliches Konzert mit Musik aus Barock und Frühklassik am 27. November, die öffentliche Generalprobe zum Stück „Der Kontrabass“ am 9. Dezember, ein Puppentheater am 12. und 13. Dezember und eine etwas andere Silvesterparty.