Jenny, Lisa und Jessica greifen zum Mikrofon. Vor mehr als 200 Mädchen und Jungen aus ihrer Oberschule und einigen Gästen stellen sich die Teenager mutig hin und singen. Einfach so. Niemand lacht. Weder blöde Sprüche noch Zwischenrufe stören die Mädchen. Statt dessen tost am Schluss kräftiger Beifall. Das geschieht zum Ende einer kleinen Feierstunde am Donnerstagvormittag in der Bernhard-Kellermann-Oberschule Senftenberg. Wenige Minuten zuvor hatte die Schule den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" bekommen. Sie ist jetzt die 1385. Schule in Deutschland, die ihn tragen darf und nun dem bundesweiten Netzwerk angehört. Es vereint seit knapp fünf Jahren Mädchen und Jungen, die selbst das Klima an ihren Schulen aktiv mitgestalten und sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden. Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) als Pate für diese Intiative und Viola Weinert, Regionalkoordinatorin des Netzwerkes und in der RAA Brandenburg (Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie), tätig, sind extra gekommen, um Urkunde und Schild zu überreichen. Conrad Grimm (15) und Pascal Winter (16) nehmen es entgegen. Die beiden Zehntklässler gehören gemeinsam mit Nicolas Köhler (14), Paul Lehmann (14), Marcel Tschirswitz (15) und Emily Fischer (14) zur Gruppe, die den Titelkampf initiiert hat. Ein Jahr lang haben sie sich darauf vorbereitet und mit dem Thema Rassismus, Diskriminierung, Gewalt und Mobbing beschäftigt. Da gab es Schulungen zu Fragen von Asyl und Flüchlingen, Auseinandersetzungen über rechtsextreme Ideologie und intensive Beschäftigungen mit der deutsch-polnischen Geschichte. Dass es letzter Zeit Nachrichten gab, die von Attacken gegen Schulen, deren Schüler sich gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichekeit wenden, hat sie nicht einen Moment zögern lassen. "Wegschauen? Das geht gar nicht!", sagen sie. Außerdem seien die Angreifer feige, weil sie nicht einmal ihr Gesicht zeigen. "Wir müssen uns gegen die Rechten wehren", sagt Pascal, der das mit seinem T-Shirt, auf dem das Hakenkreuz durchgestrichen ist, deutlich macht. Und die jungen Leute zeigen ihre Stärken. Zu denen gehört auch so eine vermeintlich kleine Episode wie die von den mutigen singenden Mädchen, denen sie zuhören. Für Marcel Tschirswitz ist das ganz einfach: "Sich respektvoll begegnen, darum geht es."

Zum Thema:
Jede Schule kann den Titel "Schule gegen Rassismus - Schule mit Courage" erwerben, wenn sie mindestens 70 Prozent aller Menschen, die in einer Schule lernen und lehren (SchülerInnen, LehrerInnen und technisches Personal), verpflichten, sich mit ihrer Unterschrift künftig gegen jede Form von Diskriminierung an ihrer Schule aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen.