Doch das Treffen und die Wiedersehensfreude sind getrübt. Nach 20 Jahren intensiver Heimatforschung, dem Anfertigen einer umfangreichen Dorfchronik und zahlreicher geselliger Treffen ist die Auflösung der Interessengemeinschaft beschlossen worden. Aus Altersgründen.

"Ich würde gern weitermachen. Aber das Alter und die Gesundheit lassen es nicht mehr zu", erklärt Heinz Wolf. Der 85-jährige Ortschronist und Regionalforscher hatte sich vor zwei Jahren noch einmal bereit erklärt, das zehnte Treffen der Interessengemeinschaft vorzubereiten.

An seiner Seite waren Lothar Parlitz aus Bischdorf und Gerda Grabitz aus Groß Lübbenau. Beide gehören seit Jahren zu den Vorbereitern für alle Vorhaben und Initiativen. Lothar Parlitz hatte nach der Devastierung von Vorberg in Bischdorf ein neues Zuhause gefunden.

Seine Arbeit sah das Trio darin, die Erinnerungen an die vom Braunkohlentagebau Seese-West "verschluckten Dörfer" nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. In dieser Zeit gab viel zu tun.

Alle zwei Jahre wurden das Wiedersehen organisiert. Für die Nachwelt wurden historische Details in den Dorfchroniken niedergeschrieben und mit dem Fotoapparat festgehalten.

"In der gesamten Zeit lernte ich die Freundschaft, Kameradschaft und den engen Zusammenhalt der einstigen Einwohnerschaft kennen und schätzen", so Lothar Parlitz. "Ich denke, mit dem zehnten Treffen wurde für die gesamte Einwohnerschaft von Kückebusch und Vorberg ein schöner und emotionaler Schlusspunkt gesetzt", sagt Gerda Gra-bitz (75). Sie kam erst im Jahre 1945 als Flüchtlingskind nach Kückebusch.

Eine geschmückte Kaffeetafel bringt die ungefähr 40 Mitglieder der Interessengemeinschaft noch einmal zu einer geselligen Gesprächsrunde zusammen. Ein neues Zuhause haben die "Abgebaggerten" in den Städten Calau, Lübbenau und Vetschau sowie in deren Umgebung gefunden.

Nach Groß Klessow hatte es damals Günter Lehmann aus Vorberg verschlagen. "Heimat bleibt aber Heimat", sagt der 80-Jährige, der im vergilbten Fotoalbum blättert, mit fester Stimme.

Manche fanden in der Ferne ihr neues Glück. Unter ihnen ist die heute 57-jährige Diplomingenieurin Roswitha Birke, geborene Schmidt. "Obwohl schon so viel Zeit vergangen ist, bleiben die Erinnerungen von Kückebusch hellwach", so die Neu-Dresdnerin. "Mir ist, als hätte ich das Dorf erst gestern verlassen", sagt Renate Dunkel, geborene Seeländer. Sie hatte im Jahre 1962 Kückebusch in Richtung Döbern (SPN) verlassen.

Das letzte Treffen will kein Ende nehmen. Zu erzählen gibt es viel. Kein Wunder: Alle Erinnerungen reichen mehr als ein halbes Jahrhundert in die Geschichte zurück.