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| 02:47 Uhr

500 Kinder vom Streik betroffen

Mutter Nicole Schnitt holt ihre Tochter Melissa aus der Kita "Horthaus" ab. Für die heutige Betreuung hat sich der Vater einen Tag Urlaub genommen.
Mutter Nicole Schnitt holt ihre Tochter Melissa aus der Kita "Horthaus" ab. Für die heutige Betreuung hat sich der Vater einen Tag Urlaub genommen. FOTO: jag
Senftenberg/Großräschen. Drei Awo-Kitas in Senftenberg und Großräschen werden heute bestreikt. Verdi verlangt für die Erzieher einen gerechteren Lohn, der sich am öffentlichen Dienst orientiert. Andrea Budich und Jan Augustin

Ganztags bleibt heute die Kita "Spatzennest" in Großräschen geschlossen. In Senftenberg sind die Kitas "Horthaus" und "Hörlitzer Straße" von 12 bis 19 Uhr zu. Etwa 500 Kinder sind in diesen drei Kitas angemeldet. Betroffen sind zudem auch zwei Einrichtungen in Lübbenau und eine in Altdöbern. Die Gewerkschaft Verdi hat zu einem Warnstreik aufgerufen, weil es auch nach fünf Verhandlungsrunden noch zu keiner Einigung bei den Verhandlungen mit der Awo-Tarifgemeinschaft Brandenburg gekommen sei, teilt Gewerkschaftssekretär Ralf Franke mit. Betroffen seien nicht nur die Beschäftigten der Arbeiterwohlfahrt in den Kitas, sondern auch Mitarbeiter in Pflegeheimen, in Kinder- und Jugendheimen, in Wohn- und Werkstätten für Menschen mit Behinderung, der ambulanten Pflege, der Einzelfallhilfe und Frühförderung, in Beratungsstellen und in Schulen.

Etwa 1300 Menschen sind laut Verdi beim Awo-Regionalverband Brandenburg Süd beschäftigt. "Die Beschäftigten der Arbeiterwohlfahrt fordern für ihre Arbeit die gleiche Wertschätzung und Entlohnung, die auch die vergleichbaren Beschäftigten im öffentlichen Dienst mit ihrem Tariflohn erhalten", sagt Verdi-Verhandlungsführer Ralf Franke. Gerade für langjährigen Mitarbeiter sei der Lohnabstand "sehr groß". Franke nennt ein Beispiel: Eine Erzieherin, die seit 17 Jahren im Dienst stehe, verdiene in einer kommunalen Kita mit 3590 Euro etwa 1000 Euro mehr als ihre Kollegin bei der Awo.

Die Eltern müssen sich für den heutigen Tag eine eigene Betreuungsvariante ausdenken. Entweder haben sie einen verständnisvollen Arbeitgeber oder aber Oma und Opa müssen ran. Ein Notdienst ist für den Streik jedenfalls nicht vorgesehen. Und die umliegenden Kitas sind in Senftenberg so gut wie voll, bestätigt der zuständige Amtsleiter Falk Peschel.

Auch in Großräschen sind in allen fünf Kitas die Kapazitätsgrenzen erreicht. "Sie sind voll bis unters Dach", bestätigt Großräschens Hauptamtsleiterin Karin Neufeld. Im "Haus Kunterbunt" in städtischer Trägerschaft sind alle 210 Plätze besetzt. "Eltern für den Streiktag einen Ausweich-Kitaplatz anzubieten, funktioniert also nicht", erklärt Neufeld die schwierige Situation für berufstätige Eltern, die über keine Großeltern in Rufbereitschaft verfügen.

Bei der Arbeiterwohlfahrt als Träger des ganztags bestreikten "Spatzennestes" haben sich bis gestern Mittag keine Eltern aus Großräschen gemeldet. Das bestätigt die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Jacqueline Weber. Einige wenige Eltern anderer bestreikter Kitas haben indes einen Hilferuf an den Träger gesendet. "Wir sind dabei, Hilfsangebote zusammenzustellen", so Weber.

Familie Schnitt aus Senftenberg bedient sich indes der Hilfe zur Selbsthilfe. Für ihr jüngstes Kind, die zweijährige Melissa, nimmt sich der Vater einen Tag Urlaub, erklärt Mutter Nicole Schnitt. Die Senftenbergerin zeigt aber Verständnis dafür, dass die Erzieherinnen den gleichen Lohn erhalten wollen wie ihre Kolleginnen in den städtischen Einrichtungen.