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| 16:52 Uhr

„Schiff ahoi!“ im Hafen Großräschen: Fahrgastschiff braucht noch den TÜV
35 Mann für Schiffs-Abnahme an Bord

Das Wechseln der Seite, von Backbord nach Steuerbord, gehörte mit zum Test in der Barkasse, die am Großräschener See einen neuen Heimathafen gefunden hat. Der vom Kochelsee in Bayern stammende Schiffs-Oldtimer neigte sich zur Seite, erfüllte aber mit Bravour alle Normen. Der Jungfernfahrt steht nichts mehr im Wege - vorausgesetzt es geht jetzt schnell mit der Zulassung.
Das Wechseln der Seite, von Backbord nach Steuerbord, gehörte mit zum Test in der Barkasse, die am Großräschener See einen neuen Heimathafen gefunden hat. Der vom Kochelsee in Bayern stammende Schiffs-Oldtimer neigte sich zur Seite, erfüllte aber mit Bravour alle Normen. Der Jungfernfahrt steht nichts mehr im Wege - vorausgesetzt es geht jetzt schnell mit der Zulassung. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Großräschen. Belastungs-Test bestanden: Barkasse im Großräschener Hafen trägt ohne Schlagseite sicher alle Passagiere. Von Andrea Budich

Eine Seefahrt, die ist lustig. Das wissen die 35 Statisten natürlich, die am Mittwoch, Punkt 10 Uhr, zum Großräschener Hafen strömen. Ohne Schwimmweste, aber bestens gelaunt, wollen sie allesamt an Bord des Schiffs-Oldtimers, der seit Anfang September gut vertäut im Großräschener Hafen liegt.

Rauf aufs altehrwürdige Ausflugsschiff vom türkisblauen Kochelsee in Bayern ja - allerdings nicht zum Vergnügen. Die Passagiere kommen, um am so genannten Krängungstest des Schiffes teilzunehmen. Nur wenn der anstandslos bestanden wird, kann das noch namenlose Großräschener Schiff seine Zulassung gemäß der Brandenburger Schifffahrts-Verordnung bekommen und möglichst bald zur Jungfernfahrt in See stechen.

Der Sachverständige Hans-Ulrich Förster misst akribisch jeden Zentimeter der Schlagseite. Die gesammelten Daten gehen jetzt zur Schifffahrtskommission nach Hoppegarten zur Beurteilung.
Der Sachverständige Hans-Ulrich Förster misst akribisch jeden Zentimeter der Schlagseite. Die gesammelten Daten gehen jetzt zur Schifffahrtskommission nach Hoppegarten zur Beurteilung. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche

„Für diesen Test brauchen wir 2600 Kilogramm Gewicht", erklärt Schiffbaukonstrukteur Hans-Ulrich Förster mit dem Zollstock in der Hand. Er arbeitet als Sachverständiger für das Dezernat Technische Schiffssicherheit Mainz und ist in dieser Mission heute in Großräschen unterwegs.

Bevor es also an Bord geht, wird das Gewicht jedes Passagiers auf einer Klatte festgehalten. Ordnung muss sein. Während die Männer ihr Gewicht per Zuruf weitergeben, wird bei den Damen eher geflüstert. Aber egal. Am Ende kommen sogar einige Kilos mehr als die erforderlichen 2600 Kilogramm zusammen.

Es kann also losgehen. Die Testteilnehmer warten gespannt auf ihren Einsatz an Bord. Ihre Aufgabe besteht im Laufe des Tests darin, geschlossen als Gruppe die Seite zu wechseln. Von einer Reling zur anderen, von Backbord nach Steuerbord. Die Anweisungen gibt Hans-Ulrich Förster. Er misst, in welchem Winkel sich das Schiff neigt, wie groß die Schlagseite ist. Von diesen Werten kann er dann hochrechnen, was geschieht, wenn sich 70 oder 100 Passagiere auf dem Schiff befinden. Das neue Gästeschiff muss diesen Test bestehen, damit es eine Zulassung bekommt.

Nach 20 Minuten ist der Test abgeschlossen und alle Daten sind gesammelt. „Es sind alle Werte erreicht worden, die erreicht werden müssen“, zeigt sich der Gutachter höchst zufrieden.

Dass alles in Ordnung ist, freut Schiffs-Eigentümer Jörg Gabbert (33) von der Lausitzer Unternehmensgruppe BUG besonders. Er hofft, dass mit dem offiziellen Prüfergebnis jetzt alles schnell geht und sich die Wogen in den Genehmigungsbehörden sanft glätten. „Das Schiff ist startklar. Wir sind bereit“, kann Gabbert seine Vorfreude auf eine möglichst baldige Jungfernfahrt kaum bremsen. Wenn es nach ihm ginge, dann sogar noch in diesem goldigen Herbst. Dafür benötigt er aber noch eine Sondergenehmigung von der Wasserbehörde des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. Und die lässt trotz Antragstellung vor einigen Monaten noch immer auf sich warten.

Unter welchem Namen das historische Ausflugsschiff, das 1938 in Hamburg gebaut wurde, von Großräschen aus in See stechen wird, verrät Jörg Gabbert noch nicht. Eine Taufe wird es aber definitiv zur Jungfernfahrt geben, verspricht er. Kein Geheimnis macht der Schiffsbesitzer indes um seinen Kapitän. Am Steuerrad des Großräschener Ausflugsschiffes wird Peter Vester stehen. Der 67-Jährige hat beruflich seit 45 Jahren mit Schiffen zu tun und das Binnenschifffahrtspatent in der Tasche. Er hat schon kleine und große Fahrgastschiffe, Tanker und große Koppelverbände auf der Elbe gesteuert. Jetzt will er mit der 16,5 Meter langen Barkasse endlich auf den Großräschener See. „Sechs Knoten macht das Schmuckstück locker“, freut er sich schon auf die ersten Passagiere, mit denen er dann auch den schützenden Hafen verlassen kann.

Mit an Bord gehen will auf jeden Fall auch Joachim Krüger aus Großräschen. Am Mittwoch gehörte der 61-Jährige zur freiwilligen Mannschaft der Tester. Früher hat er als Maschinist auf einem Bagger im Tagebau Meuro gesessen. Vor 20 Jahren war er einer der letzten Kohlekumpel, die im Tagebau das Licht ausmachten. Bei seinen täglichen Runden mit dem Rad verfolgt er, was aus seiner Grube wird. „Wenn das Schiff fährt, bin ich der erste, der mitfährt“, sagt der Seemann, der früher ein Bergmann war.