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300 Jobs bei BASF-Schwarzheide auf der Kippe

Schwarzheide/Cottbus. Der Chemiekonzern BASF will bis 2015 eine Anlage zur Herstellung einer wichtigen Schaumstoff-Komponente in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) schließen. Von der Entscheidung sind 300 Arbeitsplätze betroffen. Alexander Dinger/dpa/boc

Das hat der Konzern am Dienstag bekannt gegeben. Grund für die Entscheidung ist, dass am BASF-Standort in Ludwigshafen eine neue Anlage gebaut werden soll. Laut Unternehmenssprecher Arne Petersen kostet der Neubau eine Milliarde Euro, hat eine Kapazität von 300 000Tonnen und soll 2014 in Betrieb gehen. Die alte Anlage am Standort Schwarzheide hat eine Kapazität von 80 000 Tonnen.

Der Neubau soll Ludwigshafen 200 Arbeitsplätzen bringen. Produziert wird TDI (Toluoldiisocyanat) - ein wichtiges chemisches Grundprodukt für den Kunststoff Polyurethan, der in der Auto- und Möbelindustrie für Sitzpolster, Innenverkleidungen und Schäume für Matratzen verwendet wird. Den Bau der neuen Fabrik hatte der Konzern bereits im Mai 2011 angekündigt. Es soll die größte Fabrik ihrer Art in Europa werden. Ähnliche Anlagen betreibt die BASF auch in den USA, Südkorea und China.

Für die 300 Arbeitsplätze, die von der Schließung in Schwarzheide betroffen sind, werde nach einer Lösung gesucht, sagte Unternehmenssprecher Petersen. Das BASF-Werk in Schwarzheide soll nach Angaben von Petersen im Zuge der Produktionsverlagerung umstrukturiert werden. In den nächsten Jahren sollen in der Lausitz vor allem „Spezialitäten“ produziert werden. Dazu gehören zum Beispiel Pflanzendünger. Die TDI-Anlage in Schwarzheide war bereits 1973 in Betrieb genommen worden.

Ralf Hermwapelhorst von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) kündigte an, dass man keine betriebsbedingten Kündigungen akzeptieren werde. Zugleich sagte er, dass die IG BCE die Entscheidung aus wirtschaftlichen Gründen aber nachvollziehen könne.

In der BASF Schwarzheide GmbH werden neben Polyurethan-Grundprodukten vor allem Wasserbasislacke für die Automobilindustrie sowie Wirkstoffe für Pflanzenschutzmittel hergestellt. Beim Umsatz wollte das Unternehmen 2011 wieder die Milliarden-Euro-Grenze erreichen, die genauen Zahlen sollen im März vorgelegt werden. BASF-Schwarzheide ist mit knapp 1800 Mitarbeitern nach Vattenfall der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber in der Region. Die Umstrukturierung in der Lausitz ist nicht der einzige aktuelle Umbau in dem weltweit agierenden Chemiekonzern. Erst am Montag hatte BASF bekannt gegeben, dass der Sitz des Tochterunternehmens für die „grüne Gentechnik“ von Limburgerhof bei Ludwigshafen in die USA verlegt werde. Begründet wurde der Schritt mit der in weiten Teilen Europas fehlenden Akzeptanz bei Verbrauchern, Landwirten und Politikern für die Pflanzenbiotechnologie.