Von Andrea Budich

Das Rezept, das in Senftenberg seit 25 Jahren legendär ist, hat am Wochenende überregional eingeschlagen. Renate Fritsche, Seniorchefin aus dem Reformhaus Hedwig in der Senftenberger Schlossstraße, hat erstmals am Neudorfer Suppenkochwettbewerb teilgenommen und im Erzgebirgskreis auf Anhieb den Titel der Suppenkönigin geholt.

„Suppe geht immer. Nicht nur, wenn es draußen kalt ist“, will die 70-Jährige um ihren Titel kein großes Aufhebens machen. Dabei hat die Ernährungsberaterin mit ihrer Fischsuppe das 29 Köche umfassende Teilnehmerfeld gleich bei ihrem ersten Auftritt kalt abserviert. Mit ihren fruchtigen bis deftigen Kreationen waren die Suppen-Köche immerhin bis aus Baden-Württemberg und sogar aus der Schweiz angereist.

Wärmt Bauch, Herz und Seele

Die von Renate Fritsche selbst kreierte Lausitzer Fischsuppe wärmt Bauch, Herz und Seele. In Senftenberg ist ihre Suppe seit 25 Jahren der unangefochtene Renner in der Feinkostküche des Reformhauses Hedwig. „Viele Leute kommen nur wegen der Fischsuppe und sind traurig, wenn sie am Donnerstag schon ausgelöffelt ist“, bestätigt Juniorchefin Isabell Fritsche. Es gibt Wochen, in denen die Suppe so schnell aufgegessen ist, dass sie zweimal nachgekocht werden muss. Diesem Geschmacksurteil konnten sich die sechs Juroren wohl gleichfalls nicht entziehen. Sie kürten Renate Fritsche zur Suppenkönigin. Bis zum nächsten Suppenkochwettbewerb im kommenden Jahr verbleibt die Königinnen-Schärpe jetzt in Senftenberg.

Den Kochlöffel in den Ring hat Renate Fritsche auf Drängen ihrer Familie geworfen. Für den Wettbewerb verpasste sie ihrer traditionellen Lausitzer Fischsuppe den exotischen Namen „Meeresrauschen“. Zur Rezeptur ihrer Sieges-Suppe will sie den Kochtopf-Deckel nicht vollends anheben. Nur soviel: Angeschmort werden immer drei Sorten Fisch. Seelachs, Rotbarsch, Welsfilet, Kabeljau und Lachs gehören abwechselnd dazu. Für den Geschmack sorgen ausschließlich Kräuter aus dem eigenen Garten wie Kümmel, Thymian, Salbei und Liebstöckel. „Frische Kräuter, frischer Kohl der Saison und die Röstaromen verleihen dem Sud den unverwechselbaren Geschmack“, vermutet Renate Fritsche, warum ihre Suppe in aller Munde ist. Mehr will sie indes zur geheimen Rezeptur nicht verraten. Das Rezept, die Zusammensetzung der einzelnen Zutaten, habe sich über die vielen Jahre entwickelt. Eine Handvoll Stockschwämmchen und Champignons sind mittlerweile für die Köchin gleichfalls unverzichtbar für ihre Suppe.

Fisch stand früher selten auf dem Speiseplan

Dass eine Fischsuppe in Senftenberg so Furore macht, ist indes eher Zufall. Denn die Reformhaus-Chefin stammt selbst nicht von der Küste. Im Erzgebirge groß geworden, standen im Elternhaus eher selten Fischgerichte auf dem Speiseplan. Der Fisch kam erst viel später ins Spiel, als der Schwiegervater eine Fischsuppe mit viel Rotwein ansetzte, die alle in der Familie sehr liebten. „Daran habe ich mich erinnert, als ich vor 25 Jahren im Reformhaus meine erste eigene Fischsuppe ansetzte“, so die frisch gekrönte Suppenkönigin. Krone und Schärpe sind für sie der beste Einstieg ins Jubiläumsjahr 2020. Dann gibt es das Reformhaus Hedwig 30 Jahre.