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| 13:32 Uhr

Interview mit Kiki Sauer
Weil das Gute so nah liegt:aus dem Studio an den See

Die 17 Hippies aus Berlin, hier bei ihrem Auftritt 2016 im Amphitheater, sind erneut in Großkoschen am 3. August zu erleben.
Die 17 Hippies aus Berlin, hier bei ihrem Auftritt 2016 im Amphitheater, sind erneut in Großkoschen am 3. August zu erleben. FOTO: Dietmar Seidel
Großkoschen. 17 Hippies leben am Freitag ihre Spiellust wieder im Amphitheater Großkoschen aus. Von Heidrun Seidel

In eine musikalische Schublade passen sie nicht, die weltreisenden 17Hippies aus Berlin. Ein kürzlich veröffentlichtes WDR-Porträt beschreibt, sie würden „polyphone Anarchie“ pflegen, und „Weltmusik heißt für sie Folk-Walzer, Schlager-Tango, Hillbilly-Klezmer und vieles mehr“. Wie sich das anhört, ist am Freitagabend im Amphitheater zu erleben, wenn vom ersten Ton an der Kessel wieder brodelt. Im RUNDSCHAU-Gespräch Kiki Sauer.

 Eure Auftritte in diesem Sommer sind ziemlich übersichtlich. Trotzdem ist gerade Senftenberg dabei – und das nun schon zum sechsten Mal in Folge. Warum?

Kiki Sauer Wir sind diesen Sommer in Berlin im Studio und machen ein neues Album. Senftenberg hat das Glück in der schönen Lausitz nicht so weit von Berlin zu sein. Da können wir unsere Spiellust ausleben, ohne in einen Flieger zu steigen oder durch die ganze Republik zu fahren. Warum immer in die Ferne schweifen – das Gute liegt doch so nah!

Was bringt die neue CD, die am 23. November 2018 erscheint?

Sauer Es sind neue Songs entstanden, die sehr gefühlsbetont und voller Leben sind! Irgendwann in deinem Musikerleben sagst du dir, dass du nicht immer alles neu erfinden kannst … und in dem Moment entdeckst du, dass dies doch möglich ist. Jederzeit, man muss es nur sehen oder finden. Auch hier gilt: Das Gute liegt so nah.

Was werdet Ihr am Freitag davon schon vorstellen?

Sauer Am Freitag schweifen wir einmal quer durch unsere 20-jährige Existenz. Viele unserer Stücke haben sich, auch wenn sie schon älter sind, im Arrangement verändert und bekommen einen neuen Klang. Neulich sagte ein Fan voll Inbrunst: Schön, dass ihr schon die neuen Stücke spielt …! Dabei sind die jetzt natürlich noch nicht dabei. Er hatte aber so viel Neues entdeckt … Genau! Da war ja auch viel Neues zu entdecken.

Kürzlich hat es im WDR-Hörfunk ein interessantes und auch stimmungsvolles Feature über euch gegeben. Es erzählt von der anarchischen Entstehungsgeschichte der Band unter dem Einfluss des Mauerfalls und von der ebenso anarchischen Arbeitsweise. Also ziemlich viel Gleichberechtigung und  Mitbestimmung in der Gruppe beim 17Hippies-typischen Kreieren von Musik aus aller Welt.  Schafft ihr es, euren Idealen treu zu bleiben – und wenn ja, wie?

Sauer Ideale ändern sich, die Hauptsache ist, sich selbst treu zu bleiben und weiter das zu machen, was man kann, will und gut findet. Veränderung ist existenziell und macht die Lebhaftigkeit des Seins aus. Wenn wir stehen bleiben, ist es vorbei mit der Neugier, der Abenteuerlust. Dann bleiben wir lieber gleich im Bett.

Das britische Magazin „Songlines - The best music from around the world“ hat in seiner April-Ausgabe eine CD beigelegt, auf der euer Titel „Adieu“ zu hören ist. Was bedeutet euch das?

Sauer Dass in England ein auf Deutsch gesungener Song hervorgehoben wird – das ist schon was! Als Erfinder in Sachen Rock und Pop haben die Engländer ein begrenztes Verständnis, wenn man diese „ihre“ Stile kopiert. Als etwas Besonderes gilt jedoch, wenn etwas Eigenes entsteht. Und so wird unser Stil etikettiert. Wir empfinden dies als Auszeichnung und sind sehr stolz darauf.

Außer Musik gebt ihr Notenbücher heraus. Was hat es damit auf sich?

Sauer Unsere Musik wird sehr gerne von anderen Musikmachenden gespielt. Es bilden sich aufgrund der 17 Hippies Formationen, die mit vielen Musikern unser Repertoire nachspielen. Das haben wir aufgegriffen und diverse Notenbücher herausgebracht. Neu sind die Play-Alongs, die wir aufgenommen haben und zu denen live mitgespielt werden kann. Jeder kann also jetzt zu Hause mit uns zusammen Musik machen  falls er gerade keine anderen Mitmusiker zur Hand hat. Und ganz neu gibt es „17 Hippies für Klavier“! Unser Repertoire für zwei Hände, holla, das klingt fantastisch.

Was ist sonst noch im vergangenen Jahr passiert? Sind alle wieder dabei am Freitag?

Sauer Alle sind am Freitag mit dabei und freuen sich auf  kühle Seeluft in Senftenberg. Wir haben uns in den letzten Jahren mehr auf unser kreatives Schaffen konzentriert, als durch die ganze Welt zu düsen. Wir haben schon so viel gesehen, und jetzt ist es an der Zeit, alles zu sammeln und dies musikalisch zu einer neuen Welt zu gestalten.

Mit Kiki Sauer
sprach Heidrun Seidel.