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| 19:37 Uhr

DJs legen ihre Musik an spektakulären Lausitzer Orten auf
Elektro-Party im Kühlturm

 Auch die Energiefabrik Knappenrode ist schon von „Lausitzer Kult am Pult“ beschallt worden.
Auch die Energiefabrik Knappenrode ist schon von „Lausitzer Kult am Pult“ beschallt worden. FOTO: Marcel Schwertle
Weißwasser/Schwarze Pumpe. Das Trio „Lausitzer Kult am Pult“ macht Musik an spektakulären Orten. Nach Likörfabrik und Flugplatz wollen sie nun einen Kühlturm im Kraftwerk zum Wummern bringen. Aber ob der Traum vom Elektro-Beat im „Riesen-Schornstein“ tatsächlich aufgeht, ist noch fraglich. Von Anja Hummel

140 Meter hoch, 90 Meter breit: Der Kühlturm im Kraftwerk Schwarze Pumpe ist normalerweise niemandem zugänglich. Wo sonst Waschmaschinenatmosphäre herrscht und Rauchgase über riesige Stahlrohre abgeleitet werden, stehen am kommenden Wochenende drei DJs am Plattenteller. Marc Paprott, Marcel Täubert und René Haase nennen ihr Projekt „Lausitzer Kult am Pult“.  Damit verbinden die Männer aus Uhyst und Weißwasser ihre Leidenschaft zur Musik mit ihrer Liebe zur Heimat.

 „Wir lassen uns musikalisch von spektakulären Orten der Region inspirieren“, erklärt Marcel Täubert, der als DJ Charity erst kürzlich sein 20-jähriges „Pult-Jubiläum“ feierte. Was sie damit außerdem erreichen wollen: „Wir bringen den Menschen die schönen Orte der Lausitz näher“, sagte Marc Paprott schon im November 2018. Damals stand das Trio mit seiner Idee noch ganz am Anfang.

FOTO: privat

Das Set im Kühlturm wird nun – gut ein hal­bes Jahr später - ihr mittlerweile zwölftes Event. So richtig fassen können sie es noch nicht. „Wer bekommt schon mal die Chance, in einem Kühlturm aufzulegen? Wir sind mega gespannt, das wird echt schräg“, sagt der 35-jährige Täubert.

Mindestens genauso gespannt ist Kerstin Schilling. Die „Kunsttante“ vom Kraftwerk, wie sie sich selbst bezeichnet, hat die ganze Aktion eingefädelt. „Der Kühlturm ist seit Ende März außer Betrieb, es stehen Wartungen an. Das ist wie mit einem Auto, das mal in die Werkstatt muss“, erklärt sie. Der Kühlturm – einer von zweien im Kraftwerk Schwarze Pumpe – ist komplett beräumt. Für die Wartungsarbeiten gibt es keinen strikten Zyklus. Sehr oft aber komme solch ein planmäßiger Stillstand nicht vor – gerade mal alle sechs bis sieben Jahre. Bis Christi Himmelfahrt soll der Turm wieder in Betrieb sein, für Kühlwasser sorgen und die Reingase ableiten.

Doch auch wenn alles in Sack und Tüten scheint: „Wenn es regnet, dann müssen wir einen Rückzieher machen“, kündigt Kerstin Schilling an. Schließlich ist der Kühlturm oben offen. „Dann würden die Jungs im Regen stehen.“ Als Alternative bliebe dann noch die Kuppel auf der Aussichtsplattform. Auch ein netter Ort, aber natürlich wollen die DJs vorzugsweise den Kühlturm beschallen.

 Ob der Sound für die Ohren letztendlich erträglich ist, weiß auch noch niemand. „Ich habe mal im Video gesehen, wie ein Luftballon in so einem Kühlturm geknallt hat. Der hat nachgeknattert wie ein Maschinengewehr“, erzählt Marcel Täubert. Die Frage nach der Akustik bleibt also spannend. „Restrisiko“, sagt Kerstin Schilling. „Das Ding ist ja rundum offen, unten und oben. Das ist wie ein Kanal, in dem wir auflegen“, so Täubert. In solch einem Hohlkörper habe er noch kein DJ-Set gesehen. Die Chance ist einmalig. Darüber ist sich das Trio bewusst. Auf einer Art Gangway werden sie in der Mitte des Kühlturms ihre Technik aufbauen. Über ihnen thronen dann große, dicke Reingasleitungen. „Wo die Jungs stehen, ist normalerweise echte Waschmaschinenatmosphäre“, erzählt die Kraftwerksexpertin. Läuft alles nach Plan, stehen die Lausitzer Freitagnachmittag für jeweils 40 Minuten am Plattenteller. Sie spielen Elektro – von Trance über House bis zu Techno. Damit treffen sie nicht unbedingt den Musikgeschmack von Kerstin Schilling, gibt sie zu. „Aber man muss ja mit der Zeit gehen“, sagt die Frau lächelnd. Seit 1997 arbeitet sie in Schwarze Pumpe.

FOTO: Kult am Pult / Lausitzer Kult am Pult

Beim anstehenden Event im Kühlturm wird sie definitiv dabei sein. Doch außer den DJs und ihr wird von dem Set – zumindest live – niemand etwas mitbekommen. Aber: „Wir nehmen wie immer alles auf. Der erste von insgesamt drei Streams wird am Samstag auf Facebook online gehen“, kündigt Marcel Täubert an. Vorab machen die DJs Geländeaufnahmen mit der Drohne. Die Clips werden nachträglich in das Video eingebunden. „Wir gehen erstmal mit der Kamera auf die Reise und lassen uns von der Umgebung inspirieren“, beschreibt es Marc Paprott.  Eine feste Playlist gibt es nicht. Erst vor Ort wird entschieden, welcher Song „jetzt geil wäre“. „Wir bringen damit die schönen Orte, die uns hier zur Verfügung stehen, zu den Leuten ins Wohnzimmer“, fasst es der Weißwasseraner Marc zusammen.

Der Gedanke, Highlights aus der Lausitz zu präsentieren, hat auch Kerstin Schilling und die Kraftwerksleitung überzeugt. „In der Lausitz sind Kraftwerke immer Schmuddelecken, ganz giftig und fürchterlich, absolute Dreckschleudern“, gibt sie den negativen Tenor wieder. Mit der DJ-Aktion möchte das Kraftwerk eine besondere Möglichkeit nutzen, „um auch mal von einer anderen Seite gesehen zu werden“, wie Kerstin Schilling erzählt.

 Nach eigenen Angaben erreichen „Lausitzer Kult am Pult“ gut 10 000 Leute am Monitor pro DJ-Set. Aufgelegt haben sie unter anderem schon auf dem Flugplatz Bautzen, dem Aussichtsturm Am Schweren Berg in Weißwasser oder in der alten Tuchfabrik in Forst.

Nach dem Highlight im Kraftwerk soll es im Juni direkt weitergehen. „Wir haben uns noch nicht entschieden. Kulturinsel Einsiedel, Rostiger Nagel bei Senftenberg oder Waldeisenbahn Muskau könnten wir uns vorstellen“, sagt Täubert. Schon dingfest: Ihr Auftritt im Schloßpark Uhyst zum großen Oldtimertreffen im August. Und im September legen die Jungs bei Nacht auf Hoyerswerdas größtem Haus, dem Lausitzto­wer, auf.

FOTO: Kult am Pult / Lausitzer Kult am Pult