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| 18:06 Uhr

Mobilitätsachse
Klare Linie durch Grün und Gold

Die Verbindung zwischen Bahnhof und Breiter Straße soll als „Mobilitätsachse“ geplant werden. Dazu würde auch die Sanierung der Friedensstraße zählen.
Die Verbindung zwischen Bahnhof und Breiter Straße soll als „Mobilitätsachse“ geplant werden. Dazu würde auch die Sanierung der Friedensstraße zählen. FOTO: LR / Katrin Janetzko
Lübben. „Mobilitätsachse“ wird geplant, um Bahnhof und Zentrum besser zu verbinden. Doch es gibt auch Skeptiker. Von Ingvil Schirling

Im Gelb und Gold der fallenden Herbstblätter erstrahlt der Lübbener Hain in diesen sonnigen Spätherbsttagen. Stadtplanerisch gesehen, leuchtet außerdem ein grünes Licht seit der jüngsten Stadtverordnetenversammlung. Denn auf politischer Ebene ist die Planung für den Ausbau der Verbindung vom Bahnhof bis ins Zentrum als Mobilitätsachse durch die Degat Planungsgesellschaft und das Büro Nagler und Dieck beschlossen worden.

Im Umfang von rund 153 000  Euro kann die Strecke vom Bahnhof über die Friedensstraße mit der Tangente zwischen dem Bahnhofsvorplatz und der Einmündung zur Bergstraße, dann weiter über die Friedensstraße und den Hain bis zum Anschluss an die Breite Straße nun als Einheit entworfen werden.

Zwei Ziele stehen dabei im Raum. Erstens sollen auf dieser zentralen Achse vom Bahnhof zum Zentrum Fußgänger und Radfahrer sowie Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, gegenüber Autofahrern privilegiert werden. So steht es in der Begründung für den Beschluss. Das bedeutet, dass die Wege entsprechend umgestaltet und ausgebaut werden. Zweitens soll „für bahnreisende Gäste der Zugang zum Stadtzentrum formuliert werden“, wie es auf planerdeutsch heißt. Das bedeutet schlicht, dass Ortsunkundige auf dieser Strecke besser als bisher geführt werden. Und da ist in der Tat an den verschiedenen Knotenpunkten, aber auch im Hain selbst noch einiges an Luft nach oben.

Ob die Achse dann auch entsprechend ausgebaut wird, kann beschlossen werden, wenn die Planung vorliegt. Eine grobe Vorschau in die mögliche Umsetzung steuerte Frank Neumann als Fachbereichsleiter Bauwesen in der Stadtverordnetenversammlung bei. Nach aktueller Schätzung würden die Baukosten bei 1,3 Millionen Euro liegen. Der Abschnitt von der Friedens- bis Bergstraße würde für rund 240 000 Euro auf 5,50 Meter Breite samt Nebenanlagen hergestellt. Der anschließende Teil bis zur Virchowstraße würde sich mit einem Parkstreifen auf 600 000 Euro belaufen. Im dritten Teil würde bis zum Einstieg in den Hain der Weg für einen Mischverkehr aus Fuß- und Radweg auf vier Metern Breite hergestellt werden für rund 350 000 Euro. Der vierte Abschnitt beträfe den etwa 150 Meter langen Fuß- und Radweg von der Ecke Bergstraße zur Friedensstraße für etwa 100 000 Euro. Der fünfte ist schließlich derjenige, der als Fuß- und Radweg durch den Hain bis zur Breiten Straße führt, 2,50 Meter breit werden und drei kleine Plätze beinhalten soll. Er würde etwa 396 000 Euro kosten. Dazu kommt noch Geld für die Gestaltung von Plätzen und Freianlagen.

Nicht alle Abgeordneten gingen mit der Idee mit. Es gab vier Gegenstimmen, davon zwei plus eine Enthaltung aus der Fraktion Pro Lübben und zwei aus der Fraktion Wir von Hier. Für Pro Lübben begründete Wolfram Beck auf LR-Nachfrage seine ablehnende Haltung damit, dass es aus seiner Sicht bedeutend wichtigere Projekte in der Stadt gebe. Er nannte die Schillerstraße oder den Hainmühlenweg als Beispiele für Straßen, die dringend saniert werden sollten. Der mangelnden Orientierung auf dem Weg durch Hain könne man auch mit ein paar Schildern abhelfen.

Für das Projekt spricht andererseits, dass die gesamte Verbindung in der Stadt eine hohe Bedeutung hat. So hatte es das verabschiedete Fuß- und Radwegekonzept „Lübben barrierefrei“ herausgearbeitet, das auch unter Beteiligung von Einwohnern in den Jahren 2015 und 2016 erarbeitet und Ende 2016 beschlossen worden war. Die „Achse“ ist darin als wichtiger Teil des Alltags-, Schul- und Tourismus- sowie Sport- und Freizeitwegenetzes benannt und mit zwei häufig genannten Problembereichen gekennzeichnet. „Die Orientierung im Lübbener Hain ist äußerst schwer. Die einzelnen Wegebeziehungen werden nicht deutlich“, heißt es unter anderem. „Die bauliche Qualität ist durch die unbefestigte und in Teilen notdürftig reparierte Oberfläche mangelhaft und bei schlechter Witterung besonders für Rollstuhlfahrer, Pendlerverkehre und Radler problematisch.“

Die Nachfrage von Benjamin Kaiser (CDU/Grüne) vor dem Beschluss zeigte, dass auf der Friedensstraße als Teil dieser Achse ein Hauptaugenmerk der Abgeordneten liegt. Ein hoher Teil der Planungskosten entfalle auf sie. Sein Fraktionskollege Andreas Rieger schloss: „Ich freue mich darauf, endlich vernünftig mit dem Fahrrad zum Bahnhof fahren zu können. Die Friedensstraße ist für Radfahrer eine Zumutung.“

Weg mit Durchblick: Nicht überall ist die Orientierung durch den Hain in Lübben so klar wie hier, wo der Bahnhof bereits in Sichtweite ist. Deshalb soll er als Teil einer Mobilitätsachse vom Bahnhof bis zur Breiten Straße ausgebaut werden. Dafür wurde die Planung beschlossen.
Weg mit Durchblick: Nicht überall ist die Orientierung durch den Hain in Lübben so klar wie hier, wo der Bahnhof bereits in Sichtweite ist. Deshalb soll er als Teil einer Mobilitätsachse vom Bahnhof bis zur Breiten Straße ausgebaut werden. Dafür wurde die Planung beschlossen. FOTO: LR / Ingvil Schirling