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| 16:25 Uhr

Natürliche Rasenmäher in Cottbus
Branitzer Schafe trotzen dem Wolf

 Die Schafe bleiben ganzjährig draußen
Die Schafe bleiben ganzjährig draußen FOTO: LR / Hilscher
Cottbus. Seit zwei Wochen leben wollige Vierbeiner in Pücklers Gartenkunstwerk. Längst sind sie zur Besucherattraktion geworden. Und auch der Wolf hat schon vorbeigeschaut. Von Andrea Hilscher

Ein Bild wie ein Gemälde: Riesige Rotbuchen, dazwischen schlängelt sich einer von Pücklers Flanierwegen. Spaziergänger halten inne und beobachten versonnen eine Schafherde, die vor ihnen grast.

Seit 14 Tagen leben rund 70 Rauwollige Pommersche Landschafe im Park, geschützt durch einen Elektrozaun und vor allem durch die aufmerksamen Hütehunde Kara und Birne. Aufmerksam umrunden die Pyrenäenberghunde ihre Herde, spähen immer wieder ins Umland und registrieren jede Bewegung in der Landschaft. In den ersten Nächten, die die Tiere im Branitzer Park verbracht haben, sind weder Schafe noch Hunde zur Ruhe gekommen.

FOTO: LR / Hilscher

„Wahrscheinlich hat der Wolf vorbeigeschaut“, vermutet Schäfer Marek Köhler aus Müschen. Die Hunde haben offenbar einen guten Job gemacht – der Wolf hat sich nicht wieder in die Nähe der Lämmer und Muttertiere getraut. Köhler und seine Lebensgefährtin Marlen Jordan bilden die Hütehunde selbst aus. „Uns ist es wichtig zu zeigen, dass man auch in Wolfsregionen Schafe halten kann“, sagen sie. Die Hunde vertreiben die Wölfe durch ihr Gebell, doch oft reicht schon der Geruch der Tiere, um den Wolf fernzuhalten. „Wobei auch wir nicht ausschließen können, dass mal etwas passiert“, sagt Marlen Jordan.

FOTO: LR / Hilscher

Sie ist im Hauptberuf Psychologin. Sie weiß: „Jeder Mensch profitiert vom Kontakt mit Tieren. Wenn die Besucher des Parks unsere Schafe und Hunde beobachten, hat das nachweislich Effekte auf ihre Gesundheit.“  Sie möchte Kindern und Erwachsenen die Vorteile der sozialen Schäferei nahebringen: Neben den Auswirkungen auf Psyche und Körper stehen die ökologischen Vorteile der lebenden Rasenmäher im Vordergrund. Sie sorgen für eine Parkpflege, die schon der Fürst zu Lebzeiten genutzt hat und die in Branitz noch bis in die 1970er-Jahre fortgeführt wurde.

 Die robusten Schafe bleiben ganzjährig draußen. Sie können sich an die Gegebenheiten anpassen, brauchen nur ausreichend Futter und Wasser. Ihre Wolle ist etwas rauer als die von Merinoschafen, kann aber zum Beispiel als Dämmmaterial verwendet werden.
Die robusten Schafe bleiben ganzjährig draußen. Sie können sich an die Gegebenheiten anpassen, brauchen nur ausreichend Futter und Wasser. Ihre Wolle ist etwas rauer als die von Merinoschafen, kann aber zum Beispiel als Dämmmaterial verwendet werden. FOTO: LR / Hilscher

Parkleiter Claudius Wecke ist daher glücklich, dass diese Tradition wieder aufgelebt ist. „Ich freue mich täglich an dem wunderschönen Bild der Schafe im Park“, sagt er begeistert. Noch offen ist allerdings die Frage, wie die Schäferei auf Dauer zu finanzieren ist. Marek Köhler: „Noch bezahlen wir alles alleine, auf Dauer schaffen wir das nicht.“ Die täglichen Kontrollbesuche, die Wasserversorgung, das häufige Umsetzen der Zäune erfordert hohen personellen Aufwand. „Wir verhandeln mit der Stiftung über eine Kostenübernahme, außerdem suchen wir nach Sponsoren.“ Naturschutzverbände oder private Initiativen seien denkbar.

 Die Schafe halten das Gras im Park auf ökologisch verträgliche Weise kurz.
Die Schafe halten das Gras im Park auf ökologisch verträgliche Weise kurz. FOTO: LR / Hilscher

Am Sonntag, 14. Juli, zeigen die Müschener Schäfer im Branitzer Park, wie anstrengend die Arbeit mit den wolligen Tieren sein kann: „Wir haben befreundete Schäfer zu einer öffentlichen Schafschur eingeladen“, erzählt Marlen Jordan. Ab 15.30 Uhr geht es den Pommerschen Landschafen an den Kragen beziehungsweise an die Wolle. Was mit dem Naturmaterial geschieht, ist noch unklar. „Die Verkaufserlöse sind nicht der Rede wert“, sagt Marlen Jordan, obwohl die grobe dunkle Wolle sich gut als Dämmmaterial eigne. Ebenso offen ist noch, ob und wann die ersten Lämmer geschlachtet werden.

Noch dürfen sie im Branitzer Park an Löwenzahn, Gras und Brennesseln knabbern, zusätzlich trinken sie noch immer Muttermilch. Wegen der Trockenheit werden die Standorte häufig gewechselt. Derzeit können Besucher die Tiere in Höhe der Schlossgärtnerei auf dem ehemaligen Kompost-Gelände des Fürsten beobachten. Hier findet auch die öffentliche Schur statt.

Infos über die soziale Schäferei, über die Ausbildung von Hüte-, Jagd- oder Familienhunden sowie über Möglichkeiten des Sponsorings gibt es unter E-Mail therapiebegleitung@web.de.