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| 18:58 Uhr

6,5 Kilometer Auslaufschutz fürs Lausitzer Seenland fertig
Lückenschluss an Dichtwand am Tagebau Welzow-Süd erfolgt

Auf gut einem Meter Breite wird die Erde für die Dichtwand aufgeschlitzt. Nachdem der Ton eingespült wurde, wird der Schlitz verfüllt.
Auf gut einem Meter Breite wird die Erde für die Dichtwand aufgeschlitzt. Nachdem der Ton eingespült wurde, wird der Schlitz verfüllt. FOTO: LR / Catrin Würz
Lieske. Wichtiger Lückenschluss am unterirdischen Auslaufschutz für das Lausitzer Seenland: Dieser wurde von der Lausitzer Energie Bergbau AG (Leag) nach knapp achtjähriger Bauzeit am Donnerstag an der zwischen Seenkette und Tagebau Welzow-Süd entstehenden Dichtwand vollzogen. Von Catrin Würz und Kathleen Weser

Ein gewaltiger unterirdischer Staudamm soll das Auslaufen der Lausitzer Seenkette in die trocken gelegte Grube Welzow-Süd verhindern. 6,5 Kilometer und damit mehr als die Hälfte der Dichtwand um den Tagebau Welzow-Süd auf 10,2 Kilometer Länge und bis zu 110 Meter Tiefe sind fertig.

Die Dichtwand, die hier gebaut wird, gilt als eine natürlich unzerstörbare Wasserbarriere zwischen dem aktiven Tagebau und den benachbarten neuen Seen. Der erste Bauabschnitt für diese unterirdische Wasserbarriere zwischen dem Lausitzer Seenland und dem Abbaufeld der Braunkohle ist damit hergestellt. Das Schlitzfräsgerät hat am Donnerstag im Bauabschnitt zwischen Bluno und Lieske den letzten Schlitz in das Erdreich gefräst und mit einem Ton-Wasser-Gemisch gefüllt.

Um den fossilen Rohstoff für die Stromerzeugung zu bergen, muss das Lausitzer Flöz im Tagebau Welzow-Süd trocken gelegt werden. Ein gewaltiger Brunnenriegel pumpt das Grundwasser ab. Die Dichtwand schließt eine Sogwirkung in die Grube und damit das Leerlaufen der benachbarten Lausitzer Seenkette aus, die auch während der Braunkohleförderung wasserwirtschaftlich und touristisch nutzbar bleiben soll.

Projektleiter Daniel Steinert steht vor dem Schlitzfräsgerät, das nahe Bluno am Donnerstag den Lückenschluss vollzogen hat. Damit sind jetzt 6,5 Kilometer der Dichtwand fertig.
Projektleiter Daniel Steinert steht vor dem Schlitzfräsgerät, das nahe Bluno am Donnerstag den Lückenschluss vollzogen hat. Damit sind jetzt 6,5 Kilometer der Dichtwand fertig. FOTO: LR / Catrin Würz

Mit einem gewaltigen Schlitzfräsgerät wird aus 95 Metern Tiefe schwarz-grüner tertiärer Ton ans Tageslicht befördert. Die gigantische Abbau-Maschine schiebt täglich 16 Stunden lang immer wieder den stählernen Führungspfahl in die Erde, an dem sich eine Fräse auf einem Meter Breite mit einem Schnitttempo zwischen zehn und 60 Zentimetern pro Minute in das Gebirge vorarbeitet. Das abgefräste Erdmaterial fällt nach unten, wird dort angesaugt und im Lufthebeverfahren mit 15 Bar Betriebsdruck in Korngrößen zwischen 0,02 bis 380 Millimetern wieder ans Tageslicht gebracht.

Der maschinell geschaffene Erdschlitz, der für diese Dichtwand zwischen 95 und 110 Meter tief in die Erde getrieben wird, kann nicht in sich zusammenfallen, weil er mit einem Ton-Wasser-Gemisch gefüllt wird. Dessen Ton-Teilchen setzen sich an den Rändern des Loches fest und bilden eine Filterkruste. Das ist ein physikalisch zwingender Prozess. Denn die tonige Spülsuspension durchdringt die Wände des Schlitzes so lange in Richtung der trockenen, weil vom Grundwasser vorabgesenkten Seite nach außen, bis sie sich mit den Tonteilchen völlig zugesetzt hat. Eine feste Kruste von drei bis vier Zentimetern Dicke wird so erzeugt. Und durch die dringt kein Tropfen Wasser mehr.

Dr. Stephan Fisch leitet die Tagebauentwässerung der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG).
Dr. Stephan Fisch leitet die Tagebauentwässerung der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG). FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

Wenn dieser Schutzmantel geschaffen ist, wird der Hohlraum mit dem zuvor weggefrästen Erdmaterial wieder verfüllt. Und das Schlitzfräsgerät rückt weiter, um den nächsten Schnitt für die entstehende Dichtwand in die Erde zu treiben. So wird der hydraulische Überdruck gegen den natürlichen Grundwasserspiegel ausgenutzt, um die unterirdische Sperre auf zehn Kilometern Länge herzustellen. Das geschieht mit Material aus der Natur und erzeugt vertikal Eigenschaften, die die Eiszeit auf horizontaler Ebene geschaffen hat. Diese Dichtwände gelten nur als mechanisch wieder zerstörbar.

Die Dichtwand verläuft südlich des Tagebaus Welzow an der Grenze zur Lausitzer Seenkette.
Die Dichtwand verläuft südlich des Tagebaus Welzow an der Grenze zur Lausitzer Seenkette. FOTO: LEAG