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| 16:28 Uhr

Weltgebetstag
Zwischen Kirchenlied und Volksmusik

 Mit beherzten Kirchenliedern und slowenischer Volksmusik wurde der diesjährige Weltgebetstag in Lübbenau gefeiert.
Mit beherzten Kirchenliedern und slowenischer Volksmusik wurde der diesjährige Weltgebetstag in Lübbenau gefeiert. FOTO: Philipp Brendel
Lübbenau. In der Lübbenauer Kirche „Heilige Familie“ wird der Weltgebetstag mit Gottesdienst begangen. Von Philipp Brendel

Das Akkordeon schwingt, die Gemeinde singt. Die slowenischen Abendgrüße „Dober vecer!“ stimmen in den Gottesdienst ein. Mit beherzten Kirchenliedern und slowenischer Volksmusik wird der Weltgebetstag gefeiert, wie jedes Jahr am ersten Freitag im März.

Die weltweite und mehr als hundertjährige, ökumenische Bewegung, die sich vor allem für die Rechte und Freiheiten von Frauen einsetzt, steht dieses Jahr unter dem Leitspruch des Bibelzitates „Kommt, alles ist bereit“. Mit dieser Bibelstelle laden slowenische Frauen weltweit zum gemeinsamen Besinnen und Beten ein. Die Besonderheit besteht darin, dass die gleichen Gebete und Lieder rund um den Globus zelebriert werden, so wie der Gottesdienst vom WGT-Komitee in Slowenien vorbereitet wurde.

So wird auch in Lübbenau in einem Gottesdienst der Facettenreichtum Sloweniens lebendig gelebt. Das Naturparadies zwischen Alpen und Adria wird durch einen Vortrag näher gebracht. Tiefe Einblicke können während des Gottesdienstes durch die Schicksale slowenischer Frauen gewährt werden. Die 34-jährige Mojca beispielsweise, die heute als Forscherin arbeitet, verliebte sich als junge Frau, wurde schwanger und war von ihrem Freund verlassen worden. Das Studium mitsamt Kind fortzusetzen, ist eine große Herausforderung für sie gewesen, die sie dennoch erfolgreich meisterte. Ema wurde in eine Familie mit Alkoholmissbrauch hineingeboren. Sie schwor sich, dass ihre Kinder niemals so leiden sollten wie sie. Als ihr Ehemann arbeitslos wurde, begann er zu trinken und gewalttätig zu werden. Sie kennt bis heute keinen Ausweg aus ihrer Notlage und sucht Hilfe und Zuwendung bei Gott.

Diese Schicksale slowenischer Frauen eröffnen viele Parallelen zu Problemen, die Frauen weltweit betreffen. Es geht um Rechtlosigkeit, Diskriminierung und Missbrauch und darum, gemeinsam zum Weltgebetstag für einander da zu sein und zu beten. Doch auch allgemeine Themen wie Ausgrenzung und Einsamkeit in unserer Gesellschaft werden thematisiert. Carmen Jahn, Leiterin des Lübbenauer Gottesdienstes zum Weltgebettages: „Wir wollen über die Sorgen und Nöte der Frauen informieren. Das ist für uns eine Herzensangelegenheit.“ Schließlich macht die Lebendigkeit, gespickt mit Informationen, den Gottesdienst zu einer echten Besonderheit. Die freundlich-heimelige Atmosphäre wird mit den für Slowenien typischen Akkordeons begleitet.

Die Einblicke ins Land eröffnen der wunderbare Duft von Lavendel und slowenischen Bienenhonig. Zudem sind die Gottesdienstbesucher eingeladen, an einem Festmahl im Altarraum teilzunehmen. Das von den slowenischen Frauen vorgegebene Bibelgleichnis spielt auf das Ausgegrenztsein in unserer Gesellschaft an: Wie würde man sich fühlen, wenn man auf einmal an eine Festtafel geladen würde, in eine Gruppe, zu der man nicht gehört?“

 Mit beherzten Kirchenliedern und slowenischer Volksmusik wurde der diesjährige Weltgebetstag in Lübbenau gefeiert.
Mit beherzten Kirchenliedern und slowenischer Volksmusik wurde der diesjährige Weltgebetstag in Lübbenau gefeiert. FOTO: Philipp Brendel