Denn für die vielen Witaj-Kinder im „Sonnenkäfer“ fehlen noch motivierte Erzieherinnen. Und jahrgangsweise aufgeteilt, reicht die Zahl der Kinder nicht, um sie anschließend in der Grundschule zu unterrichten.

Uta Körner und Anke Gräfe waren im Jahr 2000 die ersten Erzieherinnen, die ein halbes Jahr lang Wendisch lernten, um nach Sielow und zeitgleich mit Jänschwalde sowie Drachhausen auch in Vetschau eine Witaj-Gruppe aufmachen zu können. 30 der insgesamt 114 Kita-Kinder wachsen heute mit der wendischen Sprache auf. „Das trainiert das Gehirn. Die Kleinen können in der Zweitsprache denken und träumen. Und das Schöne ist jetzt hier in Vetschau, dass die Sprache beginnt, mit der Kultur zusammenzuwachsen“, erklärt Uta Körner und erinnert an das Zampern der Mädchen und Jungen in Märkischheide und an die Vogelhochzeit, die jedes Jahr gefeiert wird. Auch der Märkischheider Heimatverein engagiere sich. Die Kinder entwickelten ganz einfach ein besonderes Heimatgefühl, so die Erzieherin.

Gemeinsam mit dem Sorbischen Schulverein in Cottbus will die Stadt nun nach motivierten Erzieherinnen schauen, die wendisch sprechen. Im Grundschulteil des Schulzentrums „Dr. Albert Schweitzer“ unterrichten drei Lehrerinnen in wendischer Sprache. Ein Oberschullehrer beherrsche sie ebenfalls. „Wir wollen uns mit der Schule in Cottbus-Sielow in Verbindung setzen, denn dort wird das Wendische gelebt“, erklärt Schulleiter Steffen Bretschneider. Für ihn stelle sich jedoch die Frage, wie in Vetschau künftig die erforderliche Zahl der Schüler für den Unterricht in Wendisch erreicht werden könne. Pro Jahrgang seien es derzeit durchschnittlich fünf Mädchen und Jungen. Das reiche nicht aus. Die notwendigen Räume und das Material aber seien vorhanden.

„In der Schule Sielow ist ein Leistungs-Vergleich in Mathe und Deutsch angestellt worden zwischen Kindern, die mit der wendischen Sprache aufwachsen und den anderen Schülern. Eindeutig sind die Ergebnisse bei den Witaj-Kindern besser ausgefallen. Auch ihre Lesefertigkeit und die Aufnahmefähigkeit für eine weitere Fremdsprache fielen positiv auf“, erzählt Schulrat Michael Koch. Deshalb seien Eltern wie Schüler weiter für die Zweisprachigkeit zu gewinnen. Auch Vetschau müsse sich positionieren, so Koch. Witaj-Projekte gebe es fünf im Schulamtsbezirk Cottbus – in Burg, Briesen, Cottbus-Sielow, Jänschwalde und Vetschau sowie außerhalb in Straupitz.

Die Vetschauer Fraktionsspitzen wollen das Witaj-Projekt unterstützen. Winfried Böhmer (Bündnis 90/Die Grünen): „Wir haben uns einmal dafür entscheiden. Außerdem werden die Kinder frühzeitig an eine Zweitsprache herangeführt.“ Dem schließt sich Uwe Jeschke (SPD) an: „Das Projekt sollte weiter unterstützt werden, aber es muss bezahlbar bleiben.“ Während Karola Schmidt (Die Linke) abwarten möchte, bis das Thema auf der Tagesordnung steht, äußert sich Horst Welzk (WGO) so: „Wenn die Kinder das möchten, sollten wir ihnen Gelegenheit dazu geben.“ Andreas Malik (CDU) sieht im Witaj ein „wichtiges Aushängeschild für Vetschau“.