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| 19:15 Uhr

Mundartdichtung
Zwei Seiten Spreewälder Mundart

Christa und Siegfried Janzen aus Groß Lübbenau veröffentlichen bereits die fünfte Ausgabe in der Reihe „Spreewälder Mundart“ mit Gedichten, Anekdoten und kurzen Erzählungen. Am 15. April lesen sie im Bischdorfer Angerhof aus ihrem Büchlein vor.
Christa und Siegfried Janzen aus Groß Lübbenau veröffentlichen bereits die fünfte Ausgabe in der Reihe „Spreewälder Mundart“ mit Gedichten, Anekdoten und kurzen Erzählungen. Am 15. April lesen sie im Bischdorfer Angerhof aus ihrem Büchlein vor. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Lübbenau. Ehepaar Janzen hat in der 5. Ausgabe der Reihe nicht nur Heiteres mitzuteilen.

Auf dem Deckblatt zwei Köpfe mit ganz unterschiedlichem Gesichtsausdruck. Das eine Mädchens schaut keck und heiter zur Seite, das andere legt sorgenvoll die Hand ans Gesicht. Der Leser des nunmehr fünften Heftes in der Reihe „Spreewälder Mundart“ ist damit eingestimmt auf die Lektüre, die nicht nur Heiteres bereithält. „Ernste Erzählungen“, schreiben Christa und Siegfried Janzen im Vorwort für den zweiten Teil, „sollen zur Mahnung an die leidvolle Vergangenheit Deutschlands erinnern.“ Denn noch immer gebe es Unruhe in der Welt und unbelehrbare Kräfte, die „uns bedrohen“.

Diese ernsten Geschichten habe vor allem er geschrieben, erzählt Siegfried Janzen. Viele von ihnen sind angesiedelt in der Zeit des Nationalsozialismus, die der 87-Jährige in seiner westpreußischen Heimat erlebt hat. Für selbst sehr gelungen hält der Groß Lübbenauer die kurze Erzählung „Die ausgefallene Olympiade“: Eine Gruppe Jungs will die Olympiade von 1936 nachspielen. Hochsprungständer werden gebastelt und Medaillen aus Buntpapier. Dann jedoch kommt ein Fähnleinführer mit Rad angefahren und beauftragt den kleinen Siegfried zwei Gestellungsbefehle zuzustellen und die Quittungen ins Polizeipräsidium zu bringen. Wie die Ehefrauen der Männer die Schreiben entgegennehmen und quittieren, ihre Fassungslosigkeit und ihr Erschrecken – das machte dem Jungen damals „so richtig bewusst, was Krieg bedeutet“.

Ernster als die Geschichten im ersten Teil des Büchleins macht die Anekdoten und Episoden auch der fast ausschließliche Gebrauch des Hochdeutschen. Siegfried Janzen fand es unpassend, sie in Mundart zu schreiben. Wer in dem Heft schmökert, kann das nachvollziehen. Die vor allem von Ehefrau Christa geschriebenen heiteren Erinnerungen auf den ersten Seiten gewinnen durch den Dialekt, sie bekommen etwas Authentisches, Unmittelbares dadurch. Ein schönes Beispiel dafür ist zum Beispiel die kurze Erzählung vom „Bandwurm“, der sich als Korsettschnur entpuppt. An der Geschichte von der „Hilfsbereitschaft der Berliner„ hätten wahrscheinlich auch Loriot oder Ephraim Kishon Gefallen gefunden.

Ansammeln im Kopf und in den Heftern der Janzens konnten sich die vielen Geschichten in den mittlerweile fünf Bänden durch ihre Unternehmungslust und ihre kommunikative Art. „Wir kommen viel und gern ins Gespräch mit anderen Menschen“, erzählt Christa Janzen. Hinzu komme dann noch die Neigung, das alles auch gern festhalten zu wollen für die Nachwelt, daraus Geschichten zu formen. Konkret gehen die beiden dabei sehr altmodisch vor. Es gibt keinen Computer im Hause Janzen. Siegfried Janzen schreibt auf einer Schreibmaschine, korrigiert dann viel Male, bis er mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Die Autoren sind sich klar darüber, hier keine Weltliteratur zu schaffen. Ihr Anspruch ist bescheiden. Für die Menschen in ihrer Region wollen sie schreiben, dabei ihren Anteil leisten, die Mundart zu erhalten. Siegfried Janzen schätzt, dass jedes der fünf Hefte vielleicht 200 Mal verkauft wurde. Ihm reicht das.

Auch wenn sich „Spreewälder Mundart 5“ über weite Strecken leicht liest – das Schreiben, räumt der Groß Lübbenauer ein, falle ihm immer schwerer. „Wahrscheinlich“, sagt er, „wird es mein letztes Buch gewesen sein.“ Das ist nicht zu hoffen. Vielleicht kann es ihm Ehefrau Christa auch noch ausreden. Viele Leser in der Region würden es ihr wahrscheinlich danken.