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Zwei Ex-Bürgermeister wollen Politik machen

Der Vetschauer Axel Müller will seine Erfahrungen, die er bei der Entwicklungsarbeit in anderen Ländern erwarb, einbringen.
Der Vetschauer Axel Müller will seine Erfahrungen, die er bei der Entwicklungsarbeit in anderen Ländern erwarb, einbringen. FOTO: Kuschy
Calau/Vetschau. Als Bürgermeister bestimmten sie jahrelang die Geschicke in ihren Städten. Nun wollen sie die Seite wechseln beim Politikmachen: Norwin Märkisch aus Calau und der Vetschauer Axel Müller kandidieren bei der Kommunalwahl. Hannelore Kuschy und Jan Augustin

Auch wenn Axel Müller und Norwin Märkisch aus zwei verschiedenen politischen Lagern kommen, eint sie einiges: Beide standen von 1994 bis 2010 an den Verwaltungsspitzen in ihren Städten. Nun wollen sie die Seiten wechseln und sich wieder einmischen - als Stadtverordnete.

In Calau kursierte das Gerücht schon längere Zeit, nun ist es Gewissheit. Norwin Märkisch will die nächsten vier Jahre für die CDU im Stadtparlament sowie im Kreistag sitzen. Den Wunsch habe er schon als Bürgermeister gehabt, doch durfte er das nicht. Entweder Bürgermeister oder Kreis-Politiker, so steht es in der Kommunalverfassung. Märkisch gefällt diese Trennung ganz und gar nicht: "Ein bisschen Kommunalpolitik im Kreistag schadet nicht." Seit 1994, dem Antrittsjahr als Calauer Verwaltungschef, habe er darum gekämpft, dass Bürgermeister auch im Kreistag sitzen dürfen. Künftig jedenfalls könnte der 59-Jährige seine Stimme als Abgeordneter in der Stadt und im Kreis erheben. Als Einwohner hatte er das in letzter Zeit schon häufiger getan.

In Ausschüssen oder Versammlungen fand er immer wieder deutliche Worte, die sich meist gegen das jeweilige Gremium richteten. Weder mit der jüngst vom Wasser- und Abwasserzweckverband Calau beschlossenen Variante, die das Altanschließerproblem lösen sollte, konnte er sich anfreunden, noch mit Entscheidungen, die durch das Stadtparlament getroffen wurden.

Der geplante Bau der Spiel- und Sportanlage "Am Spring" stößt ihm genauso auf wie die Verschiebung des Spielplatzbaus an der Kita "Kunterbunt" auf das Jahr 2017. Auf eine mögliche Karriere als Kommunalpolitiker freue er sich und er glaubt, dass seine Art und Weise durchaus wieder Anhänger finden könnte. "Ich habe Schwarz-Weiß-Politik gemacht - und das ist bei den Bürgern gut angekommen." Warum er sich das trotz seiner 20-jährigen Verwaltungslaufbahn antun möchte? "Weil ich seit vier Jahren zuschaue, wie man sich mit Nebenkriegsschauplätzen beschäftigt", antwortet Märkisch.

In Vetschau will Axel Müller dabei sein, wenn die Karten fürs Stadtparlament neu gemischt werden. Der 57-Jährige war 16 Jahre sozialdemokratischer Bürgermeister der Stadt, bevor Bengt Kanzler (parteilos) das Amt 2010 übernahm.

Vor vier Jahren war Axel Müller als Entwicklungshelfer angetreten - in Tansania, in der Republik Moldau und im Südsudan. Die Entwicklungs-Zusammenarbeit werde sein Hauptmetier bleiben, wie er sagt. Im Mai wird er als Kandidat sowohl für den Kreistag Oberspreewald-Lausitz als auch für die Stadtverordnetenversammlung Vetschau antreten. Damit würde er im Falle seiner Wahl auf die Seite der Parlamentsbank wechseln.

Der Blick von außen auf "seine" Stadt habe ihn zu diesem Schritt bewogen, "weil es manchmal ziemlich schläfrig zugeht in Vetschau". Schon im Jahr 2008 habe er als Bürgermeister, wie er sagt, erleben müssen, dass die Stadtverordnetenversammlung nicht weit vordenke und Leitlinien der Stadtentwicklung setze. "Nun könnte ich's ändern."

Zeichen wolle er setzen in der interkommunalen Zusammenarbeit, die diesen Namen auch verdiene. Zudem sei bereits im Jahr 1999 abzusehen gewesen, dass die demografische Entwicklung auch um die Stadt Vetschau keinen Bogen mache. Doch jeder koche bislang nur "sein eigenes Süppchen". "Wenn's einem gut geht - warum etwas ändern?" - so interpretiert er das "beherrschende Denken im kommunalen Bereich".

In den vergangenen vier Jahren aber habe er in anderen Ländern erfahren, wie schwer es ist, an einer schwierigen Situation etwas zu verbessern. Müller: "Die Erfahrungen könnte ich gut einbringen hier bei uns, damit unsere Lebensverhältnisse gut bleiben. Dafür wäre eine Menge zu tun."

Zum Thema:
Die Stadt Vetschau sucht noch nach Wahlhelfern, teilt der stellvertretende Wahlleiter Frank Schulz mit. Auch Calau braucht noch Wahlhelfer für die Lokale in der Stadt (Grundschule, Rathaus, Autohaus Kalz, Haus der Begegnungen und Jugendclub) und für die Ortsteile Bolschwitz, Kemmen, Groß Mehßow und Groß Jehser. Außerdem sucht die Stadt Personen, die als Wahlvorsteher und Stellvertreter eingesetzt werden können.