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| 15:32 Uhr

Jubiläum eines Rock-Festivals
Zum zehnten Mal Rock in Wotschofska

Beim 10. Konzert auf der Spreewaldinsel rockten an zwei Abenden zwei Bands mit klangvollen Namen. Phil Bates & Electric Light Orchestra begeisterten die Massen.
Beim 10. Konzert auf der Spreewaldinsel rockten an zwei Abenden zwei Bands mit klangvollen Namen. Phil Bates & Electric Light Orchestra begeisterten die Massen. FOTO: Peter Becker
Lübbenau. Kaum anderswo gibt es einen derartigen Ort, kaum anderswo spielen Bands mit so klangvollen Namen: Rock in Wotschofska lebt. Von Peter Becker

Fährmann Sanny Haberland lässt die Kette an der Wotschofska-Anlegestelle rasseln. Er gehört mit seinen Fahrgästen zu den ersten Kähnen, die die abgelegene Lübbenauer Spreewald-Gaststätte erreichen. Security-Leute unterstützen beim Festmachen und Aussteigen, nachdem kurz vorher die Eintrittskarten kontrolliert wurden. Durch Hochalten der Arme mit den Bändchen, die zum Besuch der Veranstaltung berechtigen, geht das recht zügig. Dennoch schauen die Damen der Lübbenauer Touristinformation um Sylvia Borrack etwas genauer hin, denn diesmal fand das Rockkonzert gleich an zwei Abenden statt. Fährmann Haberland sucht sich einen freien Platz im Liegehafen der Wotschofska, der im Laufe der nächsten Stunde nahezu komplett belegt sein wird. Etwa einhundert Kähne, gewerbliche wie private, werden noch festmachen.

Im zehnten Jahr verzeichnen die Besucher einige Besonderheiten - neben der Tatsache, dass gleich zwei Bands an zwei Abenden spielen. Der neue Pächter der Wotschofska, Torsten Teichert, hat die in die Jahre gekommenen Sitzhütten entfernt und so Platz für einen neuen Bühnenstandort geschaffen. Die Versorgung wurde ebenfalls umorganisiert und aufgewertet. „Ich habe zweckmäßigerweise meine Crew vom Calauer Stadtfest zur Unterstützung mitgebracht“, erzählt der Gastwirt, der immer wieder überall nach dem Rechten schaut. Im Team der Organisatoren die neue junge Geschäftsführerin Caroline Fürll. „Ich bin zum ersten Mal dabei. Ich trage zwar die Gesamtverantwortung, weiß aber die Organisation in den besten Händen. Daniel Schmidgunst und seine Leute machen einen ausgezeichneten Job.“ Der war es dann auch, der pünktlich um 19.30 Uhr auf die Bühne kam und das Rockkonzert eröffnete. Zuvor ging sein Dank an die zahlreichen Helfer, an die Feuerwehr und an den Rettungsdienst, aber besonders an die Untere Naturschutzbehörde, ohne deren Erlaubnis solch ein Konzert mitten im Spreewald gar nicht stattfinden würde.

Phil Bates und seine Band hatten das Publikum von Anfang im Griff. Er ist zum zweiten Mal auf Wotschofska. Das Publikum hat ihn in Vorbereitung auf das 10. Rockfest wiedergewählt, nachdem er schon 2011 in der „fantastic location“, wie er dem Publikum von der Bühne zurief, aufgetreten war. Seine Band, im Wesentlichen aus dem Electric Light Orchestra hervorgegangen, spielte deren Titel –  Hit auf Hit.

Nach einer kurzen Umbaupause konnte Moderator Guido Lerch das nächste Highlight ankündigen: Hot Chocolate. Der charismatische Sänger Errol Brown der aus den 1970er Jahren stammenden Band lebt leider nicht mehr. Kennie Simon trat sowohl optisch als auch gesanglich seine Nachfolge an. Es war damals die erste Band, die aus Weißen und Schwarzen bestand und somit eine Neuerung in der Rock- und Popwelt darstellte. Eine große Ehre war es für sie, 1981 auf der Hochzeit von Prinz Charles und Lady Diana spielen zu dürfen.

Hits wie Emma, So You Win Again und Sexy Thing waren beim Wotschofska-Publikum noch in bester Erinnerung und wurden entsprechend mitgesungen und – wer Platz fand – getanzt. „Ich hätte gar nicht gedacht, dass die Musik meiner Eltern und Großeltern so unaufgeregt und dennoch so stimmungsvoll-rockig sein kann“, erzählt Erstbesucherin Franziska Buchan aus Boblitz. „Allein die Kulisse, die Anreise mit dem Kahn, machen das Rockkonzert schon mal absolut einmalig“, ergänzt die ehemalige Lehder Gurkenkönigin noch. Etwas abseitsstehend, aber dennoch mit Swing in den Beinen, ist Wael Shmdeen voll dabei. Der syrische Flüchtling wirkt emotional sehr beeindruckt: „So viele glückliche Menschen, so friedvoll der Umgang – warum kann das nicht überall auf der Welt so sein?“

Bestens gelaunt steigen die Gäste nach fast drei Stunden wieder in den Kahn. Auch Sanny Haberland hat seinen in der Dunkelheit wiedergefunden und bringt die Gäste durch die laue Spreewaldnacht nach Hause.

Die Lübbenauer Touristiker können wieder einmal Stolz auf sich sein. Mit Rock auf Wotschofska haben sie besonders den Einheimischen etwas gegeben, was ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Kaum anderswo gibt es einen derartigen Ort, kaum anderswo spielen Bands mit so klangvollen Namen. In Ernst-Albrecht Scholz von Sound Promotion haben sie seit 2010 einen verlässlichen Partner, der Welt-Spitzenbands unter Vertrag nimmt. Folglich große Neugier bei den Gästen, wer denn wohl 2019 die Spreewaldinsel rocken wird. Aber das bleibt wie immer ein großes Geheimnis.

Hot Chocolate mit Sänger Kennie Simon ließen es dann am späteren Abend noch krachen.
Hot Chocolate mit Sänger Kennie Simon ließen es dann am späteren Abend noch krachen. FOTO: Peter Becker
Auch das gehört zu einem zünftigen Festival dazu: isotonische und hopfenhaltige Kaltgetränke.
Auch das gehört zu einem zünftigen Festival dazu: isotonische und hopfenhaltige Kaltgetränke. FOTO: Peter Becker