Von Rüdiger Hofmann

Unterricht einmal anders in der Grund- und Oberschule Calau: Innerhalb des Projektes „Zeitung in der Schule“ fährt ein Elektroauto auf dem Schulhof vor. Julia Schübbe von enviaM steigt aus. Ihre Mission: Die Schüler auf eine Reise durch die Welt der Elektromobilität mitnehmen.

Doch bevor die Siebtklässler und ihre Lehrerin Annekatrin Herrbruck in dem BMW i3 mit Hybridmotor Probe sitzen dürfen, gibt es Theorie im Klassenzimmer. Auf dem Stundenplan stehen an diesem Tag die Einsatzbereiche der Elektromobilität im Alltag, Vor- und Nachteile und die Entwicklung eines wichtigen Kapitels der Autobranche und der Bundesregierung. 2020 sollen laut deren Aussage eine Million E-Fahrzeuge über Deutschlands Straßen rollen. „Aktuell sind es lediglich 100 000 bis 150 000, das dürfte nicht realisierbar sein“, sagt Julia Schübbe.

Realistisch sind hingegen die Vorteile der Fahrzeuge, die entweder von Hybridmotoren- oder per Batterien angetrieben werden: Sie sind preisgünstiger als ein Diesel oder Benziner, rohstoffschonend und damit gut für den Klimaschutz. „Rund 25 Prozent aller klimaschädlichen Emissionen entfallen in Deutschland auf den Fahrzeugverkehr“, sagt Schübbe. Außerdem haben die E-Autos einen minimaleren Wartungsaufwand und sind der ideale Begleiter für Stadtfahrten und Kurzstrecken, so die Mitarbeiterin des Energieversorgers.

Doch auch die Nachteile lassen sich nicht leugnen: Aufgrund der geringen Reichweite muss man schon im Vorfeld genau überlegen, wo die nächste Ladestation ist und wo man gegebenenfalls übernachten kann. Für längere Urlaubsfahrten also ein eher unpassendes Fahrzeug. Auch ist das Ladesäulennetz bundesweit noch sehr begrenzt. EnviaM hat daher einen Förderantrag für 500 Ladesäulen gestellt. „Hinzu kommt, dass es kein bundeseinheitliches Bezahlsystem gibt“, sagt Julia Schübbe zu den Schülern.

Technisch sind die Elektroautos nicht gerade schwach auf der Brust: Bis 600 PS sind auf dem Markt laut Julia Schübbe schon verfügbar, Reichweiten bis 800 Kilometer sind möglich. Dass man für einen Tesla tief in die Tasche greifen muss, kann den Schülern (noch) egal sein.

Sie sitzen nach der Theoriestunde lieber Probe im Hybrid-BMW. Das Fahrzeug hat immerhin 170 PS unter der Haube, verbraucht an Strom 11,9 kWh und an Kraftstoff 0,6 Liter auf 100 Kilometer. Und es lässt sich prima mit einem Smartphone vergleichen, dass heutzutage wohl jeder Schüler besitzt: Man kann es solange benutzen, bis der Akku leer ist.