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Zentnerschwere Altreifen in den Wald gekippt

Illegal abgelagerte Lkw-Reifen sorgen nicht nur bei Revierförster Gernod Heindel für Fassungslosigkeit. In der Gemeinde Neu-Seeland sind über 50 Reifen abgekippt worden.
Illegal abgelagerte Lkw-Reifen sorgen nicht nur bei Revierförster Gernod Heindel für Fassungslosigkeit. In der Gemeinde Neu-Seeland sind über 50 Reifen abgekippt worden. FOTO: Uwe Hegewald
Neu-Seeland/Neupetershain/Calau. Was das Ablagern von Müll in Wäldern angeht, kennt die Dreistigkeit kaum noch Grenzen. In der Gemeinde Neu-Seeland haben Umweltfrevler an drei Stellen zentnerschwere Lkw-Reifen abgekippt, die jetzt von der Oberförsterei fachgerecht entsorgt werden müssen. uhd1 uhd1

Die Zeche zahlen der Abfallentsorgungsverband und somit alle Einwohner. Gernod Heindel ist für das Revier Neupetershain zuständig, das vom Altdöberner See bis Lieske am Sedlitzer See reicht. Was ihn geradezu aufbringt ist die Unverschämtheit von Leuten, die Tonnen von Müll in den Wald kippen.

"Zuletzt waren es drei Berge von Lkw-Reifen in den Gemarkungen Leeskow und Lindchen (beides Gemeinde Neu-Seeland)", beklagt er.

Dabei handele es sich insbesondere um Lkw-Reifen mit der Größenbezeichnung 385/65 R 225 verschiedener Produzenten, so der Revierförster. Dass sich Unverbesserliche unentwegt im Wald ausmisten, scheint zur Normalität geworden zu sein. "Papier, Hausmüll, Batterien, Schrott oder Kunststoff", zählt Gernod Heindel auf und schüttelt den Kopf. "Heute kann doch alles über die Abfallverbände professionell entsorgt werden. Die finanziellen Auslagen dafür sind bereits in den Grundgebühren enthalten", erklärt er und wirbt um zügige Rückkehr zur Vernunft.

Von einem Glücksfall sprechen die Revierförster, wenn sie im Müll Briefe, Dokumente und sogar Kontoauszüge finden, die den vermeintlichen Tätern zugeordnet werden können. Dann drohe ein Ordnungsgeld. Beim Abladen von Gefahrenstoffen handelt es sich sogar um eine Straftat, die zur Anzeige gebracht wird und den Besuch eines Staatsanwalts zur Folge hat. Heindel ist sauer: "Wir müssen alles einsammeln oder, wie bei den Lkw-Reifen, beim Abfallverband Container anfordern. Die anfallenden Kosten werden durch Steuergelder beglichen, wir zahlen also alle mit", beklagt er.

Der Forstmann verweist auf die vielfältigen Funktionen des Waldes, die allen dienen. "Verstöße sollten umgehend der Oberförsterei oder den Revierförstern und -polizisten gemeldet werden. Es muss keiner wegsehen", appelliert er um mehr Zivilcourage. Aus dem Vorjahr ist ein Fall bekannt, wo ein Calauer eine gestutzte Hecke illegal im Wald entsorgte - samt eingewachsenem Maschendraht. Für Rehböcke oder Hirsche, die in den Abfallbergen Futter wittern, darin stöbern und in den Drähten hängen bleiben, gilt das als sicheres Todesurteil. "Auch Gartenabfälle oder andere organischen Stoffe haben nichts im Wald verloren", mahnt Gernod Heindel an einem Beispiel: "Nur dadurch hat die Allergiepflanze Ambrosia Einzug in unsere heimischen Wälder gefunden."

Der massive Umweltfrevel bewegt inzwischen auch die Ordnungshüter. "Wir halten verstärkt Augenmerk auf auffällige Fahrzeuge oder Aktionen in Waldgebieten", warnt Revierpolizist Andreas Karge.

Zum Thema:
Wie Olaf Niepraschk, Leiter der Oberförsterei Calau, auf RUNDSCHAU-Anfrage mitteilt, war das Mitarbeiterteam im vergangenen Jahr über 1000 Arbeitsstunden damit beschäftigt, in den Wäldern abgelagerten Müll zu beseitigen. "2013 betrug die Gesamtmenge in den sieben Revieren der Oberförsterei 85 Kubikmeter", erklärte der Oberforstrat.Finanziert wird die Entsorgung aus den öffentlichen Kassenuhd1