Von Henry Berner

Halle – Falkenberg – Lübbenau. Das ist keine neue Bahnstrecke, sondern der Anreiseweg von Sabine Meißner-Paulick. Den Zwischenstopp in Falkenberg legt die Mitarbeiterin des Energieversorgers EnviaM deshalb ein, weil dort das Elektroauto steht, mit dem sie weiter zum Paul-Fahlisch-Gymnasium nach Lübbenau fährt.

Hier wartet die siebente Klasse von Lehrerin Antje Pohler auf sie. Im Rahmen von ZiSCH findet die Projektstunde „Elektromobilität erleben“ statt. Von Weitem zu hören ist Meißner-Paulick mit dem BMW i3 nicht. Der Geräuschpegel des Elektroautos gleicht dem eines hochwertigen Fahrrades.

„Elektrofahrzeuge sind längst inmitten des Individualverkehres angekommen. Selbst im öffentlichen Nah- und Fernverkehr sind sie im Einsatz“, erklärt Meißner-Paulick.

Bevor es aber mit Informationen über den aktuellen Entwicklungsstand weitergeht, folgt ein geschichtlicher Abriss zum Thema. Beginnend beim ersten elektronischen Dreirad von Gustave Trouvé aus dem Jahr 1881 geht es über Carl Benz und Henry Ford hin zum beginnenden Trend um die Elektrofahrzeuge 2007.

Doch warum ist eine Wende nötig? 25 Prozent der klimaschädlichen Schadstoff-Emissionen in Deutschland entfallen auf den Verkehr, weiß Meißner-Paulick. Zunehmendes Verkehrsaufkommen bedeutet mehr CO2, Feinstaub und Lärm. Auch in Anbetracht der sich verknappenden fossilen Brennstoffe ist ein Umdenken notwendig.

Zukunftsweisend oder nicht, im Raum H202 des Gymnasiums ist Platz für alle Meinungen zu Elektrofahrzeugen. Vor- und Nachteile werden eingeordnet. Einer der größten Nachteile ist die Batterie-Produktion, bei der viele Ressourcen verbraucht werden. Während der Fahrt ist die Umweltverschmutzung im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor hingegen gering. Volltanken ist für vier Euro möglich, ein einheitliches Bezahlsystem aller Stromversorger gibt es jedoch noch nicht. Da muss schnell etwas passieren.

Jetzige Modelle lassen ausgedehnte Überlandfahrten eher nicht zu, lange Ladezeiten müssen mit eingeplant werden. „Dann komme ich ja nie an“, sagt ein Schüler. „Doch, es dauert nur länger“, entgegnet Meißner-Paulick.

Einige Siebtklässler vertreten die Meinung, dass es wenig bringt, wenn einige Teile der Welt klimasensibel vorgehen und andere Teile nicht. „Irgendwo muss aber angefangen werden“, widerspricht Meißner-Paulick. In Anbetracht der Tatsache, dass  Elektrofahrzeuge weiterentwickelt werden, schlägt sie vor: „Vielleicht treffen wir uns einfach noch mal in einigen Jahren.“

Ein guter Vorschlag, denn so könnte die Entwicklung  nachvollzogen werden. Doch bis es soweit ist, geht es erstmal auf den Schulhof.

Meißner-Paulick fährt fast geräuschlos neben die Klasse. Mit Blick auf die Herbstferien können die Schulkinder selbst einschätzen, ob der kleine Pkw genügend Stauraum für Gepäck bietet. Wofür in jedem Fall Platz sein muss, sind die zwei Ladekabel. Die handyaffinen Kinder wollen wissen, ob es im Auto Wlan gibt und ob die Akkuanzeige der ihrer Telefone gleicht. Wlan gibt es nicht, dafür Bluetooth. Die Akkuanzeige erscheint im handy-ähnlichen Balkensystem.

Die fotobeauftragte Schülerinnen hielten diese besondere Stunde für ihre Klasse mit der Kamera fest und zum Schluss konnten alle einmal Probesitzen.