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"Wunderschöne, dunkle, morbide Poesie"

Mit der Band "Blume des Bösen" treten Vlatko Kucan (l.) und Christian Redl am Freitagabend am Wasserschloss Groß Leuthen auf. Im Mittelpunkt steht die Poesie von Charles Baudelaire.
Mit der Band "Blume des Bösen" treten Vlatko Kucan (l.) und Christian Redl am Freitagabend am Wasserschloss Groß Leuthen auf. Im Mittelpunkt steht die Poesie von Charles Baudelaire. FOTO: Hauptmann/Entertainment
Groß Leuthen. Der Spreewaldkommissar Thorsten Krüger kommt zurück. Schon am Freitag. Diesmal allerdings nicht in der Filmrolle, in der Christian Redl hierzulande am bekanntesten und beliebtesten ist. Sondern mit einer ganz anderen Seite seines Könnens. Der 69-jährige Schauspieler liest, musikalisch begleitet vom Vlatko Kucan Ensemble, die "Blumen des Bösen", eine Auswahl an Gedichten von Charles Baudelaire.

Der Abend vor der malerischen Kulisse des Wasserschlosses Groß Leuthen ist Teil des Kunst- und Kulturfestes, mit dem das Rahmenprogramm des Kunstfestivals Aquamediale in diesem Sommer abschließt, ehe sie im September ins Spreewaldatelier Lübbenau übergeht. Was genau Christian Redl am Freitagabend im Spreewald vorhat, darüber sprachen wir mit ihm.

Herr Redl, bei unserem letzten Treffen sagten Sie, Sie kämen eigentlich aus dem Schurkenfach, und jemanden abgrundtief Bösen zu spielen, wäre auch einmal wieder schön. Entspricht die Lesung aus den "Blumen des Bösen" dem?

Redl "Böse" sind die Blumen, die von Baudelaire in Form eines Gedichtes überreicht werden ... das hat mit bösen Schurken, die ich gespielt habe oder noch spielen möchte, nichts zu tun. "Die Blumen des Bösen" zeichnen sich durch eine wunderschöne, dunkle, morbide Poesie aus. Sie markieren den Beginn der modernen Dichtung. Erstmals wird darin das urbane Leben thematisiert - die Stadt und was sie mit den Menschen macht, die Isolation, die sie mit sich bringt. Aber es geht auch um Liebe, Erotik und menschliche Abgründe … mir ist es wichtig, diese wunderbaren Texte vor dem Vergessen zu bewahren. Ich habe das Gefühl, kaum ein Mensch weiß noch, wer Baudelaire ist. Unsere Sprache verkrüppelt - auf dem Handy werden nur noch Kürzel verwendet. Auf dem Schulhof wird in Abkürzungen gesprochen. Ich möchte mit Poesie dagegenhalten.

Gibt es ein Lieblingsgedicht für Sie aus den "Blumen des Bösen"?
Redl Da gibt es viele. Zum Beispiel:

"Flüchtige Schönheit, die / Mich unversehens neu erschuf mit einem Blick /

Führt erst die Ewigkeit dich wieder mir zurück / Woanders, weit von hier! zu spät! vielleicht auch nie! / Du weißt nicht meinen Weg, ich nicht, wohin du mußt / Dich hätte ich geliebt, und du hast es gewußt"

Wenn man so ein Programm hat wie dieses, können Sie am Freitag direkt damit auftreten? Oder muss erst noch geprobt werden?
Redl Wir treffen uns vorher mindestens zweimal hier in Hamburg, wo ich lebe. Nachdem wir lange damit herumgereist sind, hatten wir das eigentlich schon abgeschlossen ... dann aber kam die Anfrage aus dem Spreewald. Also gehen wir das Ganze nun nochmal durch. Vor Ort in Groß Leuthen machen wir eine weitere Probe.

Woran arbeiten Sie außerdem im Moment?
Redl Im September drehe ich in Berlin einen Film mit dem Titel "Kaisersturz". Thema ist das Ende des Ersten Weltkrieges und der Übergang vom Kaiserreich in die Weimarer Republik. Das war eine sehr bewegte Zeit. Ich spiele Friedrich Ebert. Der war ja ein großer Redner und ich habe nun viel Text zu lernen.

Und wann gibt es den nächsten Spreewaldkrimi?
Redl Wir drehen ab Oktober. Nadja Uhl kommt zurück, darüber freue ich mich persönlich sehr. Sehr viel mehr darf ich aber nicht verraten - das Buch ist noch nicht abgesegnet.

Werden Sie wieder im Schloss Lübbenau wohnen? Und ist der Spreewald noch immer so entspannend für Sie?
Ja. Die Entschleunigung, die ich hier immer wieder erlebe, ist wirklich sehr entspannend ... kaum bin ich hier, atme ich ruhiger und die ganze Hektik ist wie weggeblasen.

Mit Christian Redl

sprach Ingvil Schirling