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Wüstenhainer Kirche braucht Hilfe

Die Wüstenhainer brauchen ihre Kirche und die Kirche braucht die Wüstenhainer. Fotos: H. Kuschy
Die Wüstenhainer brauchen ihre Kirche und die Kirche braucht die Wüstenhainer. Fotos: H. Kuschy
Wüstenhain. Zum 150. Mal jährt sich 2014 der Wiederaufbau der Wüstenhainer Kirche. Mit der Restaurierung ihrer Fassade und des Daches konnte vor elf Jahren ihr Verfall gestoppt werden. Eine der nächsten Aufgaben wird sein, die Decke im Innenraum zu sanieren und zu schließen. Von Hannelore Kuschy

Gisela Scherbath läutet seit Jahrzehnten die Glocken der Wüstenhainer Kirche. „Ebenso lange betreut sie die Kirchengemeinde und die Kirche selbst“, erzählt Frank Paulisch vom Heimatverein. Die Laasower Ortsvorsteherin Ina Mütze weiß auch, dass die rührige Frau für den ersten Weihnachtsmarkt im Ort an diesem Sonntag den Stollen und die Blechkuchen bäckt.

Für ihre Kirche ist den Wüstenhainern nämlich keine Stunde zu viel.

Der schlichte Bau aus Feldsteinen und Ziegeln ist in den Jahren von 1860 bis 1863 erbaut worden. Zuvor war seine mittelalterliche Vorgängerin samt dem hölzernen Glockenturm ganz und gar abgebrannt. Durch den auf der westlichen Seite aufgesetzten Glockengiebel erhält die Kirche ein mediterranes Flair.

Vor elf Jahren bereits war es durch die Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und durch Fördermittel des Landes Brandenburg möglich, Fassade und Dach des Gotteshauses zu restaurieren. Doch der äußere Schein von einem intakten Gotteshaus trügt. Das Innere bedarf noch umfangreicher Arbeit. Beispielsweise ist die Decke von zwei Seiten offen – sie muss dringend geschlossen werden. Dank zahlreicher Spenden konnten bereits die ersten Fenster saniert werden. Um alle wieder in Ordnung zu bringen, sind weitere Spenden nötig. Die Kirchengemeinde geht von Gesamtkosten in Höhe von rund 12 000 Euro aus. Wie Frank Paulisch erzählt, hat allein die Tochter des letzten Wüstenhainer Gutsbesitzers, Ada Brown, geborene von Heynitz, die Sanierung von zwei Kirchenfenstern finanziert. „Sie ist 92 Jahre alt und lebt in Ahrensburg bei Hamburg. Ihr ist es eine Herzensangelegenheit, ihre Taufkirche zu unterstützen“, so Paulisch. Und ohne das Engagement von Gisela Scherbath aus Wüstenhain sei es eh fraglich, ob heute überhaupt noch eine Kirche im Ort existieren würde.

Den ersten Nachweis über eine Kirche im Ort habe es 1580 im Testament des Rittergutsbesitzers Joachim von Zschannwitz auf Wüstenhain gegeben. Laut Ortschronik besaß die Kirche jedoch nie eine eigene Pfarrstelle, sondern war eine Tochterkirche der Laasower. Zu DDR-Zeiten war geplant, Wüstenhain dem Bergbau zu opfern und es abzubaggern. Mitte der 1960er-Jahre setzte der scheinbar unaufhaltsame Verfallsprozess ein. Durch Vandalismus und Diebstahl verlor die Kirche ihre Orgel und viele historische Einrichtungsgegenstände.

In dieser Zeit wurde der Wüstenhainer Chronik zufolge ein Raum vom Kirchenschiff abgetrennt und im Jahr 1998 für Gottesdienste am Westgiebel renoviert. Sechs von acht Fenstern waren durch Bretterverschläge verschlossen. Vor drei Jahren begann der Heimatverein, für die Restaurierung der Fenster und zweier Türen Spenden zu sammeln. Bis 2014 soll der Innenraum wieder vollständig nutzbar sein.

Unabhängig von Weltanschauung und Konfession sehen sich die Wüstenhainer in der Verantwortung, so Frank Paulisch, die Kirche als sakrales Baudenkmal und Kulturerbe zu bewahren. Sie soll das Ortsbild verschönern und nach ihrer Sanierung offen stehen für Trauungen und auch kulturelle Veranstaltungen. Jeder Besucher soll Gelegenheit haben, dort einfach nur Ruhe und Besinnung zu finden.

Spenden für die weitere Sanierung der Kirche sind dringend notwendig. Sie sind möglich unter dieser Bankverbindung:

Heimatverein Wüstenhain, Spreewaldbank eG, Bankleitzahl: 18092684, Konto 227730, Verwendungszweck: Kirchenfenster. Wer eine Spendenquittung benötigt, gibt seine Anschrift auf dem Überweisungsformular an.

Zum Thema:

Zum ThemaErstmals veranstaltet der Heimatverein Wüstenhain gemeinsam mit der Kirchengemeinde am Sonntag, 4. Dezember, ab 14.30 Uhr einen Weihnachtsmarkt an der Kirche. Eingeladen wird zu Glühwein, Stollen, Blechkuchen, den Gisela Scherbath bäckt. Auch kleine Gestecke werden laut Ortsvorsteherin Ina Mütze angeboten. Der ökumenische Kirchenchor Vetschau unter Leitung von Susanne Drogan gibt zu dieser Zeit ein Adventskonzert. Um Spenden für die Restaurierung der Kirche wird gebeten.

Die Decke der Wüstenhainer Kirche ist als Nächstes zu sanieren.
Die Decke der Wüstenhainer Kirche ist als Nächstes zu sanieren.