| 16:51 Uhr

Geschichte der Spreewälder Gasthäuser
Wüste Prügelei im Radduscher Hotel

Bei einem kurzweiligen, unterhaltsamen Vortrag ließ Peter Becker seine Zuhörer an die von ihm herangetragenen Informationen zu historischen Gasthäusern im Spreewald teilhaben. Gewürzt wurde Abend mit Anekdoten und Episoden, wie etwa die Geschehnisse um den Zoff eines Pfarrers aus Burg und eines Bauherrn, der ausgerechnet gegenüber der Kirche ein Gasthaus errichtete.
Bei einem kurzweiligen, unterhaltsamen Vortrag ließ Peter Becker seine Zuhörer an die von ihm herangetragenen Informationen zu historischen Gasthäusern im Spreewald teilhaben. Gewürzt wurde Abend mit Anekdoten und Episoden, wie etwa die Geschehnisse um den Zoff eines Pfarrers aus Burg und eines Bauherrn, der ausgerechnet gegenüber der Kirche ein Gasthaus errichtete. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenau/Raddusch. Peter Becker stellt Lübbenauern seine Entdeckungen in der Gastronomie-Historie vor. „Fröhlicher Hecht“ möglichweise ältestes Gasthaus im Spreewald.

Mit einer Warnung eröffnet Peter Becker seinen Vortrag in der Bunten Bühne Lübbenau. „Ich kann ihnen heute nicht verbindlich mitteilen, welches Spreewälder Gasthaus eigentlich das älteste ist“, gesteht er seinen Zuhörern.

Zwar gebe es eine Vielzahl von vollmundigen Behauptungen, doch fehlten allzu oft belastbare Belege. „Stutzig geworden bin ich beim Stöbern in den Historien einzelner Gasthäuser, die selbst in Speisekarten für sich beanspruchen, das älteste oder eines der ältesten Wirtshäuser im Spreewald zu sein“, erklärt der Radduscher den Auslöser seiner Spurensuche. Klangvolle Namen wie die „Pohlenzschänke“, „Wotschofska“, die „Dubkowmühle“ oder das Gasthaus „Zur Bleiche“ führt er an und verspricht zum Ende seines rund 60-minütigen Vortrages „überraschende Ergebnisse“.

In der Regel seien es Steuerbescheide, Erbschaftsurkunden oder Schankgenehmigungen, die auf das frühe Vorhandensein von Gasthäusern hinweisen, so Becker, der sich selbst als „von Natur aus neugierig“ bezeichnet. Als weitaus spannender gegenüber tief hervorgekramten Zahlen und Daten erweisen sich Anekdoten, die sich um die Spreewald-Gastronomie ranken. So erfahren die Zuhörer von einer wüsten Prügelei im Hotel Radduscher Hafen, vom Lübbenauer Gasthaus Müller-Jäger, wo Paul Fahlisch Stammgast war oder von der Kolonieschänke in Burg, die 1945 nach Beschuss durch die Rote Armee niederbrannte.

Aus zuverlässiger Quelle habe Peter Becker erfahren, dass diese Information nicht stimmt: „Als in der RUNDSCHAU die ersten Geschichten zu den Spreewald-Gaststätten erschienen, bekam ich einen Anruf von einem älteren Herrn, der mir die wahren Hintergründe des Brandes beichtete. Demnach zählte er zu einer Gruppe von Kindern, die mit Feuer spielten, welches schließlich außer Kontrolle geriet“, so der Radduscher.

„Es ist bemerkenswert, wie tief sich Peter Becker mit der Historie der einzelnen Gasthäuser auseinandergesetzt hat. Viele kennt man von alten Postkarten, die aber nichts von den Geschichten und Episoden in den Lokalen erzählen“, würdigt Jörg Schwerdtner. Der Wirt vom Gasthaus „Zum grünen Strand der Spree“ ist selbst um die Pflege der hauseigenen Historie bemüht und weiß um den Arbeitsumfang. Unerklärlich, warum sich seitens der Gasthäuser das Interesse an den Wort- und Bild-Vorträgen von Peter Becker in Grenzen hält.

Nicht so am Freitagabend der vergangenen Woche, wo sich Gäste trotz Schnee und Kälte auf den Weg in die Bunte Bühne machen. „Der Name Becker steht eben für Qualität“, schlussfolgert Stamm-Schauspieler und Entertainer Matthias Greupner. Qualität, die auch publiziert wurde und im Internet mit etwas Glück zu haben ist. Titel des Buches vom Autorenteam Peter Becker und Spreewaldkoch Peter Franke: „Spreewald kulinarisch“ – Rezepte und Gasthäuser. Letztere bedienten sich hin und wieder so mancher List, um Gäste in ihre Rasthäuser und Ausschänke zu locken.

Fast schon legendären Anstrich besitzen Geschichten um den berühmten Dubkowfrosch oder der Zoff zwischen einem Burger Pfarrer und dem Kneiper vom ehemaligen „Restaurant zum Reichs-Adler” (heute Hotel Bleske). Der pries sein Lokal zum Beispiel als „Günstigen Beobachtungspunkt des Kirchganges“ an.

Doch wo steht nun das älteste Wirtshaus im Herzen des Spreewaldes? Auf Platz 3 liegt das 1702 erstmals urkundlich erwähnte „Hotel Radduscher Hafen“. Platz 2 geht an das „Spreewaldhotel Leipe“ mit einem Nachweis aus dem Jahr 1674. Noch früher, anno 1640, sollen bereits im „Fröhlichen Hecht“ (Lehde) Gäste bewirtet worden sein.

Peter Becker setzt jedoch ein Fragzeichen: „Diese Angabe ist bisher nicht belegbar, aber in sekundären Quellen erwähnt (Lehmann-Enders, Hentschel)“, erkläutert der Radduscher.