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| 16:52 Uhr

Der Wolf in der Kritik
Calauer Wolfs-Skeptiker legen nach

Nach der Diskussionsrunde im Groß Mehßower Gasthof versammelten sich Wolfs-Skeptiker am Ortsausgang zu einer Wolfs-Mahnwache.
Nach der Diskussionsrunde im Groß Mehßower Gasthof versammelten sich Wolfs-Skeptiker am Ortsausgang zu einer Wolfs-Mahnwache. FOTO: Uwe Hegewald
Calau / Groß Mehßow. Mit einer Info-Veranstal­tung und anschließender Mahnwache haben Wolfs-Zweifler den mehrheit­lichen Beschluss der Calauer Stadtverordneten zur „wolfsfreien Zone“ untermauert. Von Uwe Hegewald

Roswitha Schier ist sauer: „Wir haben in Brandenburg die Gabe, nicht die Balance zu wahren zwischen dem Schutz von Wildtieren und den hier lebenden Menschen“, hadert die CDU-Landtagsabgeordnete. Am Montagabend hat sie die Kritik bei einem Treffen zum Thema „Pro & Contra Wolf“ im Groß Mehßower Gasthaus geäußert, zu dem gleichermaßen Befürworter und Gegner von Wölfen eingeladen waren.

Die Position der CDU-Fraktion der Stadt Calau ist klar und mündete kürzlich mit den Stimmen der Ländlichen Wählergemeinschaft (LW) in dem Beschluss, die Stadt Calau zur „wolfsfreien Zone“ zu erklären (LR berichtete). Der aus dem Unterspreewald angereiste Frank Michelchen begrüßt die Calauer Initiative: „Ihr seid auf dem richtigen Weg“, so der Landwirt, der nach eigener Aussage bereits zwei Kälber an Wölfe verloren hat. Als „Makulatur“ bezeichnet er die „offiziellen Listen zur Wolfsdichte“. „29 Rudel ist die offizielle Zahl, aber keiner redet von den zwölf Rudeln, die grenzübergreifend aktiv sind und über unsere Weidetiere herfallen“, beklagt er.

Seine Ausführungen sind an den CDU-Landtagsabgeordneten Dieter Dombrowski gerichtet, der die Zahl von 29 Rudeln mit 250 bis 300 Wölfen im Land Brandenburg ins Spiel bringt. Als umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und langjähriger agrarpolitischer Sprecher hat er Verständnis für die Sorgen und Ängste der Menschen, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Isegrim wohnen. „Das Thema ist nicht für parteipolitische Spielereien geeignet. Dafür betrifft es zu viele Menschen“, stellt Dieter Dombrowski klar. Er habe kein Verständnis dafür, dass Schutzzäune immer höher gezogen werden, auffällige Wölfe nicht entnommen werden dürfen oder Weidetierhalter beim Kauf von Herdenschutzhunden zwar finanziell unterstützt werden, aber mit der Unterhaltung der Tiere alleingelassen würden.

Was Dombrowski insbesondere ärgert, sind abfällige Bemerkungen wie: „Warum klagen die Tierhalter, die bekommen den von Wölfen verursachten Schaden doch beglichen“. „Das ist eine Abwertung für die Leute, die sich sieben Tage in der Woche um ihre Tiere kümmern und eine Demütigung für den gesamten Berufsstand“, so der Vizepräsident des Landtages Brandenburg.

Paul Bertmaring zählt zu den anwesenden Jägern, die ein unverzügliches Regulieren des Wolfsbestandes fordern. „Die heilige Kuh macht uns das Leben schwer“, sagt er und macht das unter anderem am Beispiel der Schwarzwildjagd fest. Zum Schutz vor Wölfen formieren sich diese zu riesigen Rotten, die eine entsprechende Bejagung erschweren. „Warum gibt es für Wölfe keine Abschussquoten, wie es bei anderen Wildtierarten praktiziert wird?“, fragt Bertmaring.

Reinhard Bock (Elbe-Elster) stimmt seinem Jägerkollegen zu: „Seit Generationen widmet sich meine Familie in der Babbener Heide der Jagd, die aufgrund des stetig abnehmenden Wildbestandes kaum noch lukrativ ist. Pro Jahr verzehrt ein Wolf schätzungsweise 60 Rehe. Ich bin mir nicht im Klaren, ob wir uns noch einmal bewerben, wenn 2022 die Neuverpachtung der Jagdreviere ansteht und ob sich überhaupt noch Interessenten finden“, gibt er zu bedenken.

Bevor sich mehrere Teilnehmer der Veranstaltung zu einer Feuer-Mahnwache an den Ortsausgang von Groß Mehßow begeben, schwört Matthias Kurth diese zum Durchhalten ein: „Es ist eine komplett andere Situation als zu der Zeit, als Wölfe hier schon einmal heimisch waren. Wir müssen es uns nicht gefallen lassen, in eine Zeit vor 150 Jahren zurückgeschickt zu werden“, so der Landwirt der Lindenhof GbR Craupe, der auch in der Calauer Stadtverordnetenversammlung vertreten ist.