ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

Wolfram Kinze verlässt die „Kommandobrücke“

Wolfram Kinze (r.) versteht es, Zuhörer mit Worten zu begeistern. Auch Brandenburgs Sozialministerin Dagmar Ziegler (SPD, 2. v. l.) hat sichtlich Spaß an der Abschiedsrede des Chefarztes des Asklepios Fachklinikums Lübben.
Wolfram Kinze (r.) versteht es, Zuhörer mit Worten zu begeistern. Auch Brandenburgs Sozialministerin Dagmar Ziegler (SPD, 2. v. l.) hat sichtlich Spaß an der Abschiedsrede des Chefarztes des Asklepios Fachklinikums Lübben. FOTO: A. Staindl
Lübben..  „Ein Krankenhaus ist kein Kaufhaus. Wir brauchen ein bisschen Menschlichkeit.“  Dr. Wolfram Kinze A. Staindl


Einer der bedeutendsten Ärzte unseres Landes verlässt die Kommandobrücke: Dr. med. habil. Wolfram Kinze ist feierlich verabschiedet worden. Der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und Ärztlicher Direktor des Asklepios Fachklinikums in Lübben geht in den Ruhestand. Kinze habe in den vergangenen drei Jahrzehnten maßgeblich die Entwicklung der Einrichtung in Lübben geprägt, würdigte Verwaltungschefin Karin Schuppan. "Wolfram Kinze hatte Visionen. Er hat aus einer alten Nervenklinik ein modernes Klinikum gemacht."

Verlässlicher Partner
Den Vergleich mit der Kommandobrücke zog Brandenburgs Sozialministerin Dagmar Ziegler (SPD). Das reiche Arbeitsleben des 65-Jährigen lasse sich nicht in eine Rede fassen. Für sie sei Kinze "ein verlässlicher Partner auch beim Umbau der Klinik gewesen. Seine Fachkompetenz hat ihm höchsten Respekt eingebracht", so die Sozialministerin. "Wir haben ihn in Potsdam sehr geschätzt." Sie sei froh, dass Kinze sein Wissen auch weiterhin einbringt, jetzt allerdings ehrenamtlich.
Auch Volker Thesing, Geschäftsführer der Asklepios Fachkliniken Brandenburg GmbH, bescheinigt Wolfram Kinze „eine hohe Fachkompetenz“ und verriet: "Ich hätte ihn gern schon vor Jahren in meinen eigenen Reihen gehabt. Doch bevor er Lübben verlassen hätte, wäre wohl eher Schnee im Sommer gefallen", sagte er augenzwinkernd.
Bei der Übernahme der Landesklinik durch Asklepios sei "Wolfram Kinze ein wichtiger Faktor für uns", erzählt Volker Thesing. Kinzes Engagement sei es zu danken, dass sich die interdisziplinäre und institutionsübergreifende Zusammenarbeit in der Region außerordentlich entwickelt habe. Der Chefarzt habe die unterschiedlichen Netzwerke mit aufgebaut und sich fachlich vielfältig außerhalb des Klinikbetriebes eingebracht. Sein Wissen, seine Erfahrungen, aber auch seine Fähigkeit, Persönlichkeiten zu fördern, prägten laut Geschäftsführer Volker Thesing den erfolgreichen beruflichen Werdegang vieler Kollegen. "Wolfram Kinze", so die Sozialministerin, "stellte immer die Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeit."
Prof. em. Dr. med. Klaus-Jürgen Neumärker von der Charité der Humboldt-Universität zu Berlin ging auf Entwicklungslinien der Kinder-und Jugendpsychiatrie ein, die eng mit Kinze verknüpft seien. Zu seiner Verabschiedung lag dessen Schriftenreihe zur Medizin-Geschichte druckfrisch vor. Auch Dagmar Ziegler nahm ein handsigniertes Exemplar mit nach Potsdam. Wolfram Kinze gab ihr mit auf den Weg, der Kinder- und Jugendpsychiatrie mehr Aufmerksamkeit zu widmen: "Ein Krankenhaus ist kein Kaufhaus. Wir brauchen ein bisschen Menschlichkeit."

Familie als sicherer Hafen
Seinen Mitarbeitern dankte Kinze dafür, dass sie ihm in den vergangenen 30 Jahren auch mal die Meinung gesagt haben: "Das ist wichtig für einen Chef." Seine Familie sei für ihn der sichere Hafen gewesen. Als Kinze das sagte, schien für einen Augenblick seine Stimme zu versagen.
Geschäftsführer Volker Thesing hatte Dr. Bärbel Kinze schon zuvor mit Blumen gedankt. Ihr Mann habe ihr versprochen, dass er jetzt unwiderruflich seinen Ruhestand antritt. Eva Möhler ist seine Nachfolgerin an der Spitze der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Asklepios Fachklinikums in Lübben. (as)