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Wolfgang Seeliger wird 80 Jahre alt

Alt-Bürgermeister Wolfgang Seeliger feiert heute seinen 80. Geburtstag.
Alt-Bürgermeister Wolfgang Seeliger feiert heute seinen 80. Geburtstag. FOTO: bdx1
Lübbenau. Die Lübbenauer kennen Wolfgang Seeliger als Transportarbeiter, Ingenieur, Gemeindehelfer, Moderator und Bürgermeister. Im Kreise von Familie und Freunden feiert er am heutigen Montag seinen 80. Geburtstag. Bernd Marx / bdx1

Wenn Wolfgang Seeliger in seinem 29220-seitigen "Lebenskalender" blättert, sind viele Daten von Bedeutung angekreuzt. Beispielsweise die Tage im Jahre 1946, als er mit Vater Martin (1908 bis 1960), Mutter Elisabeth (1910 bis 2010) und den Geschwistern Ingeborg, Dieter und Christian das schlesische Heimatdorf Rabishau bei Hirschberg, heute in Polen gelegen, verlassen musste.

In Berlin fand er ein neues Zuhause und viele Gleichgesinnte in der dortigen Jungen Gemeinde. Das Datum seiner erfolgreichen Abiturprüfung hat sogar historische Tragweite - es war der 17. Juni 1953. Von 1953 bis 1958 studierte Wolfgang Seeliger Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

"Von den Freunden der Goßner-Mission motiviert, wollte ich nach dem erfolgreichen Studienabschluss in den neuen industriellen Ballungszentren der DDR als Christ tätig sein", so Wolfgang Seeliger, der im Jahr 1958 zum ersten Mal mit dem noch im Bau befindlichen Kraftwerk Lübbenau Bekanntschaft machte.

Monteure, Betonbauer und Eisenflechter waren willkommen, gesprächsbereite Christen damals nicht. So begab sich der 23-Jährige erneut auf die Suche nach dem beruflichen Glück. In einem ökumenischen Aufbaulager in Mecklenburg traf ihn zunächst aber Amors goldener Pfeil mit dem Namen Erika.

Im Jahre 1963 des Lebenskalenders sind die Kirchenglocken eingezeichnet - Hochzeit. Die Töchter Kristin und Juliane machen das junge Familienglück perfekt. Ein Jahr später arbeitet Wolfgang Seeliger im Kraftwerk Lübbenau als Fahrer von Lastkraftwagen und Autodrehkränen. Von 1972 bis 1976 absolviert er ein Fernstudium in Roßwein. Der junge Ingenieur für Hebezeuge wird im Kraftwerk Lübbenau der Objektverantwortliche für die umfangreichen Generalreparaturen der Dampf- und Energieerzeugungsanlagen.

Dann kommt der Herbst 1989, mit ihm viele Frage- und Ausrufezeichen im Kalender. Es gibt in Lübbenau die ersten friedlichen Demonstrationen gegen die Partei- und Staatsführung der DDR. Der Christ Wolfgang Seeliger moderiert Bürgerversammlungen und Gespräche am "Runden Tisch".

Am 23. Mai 1990 wird er, 55-jährig und parteilos, zum Bürgermeister der Spreewaldstadt gewählt. "Die umfangreiche Umgestaltung der Strukturen in der Stadtverwaltung war eine große Herausforderung", erinnert sich Wolfgang Seeliger - ebenso die Schließung des Kraftwerkes Lübbenau, zahlreicher Kleinbetriebe und einiger Kindergärten. "Ich werde die Tränen der damals versammelten Erzieherinnen und Kraftwerker nie vergessen", so das einstige Stadtoberhaupt.

Gemeinsame Erfolge mit den Stadtverordneten und vielen Lübbenauer Freunden sind ebensowenig vergessen: der Erhalt der Poliklinik als Medizinisches Zentrum, der Aufbau der Jenaplanschule und der Bau des Kristallbades, des heutigen Spreewaldbades.

Mit Erreichen des Rentenalters im Jahre 2000 sagte Wolfgang Seeliger der Lokalpolitik Adjeu. "Es war eine sehr schöne Zeit", urteilt er. Das Kalenderblatt vom 7. Januar 2010 ist rot umrahmt. An diesem Tag wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Spreewaldstadt Lübbenau verliehen.

Sehr ruhig wurde es nicht. Mehrtägige Fahrrad-Etappenfahrten entlang der Oder, Neiße, Donau und Rhein mit seiner Frau halten ihn fit. Wolfgang Seeliger ist Hospiz-Helfer beim Malteser-Hilfsdienst, Mitglied im Lübbenauer Kantatenchor und beim Projekt "Stolperstein" des Lübbenauer Paul-Fahlisch-Gymnasiums. Dieses liegt ihm "besonders am Herzen", sagt der Neustädter. Am heutigen Montag aber gönnt er sich einen freien Tag.