Der Winterwind zieht durch den völlig entkernt dastehenden Wohnblock in der Schuhmannstraße. Türen, Fenster, Leitungen und Heizungen, alles ausgebaut. Und auch um einen Hausaufgang schmaler geworden ist der Fünfgeschosser, der in der Lübbenauer Neustadt jahrelang leer stand.

Dieser Tage beginnt dort nun der Innenausbau. Grundrisse werden verändert, Trinkwasser- und Elektroleitungen neu verlegt, Heizungen montiert, Türen und Fenster eingesetzt. Vor allem aber werden zwei Aufzüge eingebaut, um den Wohnblock barrierefrei bewohnbar zu machen. In der gleichen Weise wird auch der über Eck liegende Wohnblock Schumannstraße/Seelenbinderstraße ausgebaut, der aber alle drei Hausaufgänge behält, entsprechend auch drei Aufzüge eingebaut bekommt.

Ab März, berichtet Michael Jakobs, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald (Wis), soll es dann auch mit dem Neubau losgehen. Zwischen die beiden Wohnblöcke wird ein Flachbau gesetzt, der Concierge, Awo-Tagespflege und Gemeinschaftsraum beherbergt. Nach hinten raus schließen sich die Gärten an, die dem Projekt seinen Namen geben. WIS-Mieter sollen hier Sport und Gymnastik treiben, sich erholen oder auch grillen können. Selbst Gemüseanbau werde in begrenztem Umfang möglich sein, sagt Jakobs, der im März 2021 mit dem Einzug der neuen Mieter rechnet.

Land fördert Wis-Projekt Wohnen an den Gärten

Dank einer Landesförderung kann man es trotz Barrierefreiheit und hochmoderner seniorengerechter Ausstattung – mit automatischer Herdabschaltung, Alarmierungssystemen, visueller Gegensprechanlage und spezieller Beleuchtung – bei Nettokaltmieten von 4,90 Euro bis 6,10 Euro belassen, je nach gewünschter Ausstattung der 58 Ein- bis Vierraumwohnungen. Dem entgegen stehen Kosten für die Wis für das Projekt „Wohnen an den Gärten“ von 7,6 Millionen Euro.

Insgesamt plant man bei der Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald im Jahr 2020 mit Ausgaben in Höhe von 13,6 Millionen Euro. Das sei im Vergleich zu den Vorjahren recht viel, so Jakobs. In Altdöbern werde die Wis in ein Objekt Am Markt 4 allein weitere 3,5 Millionen Euro investieren. Dagegen eher bescheiden wirkt die 100 000-Euro-Investition in den Anbau der Rettungswache in Lübbenau. Das Gebäude gehört der Wis und muss um Bereitschafts- und Aufenthaltsräume erweitert werden.

Wis investiert auch in bestehende Häuser

Die verbleibenden 2,6 Millionen Euro der Ausgabensumme verteilen sich breit. 180 000 Euro kostet ein neues Klärwerk, das die Wis in Boblitz bauen lassen muss, 180 000 Euro neue Trinkwasserleitungen in der Alten Huttung. Hohe Kosten verursacht die Bestandspflege. Mehrere Leitungsstränge müssen saniert werden, außerdem Häuserpodeste und -sockel. Fassaden sind zu reinigen, Wohnungen zwischen Aus- und Einzug zu renovieren. Zwei Radhäuser baut die Wis dieses Jahr in der Neustadt. Weitere 250 bis 300 Haustüren bekommen einen Diebstahlschutz. Auch müssen noch hunderte Rauchwarnmelder eingebaut werden.

Die Investitionen führen nicht dazu, dass die Mieten in die Höhe schießen, versichert der Wis-Geschäftsführer. Mit 4,90 Euro Nettokaltmiete liege man weiterhin unter dem Landesdurchschnitt. Als städtische Wohnungsbaugesellschaft mit kommunalen Gesellschaftern sei man keiner Gewinnmaximierung verpflichtet, sondern einer Wohnraumversorgung der breiten Bevölkerung.

Wis verzeichnet leichten Zuzug aus Berlin

Bei einer Leerstandsquote, die gegen Null geht, wenn im März 2021 die Wohnungen in der Schumannstraße belegt sind, stelle sich jedoch die Frage: Wird Neubau wieder ein Thema? In nördlich von Lübbenau gelegen Städten mit geringerer Entfernung zu Berlin beantworte man die Frage mit Ja, so Jakobs. Anders sehe das bei den südlich von Lübbenau liegenden Städten aus. Die Wis selbst verzeichne bisher nur leichten Zuzug aus der Bundeshauptstadt. Wird aber der BER eröffnet und beginnt Tesla in Grünheide mit der Elektroauto-Produktion, kann sich der Zuzug verstärken.

Es gelte maßvoll zu reagieren und weiterhin gut abgestimmt mit den bewährten Partnern in Lübbenau, sagt der Wohnungsmarktexperte. Mit der Stadt und den Kollegen von der Wohnungsbaugenossenschaft GWG spreche man daher bereits über ein „Lindenviertel“. Auf vorhandenen Abrissflächen könnte neuer Wohnraum im Sinne der Energiewende geschaffen werden. Gedacht ist an ressourcensparende Bauweise, an regenerative Energieversorgung und Bürgerbeteiligung. 70 Wohneinheiten könnten am Rande der Lübbenauer Neustadt in einem ersten Bauabschnitt in attraktiver Lage geschaffen werden.

In der Altstadt entsteht ein kleines Wis-Wohnquartier

Bereits 2021 indes entsteht in der Altstadt auf dem Eckgrundstück Karl-Marx-Straße/Gartenstraße ein kleines Wohnquartier, interessant vor allem für junge Familien. Planung und Genehmigungsverfahren für die neun zweigeschossigen Einfamilienhäuser mit begrünten Dächern und das Stadthaus mit nochmals neun Wohnungen sollen in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Doch auch um den Tourismus in der Spreewaldstadt weiter voranzubringen, bleibt für Jakobs Kooperation wichtig. Zum Beispiel in der Stadtmarketing AG. Derzeit entstünden in Lübbenau WG´s für Gastronomie-Fachpersonal, Köche und Service-Kräfte von außerhalb. Sie bekommen preiswert ein Zimmer, teilen sich zu zweit oder dritt Küche und Bad. Die Wis-Gruppe selbst mit ihren rund 190 Mitarbeitern, so Michael Jakobs, finde Fachpersonal nach wie vor, müsse sich dabei aber immer mehr „anstrengen“.