| 02:47 Uhr

Wohin zieht die Schule Jenaplanhaus?

Lübbenau. Die Schulentwicklungsplanung für Lübbenau braucht mehr Zeit als gedacht. Wichtige Fragen, die Standorte der drei Grundschulen betreffend und deren Zügigkeit, schienen bereits geklärt. Doch im Bildungsausschuss am Dienstag zeigte sich, dass dem nicht so ist. Daniel Preikschat

Rainer Schamberg, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Lübbenau, schien schockiert, als er den Antrag hörte. Ganz offensichtlich hatte er fest mit Zustimmung für die Beschlussvorlage aus dem Rathaus gerechnet, die den Stadtverordneten im Ausschuss vorlag: Umzug der Jenaplan-Grundschule in das nicht mehr genutzte ehemalige Oberstufenzentrum des Landkreises in der Neustadt. Und weiter: Das freiwerdende Jenaplanhaus nutzt die Traugott-Hirschberger-Grundschule mit, in der so künftig zwei Klassen und nicht mehr nur eine pro Jahrgangsstufe unterrichtet werden könnten. Die Neustadt-Grundschule "Werner-Seelenbinder", wo hart am Rande der räumlichen und personellen Kapazitäten dreizügig unterrichtet und ein Hort für mehr als 200 Schüler betrieben wird, wäre entlastet. Nur noch zwei Klassen pro Jahrgang sah der Beschlussvorschlag dort vor.

Aus diesem durchdacht wirkenden Plan jedoch wird - zumindest vorerst - nichts. Denn laut dem Antrag der Fraktionen von SPD und den Linken, der Rainer Schamberg so perplex machte, sollen nun auch wieder zwei Schulplanungsvarianten betrachtet werden, die in der Diskussion der vergangenen Wochen scheinbar bereits verworfen wurden. Die eine Variante sah vor, alle drei Grundschulen an ihren alten Standorten zu belassen, die Hirschberger-Grundschule auszubauen und für die Seelenbinder-Schule weitere Räumlichkeiten zu finden. Laut der anderen Variante sollte die Jenaplanhaus-Schule in das Gebäude der Oberschule ziehen, die Oberschule folglich schließen müsste. Beide Varianten, hieß es in der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung, würden derzeit keine Mehrheiten finden.

Dessen ungeachtet wollen SPD und Linke nun für alle drei Varianten eine Kostenschätzung haben. Sonst könne man nicht vergleichen und auch nicht entscheiden, erklärte Sebastian Liedtke (Linke). Sowohl Rainer Schamberg als auch Norbert Badack (CDU) brachten ihr Unverständnis deutlich zum Ausdruck. In den Diskussionen und in der Auseinandersetzung mit den Argumenten von Vertretern der jeweiligen Schulen sei doch bereits Konsens erzielt worden. Man müsse nun endlich zum Wohle der Kinder in die Planung einsteigen, mahnte Norbert Badack aufgebracht an. Gerade in der Werner-Seelenbinder-Grundschule herrschten unhaltbare Zustände.

Auch aus Sicht Rainer Schambergs ist das Erstellen eines Kostenvergleichs Zeitvergeudung. Wenn nicht gewollt ist, die Jena plan-Schule in die Oberschule umziehen zu lassen - warum soll dann noch ermittelt werden, was das kosten würde? Bekannt sei außerdem, dass ein Ausbau der Traugott-Hirschberger-Grundschule am alten Standort rund 1,6 Millionen Euro kosten würde.

SPD- und Linken-Stadtverordnete indes ließen sich auf keine Diskussion ein. Axel Kopsch (SPD) sagte nur, dass ein Umzug der Jenaplanschule ins OSZ daran scheitern könnte, dass es der Landkreis nicht verkauft. Bisher sei keine Verkaufsbereitschaft signalisiert, geschweige denn, ein Preis genannt worden.

Im Anschluss wurde der Antrag mehrheitlich angenommen, der Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung zurückgestellt.