“ Nur zwei Wochen waren Mitte Oktober 2003 vergangen, seit die 70 Mitarbeiter der Vetschauer Fleischwaren wie vor den Kopf geschlagen die Insolvenz ihres Arbeitgebers verkündet bekamen. Eric Arts, Geschäftsführer der BOLART GmbH Tornitz, erklärte sich nach ein paar Blicken auf das ehemalige Unternehmen bereit, einen Neubeginn als alleiniger Gesellschafter zu starten und rettete der Wurstproduktion am Standort Vetschau damit das Leben. Wilfried Tributh und Norma Kobus wurden als Geschäftsführer eingesetzt. Die beiden gehörten hier sozusagen schon zum Inventar, wussten, wo in der Firma der Hase lang läuft, kannten die Fehler der vergangenen Jahre. Das Konzept ging auf. Schon in den ersten Monaten zeichnete sich eine positive Entwicklung ab.
Was sich bis heute, etwa anderthalb Jahre danach, entwickelt hat, kann sich sehen lassen. Achtunddreißig Mitarbeiter waren gleich zu Beginn wieder eingestellt worden, jetzt sind es schon vierundvierzig, unter ihnen sechs Auszubildende. Damit sind sie einer der größten Arbeitgeber der Stadt.
Dass die Vetschauer Wurstwaren GmbH weit über Brandenburgs Grenzen hinaus auch als Spreewaldfarm bekannt ist, hat seinen guten Grund. Ausschließlich in der Spreewaldregion angebautes Getreide wird in einem eigenen Futterwerk der Tornitzer Schweinemastanlage zu Futtermittel verarbeitet. Die Anlage züchtet ihre Ferkel selbst, mästet sie selbst. Ohne die Spreewaldregion auch nur einmal zu verlassen, kommen die Schweine nach Kasel-Golzig zur Schlachtung, um von hier aus als Teilstücke in die Vetschauer Wurstwaren GmbH zu gelangen, wo sie verarbeitet werden. Vom Getreide bis zur Vetschauer Wurst - eins steht fest: Wo Spreewald draufsteht, ist auch Spreewald drin.
Werbung für die Region zu machen, haben sich die Vetschauer auf die Fahne geschrieben, entwickelten deshalb eine Dachmarke, die das Gesicht des Drebkauer Trachtenmädels Susanne ziert. „Wurst-Susi“ nennt Norma Kobus sie liebevoll und schmunzelt. Dass dabei die Wahl auf eine ganz junge Frau fiel, kommt sicher nicht von ungefähr. Denn auch das Unternehmen ist jung, dynamisch und voller Kraft. Immer wieder schaut es sich nach neuen Chancen um, beliefert mittlerweile Wiederverkäufer von der Ostsee bis nach Thüringen. Da nicht alle Händler über ausreichende Kühlmöglichkeiten verfügen, ließen sich die Vetschauer auch dafür etwas einfallen. Nun wird Wurst im Glas mit hohem Druck und hohen Temperaturen konserviert. Die dadurch entstandene „Vollkonserve“ bedarf im Gegensatz zur „Halbkonserve“ selbst im Sommer keiner Kühlung. Haltbarmachung hat hier nichts mit dem Zufügen von Chemikalien zu tun. Ausschließlich natürliche Konservierungsstoffe, nämlich Zucker, Salz, Zitronensäure runden das Aroma in den Halb- und Vollkonserven ab.
Spitzenprodukte der Vetschauer Wurstwaren GmbH sind die „Original Spreewälder Aalwurst“ , die deftigen Hausmacher-Spezialitäten, „Hausmacher Leberwurst“ , „Spreewälder Rotwurst“ , „Grützblutwurst“ als auch die „Poltawer“ , eine mit Knoblauch gewürzte Brühwurst und viele mehr. Produziert werden die leckeren Fleisch- und Wurstwaren nach traditionellen Rezepturen, zu denen unbedingt einheimische Gewürze wie Zwiebeln, Knoblauch und Majoran gehören. Geräuchert wird ausschließlich mit Buchenholz.
Die große Nachfrage in den insgesamt sieben Verkaufsfilialen in Vetschau, Calau, Altdöbern, Lübben und Guben spricht dafür, dass die Produkte des Unternehmens den Geschmack ihrer Kunden treffen. Bis hin in die Küchen von namhaften Restaurants und Hotels, bis in Krankenhäuser und wiederverkaufende Fleischereien haben es die Vetschauer Leckereien heute geschafft.
Auch aus dem Stadtleben ist das Unternehmen einfach nicht mehr wegzudenken. So viel Unterstützung wie es beim Neustart von kommunaler Seite erfahren hat, so viel möchte es mindestens auch zurückgeben und engagiert sich zum Beispiel mit Aktionen wie „Schlemmen für den guten Zweck“ , was im September 2005 wieder stattfinden wird.
Seit dem Neustart arbeitet das Unternehmen mit dem Spreewaldverein zusammen und macht die „Spreewälder Wurstwaren“ durch die zertifizierten Produkte mit der Dachmarke „Spreewald“ über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.
Um die Kriterien für die geschützte geographische Angabe „Spreewald“ zu erfüllen, reicht es nicht, im Spreewald zu produzieren. Es müssen überwiegend Rohstoffe aus der Region in der Wurst drin sein. Dass das so bleibt, dafür steht das Team täglich mit seiner guten Arbeit. (ks)