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| 13:49 Uhr

Fimenjubiläum
Wo die Zeit nie stehen geblieben ist

 Ein Frauen-Quartett sorgt dafür, dass in Altdöbern die (Uhr-)Zeit nicht stehen bleibt und ausreichend edel glänzende Ware vorhanden ist, um die Schönheit von Mann und Frau hervorzuheben. Petra Thole, Gabriele Frey, Uta Frey-Ciesielski und Christa Frey (v.l.n.r.).
Ein Frauen-Quartett sorgt dafür, dass in Altdöbern die (Uhr-)Zeit nicht stehen bleibt und ausreichend edel glänzende Ware vorhanden ist, um die Schönheit von Mann und Frau hervorzuheben. Petra Thole, Gabriele Frey, Uta Frey-Ciesielski und Christa Frey (v.l.n.r.). FOTO: Frey
ALTDÖBERN. Altdöberns ältestes, aktives Unternehmen feiert 150-jähriges Bestehen. Von Uwe Hegewald

Christa Frey mag gar nicht daran denken. In letzter Zeit kam es das eine oder andere Mal vor, dass die Uhr an der Außenfassade des Traditionsgeschäftes in der Altdöberner Bahnhofstraße 17 stehen geblieben ist. „Es wäre bitter, wenn diese ausgerechnet im Jubiläumsjahr ihren Geist aufgeben würde“, erklärt sie. Außenstehende könnten sagen: Egal, auch eine defekte Uhr zeigt zweimal am Tag die richtige Uhrzeit an – nicht aber das Team des Hauses, in dem seit 150 Jahren Uhren repariert, gewartet und verkauft werden. Später kamen Schmuckhandel und Gravur-Service hinzu und die witterungsbeständige Uhr an die Außenfassade.

Für Hunderte Altdöberner oder Besucher der Gemeinde ist sie täglich ein willkommener Zeitanzeiger. Doch nur wenige wissen, dass diese Uhr bereits seit 1921 an Ort und Stelle hängt. „Als es für das Werk keine Ersatzteile mehr gab, wurde dieses auf Funktechnik mit einer Mutteruhr umgebaut, die sich in der Decke unseres Ladens befindet“, informiert die Grande Dame des Geschäfts, das am 16. April 1869 gegründet wurde. „So ist es unseren Unterlagen zu entnehmen“, sagt Christa Frey, der schon am 1. Januar Glückwünsche vom örtlichen Gewerbeverein überbracht wurden. In der Altdöberner Chronik ist schließlich der Neujahrstag 1869 benannt.

 Die Flasche mit dem überreichten Jubiläumssekt blieb verschlossen und soll nun am heutigen Dienstag geköpft werden. Eine weitere einen Tag später in der Filiale Schwarzheide, die 2013 im Heidecenter eröffnet wurde. Grund zum Anstoßen hat das Familienunternehmen allemal und ebenso viele Anlässe, um in Erinnerungen zu schwelgen. So sind zum Beispiel Trauringe schon ins spanische Sevilla verkauft worden und sogar bis nach Australien.

Christa Frey, die inzwischen an einem Drittel der Firmenhistorie mitgeschrieben hat, macht das zum Beispiel an der „dankbaren Kundentreue“ fest. Respekt bringt sie den Leuten entgegen, die Schmuckstücke zur Echtheitsprüfung vorbeibringen, auch wenn die eine schmerzhafte Expertise beinhalten könnte. Dabei geht es um Käufe, die in Drittländern oder an Autobahnraststellen abgewickelt wurden und sich die Ware als minderwertig erweist. „Wir konnten auch schon eine Kundin beraten, die Schmuck im Internet erworben hatte, der bereits nach einem Tag grün angelaufen ist. Zum Glück konnte dieser Kauf rückgängig gemacht werden“, mahnt Christa Frey Achtsamkeit an.

 Mit ihren Töchtern Uta Frey-Ciesielski (Uhrmachermeisterin) und der noch temporär mitwirkenden Gabriele Frey (Uhrmacherin) ist die nunmehr fünfte Uhrmachergeneration angetreten, die einst Josef Frey gründete. 1868 kam er aus dem Raum Villingen-Schwenningen in die Niederlausitz, weil er im Schwarzwald keine Zukunft mehr sah. Mit ihren Töchtern und Mitarbeiterin Petra Thole bildet Christa Frey ein unternehmerisches Quartett, das völlig ohne männliche Unterstützung auskommt. Mit einer Ausnahme: Als Elektromeister besitzt Schwiegersohn Frank Ciesielski das nötige Fachwissen, um der aus dem Rhythmus gekommenen Fassadenuhr neues Leben einzuhauchen. Womöglich dreht die „98-Jährige“ aufgrund des Jubiläums sprichwörtlich etwas durch, um im Anschluss wieder im Takt zu schlagen, die Uhrzeit anzuzeigen und darauf hinzuweisen, dass im Inneren des Hauses Altdöberner Geschichte geschrieben wird.