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WiS-Hochhaus sicher vor Inferno

Das Spreewaldhaus in der Lübbenauer Neustadt, 1965 übergeben, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.
Das Spreewaldhaus in der Lübbenauer Neustadt, 1965 übergeben, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Die schrecklichen Bilder der Hochhaus-Feuersbrunst in London bekommen auch viele Lübbenauer kaum mehr aus dem Kopf. Sofort fällt einem hier das Spreewaldhaus der WiS Wohnungsbaugesellschaft ein. Daniel Preikschat

Wie ist es in dem Zwölfgeschosser mit fast 60 Bewohnern in über 40 Wohnungen um den Brandschutz bestellt? Eine Frage, die besorgte Bürger auch schon der Feuerwehr in Lübbenau gestellt haben. Die Antwort des stellvertretenden Ortswehrführers Andreas Pohl indes dürfte für Beruhigung sorgen: "Ein Brand im Spreewaldhaus mit den Ausmaßen wie in London ist nicht möglich."

Andreas Pohl, im Brotberuf Fachbauleiter für Brandschutz, begründet seine Antwort ausführlich. Er weist zunächst hin auf die Stahlbetonweise des Hochhauses, das daher über einen "hohen Feuerwiderstand" verfüge. Auch die Fassadenverkleidung bestehe aus nicht brennbaren Baustoffen. "Somit kann ein Feuer nicht von einem Geschoss zum anderen springen", so der Lübbenauer. Genau das ist in dem Londoner Hochhaus mit seinen 24 Etagen passiert. Nicht so leicht etwas anhaben könne ein Feuer auch der Sicherheitsbeleuchtung, die bei Ausfall der Stromversorgung weiter funktioniert. Die dazugehörigen Kabel, so der Experte, seien speziell ausgelegt und blieben bei einem Brand mindestens 90 Minuten lang funktionstüchtig.

Für den Brandfall ist das Spreewaldhaus mit einer automatischen Brandmeldeanlage ausgestattet, die eine direkte Aufschaltung zur Feuerwehrleitstelle hat. Überwacht, so Pohl weiter, werden alle Flucht- und Rettungswege sowie die Technikräume. Beide Treppenhäuser seien zu den Fluren hin mit Feuerschutztüren und Rauchschutz brandschutztechnisch abgetrennt sowie mit Rauchabzugsanlagen ausgerüstet.

Um einen möglichen Brand schnell und wirksam zu bekämpfen, sind im Hochhaus baulich alle gesetzlich vorgeschriebenen Vorkehrungen getroffen. Auf jeder Etage finden sich Feuerlöscher, mit denen auch Laien einen Brand bekämpfen können. Der Feuerwehr stehen zwei getrennte Steigleitungen zur Verfügung, außerdem ein bautechnisch besonders geschützter Feuerwehraufzug mit eigener Stromversorgung. Er funktioniere, erklärt Pohl, auch wenn die allgemeine Stromversorgung ausgefallen ist. Die Feuerwehr könne den Aufzug über eine besondere Schaltung für den Lösch- und Rettungseinsatz nutzen.

Das Lübbenauer Hochhaus so zu bauen und auszustatten, wie es gebaut und ausgestattet worden ist, sei gesetzlich vorgeschrieben, stellt Andreas Pohl klar. Hier sei vor allem die brandenburgische Hochhausrichtlinie zu nennen. Darüber hinaus sei dem Vermieter aufgegeben, alle Anlagen regelmäßig warten und überprüfen zu lassen. Pohl: "Spätestens alle drei Jahre werden die sicherheitstechnischen Anlagen von bauaufsichtlich zugelassenen Prüfsachverständigen auf ihre Funktion geprüft."

Immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, sind freilich auch die Einsatzbereitschaft und Leistungsstärke der Feuerwehr im Falle von Wohnhausbränden. Am heutigen Freitagabend probt die Lübbenauer Feuerwehr diese Art Ernstfall in einem leer stehenden Wohnblock in der Schumannstraße. "Wir gehen von einem Küchenbrand aus", so Stadtbrandmeister Hartmut Wassermann. Die Flammen müssen gelöscht, Personen gerettet werden. Um Leistungsstärke und Einsatzbereitschaft geht es dann auch am kommenden Sonntag bei den Stadtmeisterschaften im Feuerwehrsport in Groß Lübbenau.