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| 14:09 Uhr

Abschied nach 41 jahren
Wirtshaus-Ikone zieht sich zurück

 Bürgermeister Peter Winzer (l.) war es ein persönliches Anliegen, Bernhard Dase als Pächter des gemeindeeigenen Schützenhauses zu verabschieden. Zu den Höhepunkten in 41 Wirtshausjahren zählten u.a. Musikkonzerte im oft proppenvollen Saal. So etwa 2014 beim Auftritt der US-amerikanischen Band „Molly Hatchet“ mit Konzertbesuchern aus ganz Deutschland.
Bürgermeister Peter Winzer (l.) war es ein persönliches Anliegen, Bernhard Dase als Pächter des gemeindeeigenen Schützenhauses zu verabschieden. Zu den Höhepunkten in 41 Wirtshausjahren zählten u.a. Musikkonzerte im oft proppenvollen Saal. So etwa 2014 beim Auftritt der US-amerikanischen Band „Molly Hatchet“ mit Konzertbesuchern aus ganz Deutschland. FOTO: Uwe Hegewald
Schützenhauswirt Bernhard Dase geht nach 41 Jahren in den Ruhestand. Von Uwe Hegewald

Eine Ära neigt sich dem Ende. Am Sonntag, 30. Juni schließt Bernhard Dase die Zapfhähne und Türen im legendären Schützenhaus ein letztes Mal. Am 1. Juni 1978 übernahm er das Zepter im Gasthaus auf dem Weinberg, das es in dieser Art in Lübbenau, Calau, Vetschau oder anderswo schon lange nicht mehr gibt.

Im Objekt mit Gaststube, Küche, Saal, Tresen, Bars und Vereinsraum (Weinzimmer) waren seine Qualitäten mehrfach gefragt: Kneiper, Koch, Kulturschaffender und als Pächter Verantwortlicher des „Bürgerhauses“. „Am 1. Februar 1991 hatte ich den Pachtvertrag mit der Gemeinde Altdöbern unterzeichnet, der nun ausläuft. Die Jahre zuvor war ich im Haus als HO-Gastwirt tätig“, blickt Bernhard Dase zurück.

Unter dem damaligen Namen „Kulturhaus Heinrich Heine“ galt das Gasthaus schon damals als angesagte Adresse. „Erste Akzente setzten wir im Sommer 1980 mit einer Disco am Freitag, Livemusik am Samstag und einer Jugenddisco am Sonntag von 15 bis 21 Uhr – selbstverständlich ohne Alkohol“, erzählt er. Bis zuletzt gaben sich Politiker, Karnevalisten und Chöre im Altdöberner Schützenhaus sprichwörtlich die Klinke in die Hand. Ebenso Rassetierzüchter, Kabarettisten, tanzbesessenes Publikum oder Gäste, die dort Jubiläen oder Familienfeste feierten.

„Wir danken dir, deiner Frau Karin und eurem Team, dass ihr das Schützenhaus über vier Jahrzehnte als Begegnungsstätte am Leben gehalten habt“, würdigte Bürgermeister Peter Winzer (SPD) in der vergangenen Woche. Die Gemeindevertretung hatte sich im gemeindeeigenen Schützenhaus zur konstituierenden Sitzung getroffen und sich vom CDU-Lokalpolitiker Bernhard Dase verabschiedet. Fünf Legislaturperioden saß der Wirt im Altdöberner Kabinett und hat auch dort Spuren hinterlassen. Nach seinen schönsten Gasthaus-Augenblicken gefragt, muss er nicht lange überlegen. „Es gab eine Reihe namhafter Bands, die in unserem Saal legendäre Konzerte gegeben haben“, betont er. Zu den unvergessenen Musikerlebnissen zählten u.a. das Wiedervereinigungskonzert am 11. März 2005. Damals standen nach Jahren der Trennung der krebserkrankte Klaus Renft (1942-2006) und Peter „Cäsar“ Gläser (1949-2008) wieder gemeinsam auf einer Bühne: Es war die Altdöberner Schützenhausbühne. Brechend voll war der Saal beim Konzert der US-amerikanischen Southern-Rock-Band „Molly Hatchet“ (2014), zur Filmvorführung anlässlich der 725-Jahrfeier (2010), den Infoveranstaltungen der Bürgerinitiative „Altdöberner See“, die gegen das Einleiten von Eisenhydroxidschlamm (EHS) protestierte oder vielen Karnevalsveranstaltungen. 1978 gründete sich der örtliche Karnevalsclub – im Jahr, als Bernhard Dase Regie im Gasthaus auf dem Weinberg übernahm.

Apropos Weinberg: Rund 20-mal organisierte Bernhard Dase Busausflüge ins rheinland-pfälzische Weinland oder in renommierte Brauereien. Oftmals in Verbindung mit Teilnahmen an „Alte Herren“-Fußballturnieren. Bei Rot-Weiß Walldorf kam es sogar zu einem Treffen mit Fußballlegende Jürgen Sparwasser. Bei der WM 1974 schoss der DDR-Nationalspieler das Siegtor gegen die BRD. Neben einer Reihe von Pokalen hat der Wimpel von Rot-Weiß Walldorf später seinen Platz in der Gaststube gefunden.

„Von vielen Erinnerungsstücken werde ich mich trennen müssen“, so Dase, der Altdöbern mit großer Wahrscheinlichkeit verlassen wird. Am Samstag, 6. Juli (10-18 Uhr) werden er und seine Karin im Rahmen der Geschäftsauslösung einen Lagerverkauf durchführen. Nicht zu haben sind der auffallende Schalke-Schal sowie Präsente, die dem Wirtshausehepaar in den zurückliegenden Wochen überreicht wurden. Vereine, Interessengruppen und Privatpersonen statteten dem Paar zuletzt Besuche ab, um Dankeschön zu sagen. Dankeschön für 41 erfüllende Wirtshausjahre.