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Regionale Wirtschaft
Mertsching agiert europaweit

Torsten Mertsching (Mitte), Geschäftsführer der Montage Mertsching GmbH in Rettchensdorf, erklärt seinen Gästen die aktuellen Projekte des europaweit agierenden Unternehmens in der Gemeinde Luckaitztal.
Torsten Mertsching (Mitte), Geschäftsführer der Montage Mertsching GmbH in Rettchensdorf, erklärt seinen Gästen die aktuellen Projekte des europaweit agierenden Unternehmens in der Gemeinde Luckaitztal. FOTO: Kuschy / LR
Luckaitztal. Unternehmen aus dem beschaulichen Rettchensdorf baut gläserne Shop-Fassaden zwischen Italien und Schweden.

Von Hannelore Kuschy

Wer auf Weihnachts-Shopping-Tour in Berlin ist, drückt sich vielleicht gerade die Nase platt an einer gläsernen Shop-Fassade, meinetwegen in den Potsdamer Platz Arkaden. Es könnte eine Scheibe sein, die Monteure aus dem beschaulichen Rettchensdorf bei Altdöbern eingesetzt haben. Und das taten sie schon in vielen Ländern Europas. Wer vermutet in dem Dorf mit 53 Einwohnern schon ein europaweit agierendes Unternehmen? Eines, das sich mittlerweile in den unternehmerischen Gepflogenheiten in Italien, Dänemark, Schweden, Polen, Österreich, Spanien, sogar in der Türkei und aktuell in Frankreich auskennt.

Angefangen aber hat alles sehr bescheiden. Geschäftsführer Torsten Mertsching startete 1995 als Einzelunternehmen in Berlin. Der Bekanntschaft mit seiner Heike verdankt der Unternehmer den Umzug drei Jahre später nach Rettchensdorf. Das erste Büro war im Wohnzimmer. Die Jahre darauf sollten seine große Herausforderung werden.

Das unkomplizierte Reisen innerhalb der Europäischen Union begeistert ihn bis heute, auch wenn jedes Land seine eigenen Gesetze hat. Die hat er mit zunehmenden Aufträgen auch zu spüren bekommen. „Der bürokratische Aufwand ist noch heute hier wie anderswo enorm“, sagt er. Die weiteste Reise aber führte ihn über die europäischen Grenzen hinaus in die Türkei.

Der Mitarbeiter-Stamm ist bis heute auf 20 gewachsen, hinzu kommen hochqualifizierte polnische Kollegen und bis zu zehn Subunternehmer. Die Mertsching-Monteure haben in der Regel eine Vier-Tage-Woche. „Wir versuchen, viel für die Mitarbeiter zu machen, sie mit ihrem Lohn und einem guten Betriebsklima zu motivieren. Denn mit Fachkräften sieht es nicht so rosig aus, zumal sie mitunter tagelang im In- und Ausland arbeiten müssen“, sagt der Geschäftsführer. Danke gesagt werde ihnen dann auch mit einer zünftigen Weihnachtsfeier und einem Familienfest im Sommer.

Die Handschrift der Firma Montagebau Mertsching GmbH Glas- und Metallbau tragen heute beispielsweise 1000 laufende Meter Fassade im Elbepark, zwei Kilometer Fassade in der Mall of Berlin, Filialen einer Schuhmode-Kette in Ost- und Süddeutschland sowie in Dänemark und Schweden. Aktuell geht es nach Frankreich und zum Bau von Biomärkten vor allem in Berlin. Gute Aussichten auf Arbeit gäbe es für die Rettchensdorfer auch am Ostbahnhof der Hauptstadt.

Rettchensdorfer aber werden die Montagebau-Mitarbeiter nicht mehr lange sein. „Wir ziehen nach Luckaitz um“, kündigt der Chef an. Der Gemeinde bleibt das Unternehmen damit erhalten. Das freut Bürgermeister Roland Schneider, der dankbar ist für das große Engagement im Ort, beispielsweise beim Organisieren des Baumfestes. Das haben Mertschings sogar selbst in den Ort  geholt, damit sich die Bewohner vor dem Weihnachtsfest in gemütlicher Runde treffen können.

„Wer hätte das hier gedacht“, zeigte sich auch Landrat Siegurd Heinze (parteilos) bei seinem letzten Unternehmensbesuch in diesem Jahr beeindruckt von der enormen Ausstrahlung dieses Montagebetriebes. Mit der Ausstrahlung aber ist das so eine Sache, weil das Internet hier „eine Katastrophe ist“, so Torsten Mertsching. Eine Calauer Firma half – per Satellit sei es nun besser geworden. Mit dem Umzug nach Luckaitz aber würde das Unternehmen wieder mit dem Thema konfrontiert.