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| 15:56 Uhr

Lokale Wirtschaft
55 Millionen Euro für Kaufland-Neubau

Das zweitgrößte Verteilzentrum von Kaufland Logistik deutschlandweit in Lübbenau aus der Vogelperspektive. Am linken Bildrand ist das ehemalige Kraftwerk-Verwaltungsgebäude, das noch genutzt wird, zu sehen. Rechts daneben die Baufläche für die neue Obst- und Gemüsehalle.
Das zweitgrößte Verteilzentrum von Kaufland Logistik deutschlandweit in Lübbenau aus der Vogelperspektive. Am linken Bildrand ist das ehemalige Kraftwerk-Verwaltungsgebäude, das noch genutzt wird, zu sehen. Rechts daneben die Baufläche für die neue Obst- und Gemüsehalle. FOTO: Kaufland Logistik
Lübbenau. Obst- und Gemüsehalle, Büroflächen, Sickerbecken , Parkplatz — Logistik-Standort Lübbenau wächst. Von Daniel Preikschat

Martin Zock führt die Geschäfte von Kaufland Logistik in Lübbenau. Derzeit jedoch ist er auch als Bauherr gefordert. Warum, erschließt sich nicht auf den ersten Blick, wenn man an dem schon jetzt viel Fläche im Industrie- und Gewerbegebiet von Lübbenau in Anspruch nehmenden Verteilzentrum mit dem Auto vorüberfährt. Denn abgerissen, gebaggert, gehämmert, verdichtet und gebaut wird hinter den großen Betriebshallen des Unternehmens. Auf einer fast 16 000 Quadratmeter großen Fläche. Kohlebunker und Kesselhaus, Gebäudehinterlassenschaften des ehemaligen Kraftwerkstandorts, sind dort bereits verschwunden.

Das sieht man besser vom Absatz der Außentreppe einer der benachbarten Kaufland-Hallen. Von hier aus ist auch gut erkennbar, dass Betonfundamente und Erdreich bereits großflächig mehrere Meter tief ausgebaggert wurden. Der abtransportierte Aushub hat auf dem Nachbargrundstück – ebenfalls im Eigentum von Kaufland – eine Hügellandschaft entstehen lassen. Diese Aufschüttungen wiederum werden verarbeitet zu 50 000 Kubikmeter Beton-Erde-Gemisch, das auf der Baufläche verfüllt und verdichtet wird, erklärt Martin Zock. Auf die im Anschluss aufgegossene Bodenplatte wird eine 17 Meter hohe Obst- und Gemüsehalle errichtet.

In dieses Gebäude lässt Kaufland Logistik eine hochmoderne automatische Kommissionierungsanlage einbauen. Dafür werde ebenso viel Zeit beansprucht wie für den Hochbau, zehn Monate, so der Geschäftsführer. Inbetriebnahme soll im Sommer nächsten Jahres sein. Dank der neuen Technik verbessern sich die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten ganz wesentlich, sagt Martin Zock. Schwere Lasten müssen nicht mehr gehoben, allenfalls noch geschoben werden. Auch Annahme, Lagerung und Verteilung von Obst und Gemüse werden am Standort durch die Halle effizienter.

Mit der Baugenehmigung rechnet Zock im März und mit dem Baubeginn im Mai. Es fehle dafür nur noch der Erschließungsvertrag mit der Stadt Lübbenau, der aus Sicht des Geschäftsführers aber unterschriftsreif ist. Festgeschrieben werden in dem Vertrag unter anderem auch die Kostenanteile von Kaufland Logistik und der Stadt für eine neue Regenentwässerung. Sie wird erforderlich, weil sich die Regenwasserabflussmenge aufgrund der Kaufland-Bauvorhaben deutlich erhöht und das alte Entwässerungssystem nicht mehr ausreichend ist. Außer der Halle wird noch ein Parkplatz gebaut für die Mitarbeiter mit 200 Stellflächen. Insgesamt hat Kaufland Logistik dann 300 000 Quadratmeter Fläche versiegelt. Eine Fläche ungefähr so groß wie 420 Fußballfelder. Auf dem Kaufland-Areal muss daher, um das Oberflächenwasser geregelt in die Dobra abzuleiten, ein fast 3300 Quadratmeter großes Auffangbecken und ein Kanal gebaut werden. Unmittelbar am Verteilzentrum soll das Oberflächenwasser dann ins Entwässerungssystem der Stadt Lübbenau eingespeist werden, erklärt Martin Zock.

Damit aber sind immer noch nicht alle aktuellen Bauvorhaben des Unternehmens genannt. In einem der Bestandsgebäude werde eine Etage eingebaut, die 130 Büroarbeitsplätze bieten wird für Kollegen, die bereits beschäftigt werden, so Zock. Verbessern sollen sich auch die Aufenthaltsbedingungen für die wartenden Lkw-Fahrer. Für sie wird am bestehenden Parkplatz ein Sanitärgebäude errichtet. Insgesamt, alle Vorhaben mit eingerechnet, investiere Kaufland Logistik am Standort Lübbenau rund 55 Millionen Euro. Es handelt sich immerhin aber auch um das zweitgrößte Verteilzentrum des Konzerns deutschlandweit, informiert der Geschäftführer und nennt Zahlen: Knapp 30 000 Artikel lagern ständig in den Hallen, in Hochregalen mit bis zu 25 Metern Höhe. Den Arbeitern stehen 550 Flurfördergeräte zur Verfügung, um die Paletten zwischen Regalen und Andockstationen für die Lkw hin- und her zu bewegen. 830 Lkw verschiedener Partner-Speditionen fahren zu Spitzenzeiten täglich das Verteilzentrum an, liefern Ware an oder holen sie ab. Beliefert werden im Osten Deutschlands 125 Märkte zwischen Wismar und Zittau. Auch für Wertstoffe, Plaste etwa oder Pappe, ist Kaufland Logistik in Lübbenau ein Umschlagplatz.

Bis zu 25 Meter ragen die Regale in die Höhe. Mit dem Flurfördergerät bewegt ein Arbeiter am Tag im Durchschnitt vier Tonnen Ware.
Bis zu 25 Meter ragen die Regale in die Höhe. Mit dem Flurfördergerät bewegt ein Arbeiter am Tag im Durchschnitt vier Tonnen Ware. FOTO: Daniel Preikschat / LR

Die Arbeit erledigen derzeit 970 Kollegen, gewährt Martin Zock weiter Einblick. Rund 400 von ihnen sind mit Werkverträgen ausgestattet und kommen überwiegend aus Polen. Ziel sei aber, auch sie fest einzustellen. Ohne diese Unterstützung aus dem Nachbarland würde es schwierig werden, ausreichend Kollegen zu finden, ist Zock sicher. Nicht wenige der Polen haben ihren Lebensmittelpunkt bereits nach Lübbenau verlegt, andere pendeln täglich in Fahrgemeinschaften zwischen Arbeitsplatz und Heimatland oder auch Berlin. Die künftig noch besseren Arbeitsbedingungen, ist Martin Zock sicher, machen Kaufland Logistik für Arbeitnehmer attraktiver.

Etwa 500 Lkw täglich fahren an Normaltagen das Verteilzentrum in der Neckarsulmer Straße im Industrie- und Gewerbegebiet an, in Spitzenzeiten bis zu 830. Von Lübbenau aus werden im Osten Deutschlands 125 Kaufland-Märkte zwischen Wismar und Zittau mit Waren versorgt.
Etwa 500 Lkw täglich fahren an Normaltagen das Verteilzentrum in der Neckarsulmer Straße im Industrie- und Gewerbegebiet an, in Spitzenzeiten bis zu 830. Von Lübbenau aus werden im Osten Deutschlands 125 Kaufland-Märkte zwischen Wismar und Zittau mit Waren versorgt. FOTO: Daniel Preikschat / LR