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| 18:45 Uhr

Spreewaldmode
Designerin spürt Trends nach

Tradition trifft Moderne: Das Spreewald-Beanie ist eine Mütze, die an die Hauben der Spreewaldtrachten angelehnt ist. Sie wird vor allem von jüngeren Kunden gern gekauft.
Tradition trifft Moderne: Das Spreewald-Beanie ist eine Mütze, die an die Hauben der Spreewaldtrachten angelehnt ist. Sie wird vor allem von jüngeren Kunden gern gekauft. FOTO: Jenny Theiler / LR
Lübbenau. Sarah Gwiszcz aus Lübbenau stellt bei ihren Kunden eine Rückbesinnung auf bürgerliche Werte bis hin zum Stil des Biedermeier fest. Von Jenny Theiler

Heimatverbundenheit und Regionalbewusstsein sind in der heutigen Zeit deutlich moderner, als man vielleicht auf den ersten Blick annehmen könnte. Vor allem beim Einkaufen ist das Produkt aus der Region gefragter denn je. Auch in der Mode ist ein heimatliches Gütesiegel oft ein Grund sich auszuprobieren, weiß Sarah Gwiszcz aus Lübbenau. Unter dem Lable „Wurlawy“ entwirft die Designerin Mode, die von der Spreewaldtracht inspiriert wurde, und kennt die Trendentwicklung im regionalen Modebereich.

Vom Laufsteg in die Geschäfte kann ein recht langer Zeitraum sein – vor allem in Kleinstädten. Auch wenn sich die meisten Trends durch sogenannte „Influencer“ rasend schnell im Internet verbreiten, könne die Trendforschung trotzdem keine exakten Vorhersagen darüber treffen, wie die Trends vor allem in der Mode angenommen werden. „Erfahrungsgemäß kommen die meisten Modetrends immer erst zwei Jahre später im Mainstream an“, erklärt Sarah Gwiszcz. Trends, die sich beispielsweise in den sozialen Netzwerken oder Modeplattformen im Internet etablieren, werden zwar wahrgenommen, aber nicht sofort nachgemacht. „Die meisten Menschen beobachten erst einmal, wie sich der Trend entwickelt, und das ist auch ein ganz normaler Prozess“, erklärt die 29-Jährige.

Farben sind immer ein wesentlicher Faktor in den aktuellen und künftigen Kollektionen. Immer am Anfang des Jahres würden Trendrechercheure eine bestimmte Farbe zur diesjährigen Trend- oder auch Pantonefarbe erklären. „In diesem Jahr ist es Ultraviolett“, weiß Sarah Gwiszcz. Mit einer Verbreitung des Farbtons in den Sommerkollektionen rechnet die Designerin aber in diesem Jahr noch nicht. 2016 wurde Rosé-Quartz als Trendfarbe vorhergesagt. Dieser Trend sei erst im vergangenen Jahr in den Geschäften richtig angekommen, als viele Kleidungsstücke in Rosa und Rot verkauft wurden.

Trotz aller Zurückhaltung fragen Sarah Gwiszcz’ Kunden regelmäßig nach neuen Trends. Die Lübbenauerin lockt überwiegend Frauen zwischen 30 und 60 Jahren an und weiß, dass auch bei einem speziellen Modekonzept die Kundenwünsche eine große Rolle spielen. „Ich höre auf das, was mir meine Kunden sagen, und ich denke beim Entwerfen meiner Mode auch immer an das, was ich selbst anziehen würde“, erklärt die Designerin. Die Gratwanderung, den Geschmack der Masse zu treffen, sei gar nicht so schwer, solange man auf sein eigenes Bauchgefühl höre. „Ich bin sicherlich sehr stark von den modischen Einflüssen geprägt, mit denen ich mich berufsmäßig beschäftige, aber der Wohlfühlfaktor ist meinen Kunden immer wichtig“, so die Designerin.

Aber auch Faktoren wie Qualität, Material und Verarbeitung seien Aspekte, nach denen mittlerweile auch jüngere Kunden vermehrt fragen. Junge Erwachsene, die ihr eigenes Geld verdienen und vielleicht schon Kinder haben, setzen andere Prioritäten als ein Student, der nur wenig Geld zur Verfügung hat. „Meine Kunden wollen robuste Stoffe, die man gut waschen kann und die vor allem auch alltagstauglich sind“, erklärt Sarah Gwiszcz. Schlichte Teile zu entwerfen, die von Frauen mit unterschiedlichen Figuren getragen werden können, sei hierbei am schwierigsten. Welcher Schnitt für welche Kundin in Frage kommt, sei aber schlichtweg eine Typsache. Individuelle Beratung werde von den Kundinnen aber immer sehr gut angenommen.

„Nicht jeder Trend setzt sich durch, aber es gibt Tendenzen, die einen starken Einfluss auf den Lifestyle der Bevölkerung haben und mit Mode nicht unbedingt zu tun haben“, erklärt Sara Gwiszcz. Momentan sei in der Gesellschaft eine Art Rückkehr des Biedermeier zu erkennen. Viele Menschen besinnen sich auf bürgerliche Werte, wenden sich dem Heimatgedanken zu und suchen Sicherheit in der Gründung einer Familie. Das regionale Einkaufsbewusstsein spiele hierbei auch eine wesentliche Rolle, denn Sarah Gwiszcz’ trachtenorientierte Mode trifft den Kern der hochaktuellen Heimatverbundenheit und das Bedürfnis nach Kleidung aus der Region.

Modisch bedeutet Biedermeier hochgeschlossene Kragen und die Vorliebe für Rüschen, die auch schon im vergangenen Jahr in den Geschäften stark verbreitet waren. Wann immer in einer historischen Epoche eine stabile Wirtschaftslage herrschte, haben die Leute versucht, das auch in der Mode auszudrücken. Viel Stoff, lange Röcke und aufwendige Schnitte vermitteln den Eindruck von Wohlstand. Das sei auch in der Mode der heutigen Zeit zu erkennen, meint Sara Gwiszcz.

Mode kann man auch als Identitätsmerkmal begreifen. „Ein Pfarrer sagte mal in einer Messe ‚Mode ist Identität und Tracht ist Charakter’. Das fand ich sehr schön, denn es passt auch zu meinem Designkonzept“, so Sarah Gwiszcz. Letztlich könne man das Rad nicht neu erfinden, da alle Trends schon einmal da gewesen seien. Mode sei auf jeden Fall zu jeder Zeit durch gesellschaftliche Einflüsse geprägt.

In ihrem Atelier in Lübbenau fertigt Sara Giszcz maßgeschneiderte Mode für Frauen an. Nur Basics und Accessoires sind Online erhältlich.
In ihrem Atelier in Lübbenau fertigt Sara Giszcz maßgeschneiderte Mode für Frauen an. Nur Basics und Accessoires sind Online erhältlich. FOTO: Jenny Theiler / LR