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| 18:24 Uhr

Präzisionsarbeit im Spreeweltenbad
Europa-Rekord in Lübbenau

Die riesige Plexiglasscheibe schwebt in die Spreewelten ein.
Die riesige Plexiglasscheibe schwebt in die Spreewelten ein. FOTO: LR / Sandra Pengel
Lübbenau. Schwaben setzen 15,5 Meter lange Plexiglasscheibe in Spreeweltenbecken ein.

Das war Präzisionsarbeit. Mitarbeiter der Lübbenauer Firma KranTrans haben am späten Montagnachmittag drei Scheiben von 15,5, zehn und acht Metern Länge eingesetzt. Einen halben Meter tief stehen sie in den Fugen, ragen so noch 2,5 Meter in die Höhe. Auch die Dicke von zehn beziehungsweise zwölf Zentimetern ist mehr als beachtlich für Plexiglasscheiben. Etwa 8,5 Tonnen wiegt die größte der drei Scheiben. Transportiert wurden sie in der Nacht auf zwei Tiefladern, von denen einer Überbreite hatte. 580 Kilometer weit, aus dem schwäbischen Herbrechtingen nahe Ulm, wo die Kunststoff verarbeitende Heinz Fritz GmbH beheimatet ist, nach Lübbenau in den Spreewald.

Der Transport und das Einsetzen der Scheiben jedoch war noch die leichtere Übung. Selbst wenn man die erforderlichen kleineren Arbeiten, die jetzt noch notwendig sind und die wahrscheinlich zwei Wochen dauern werden, mit berücksichtigt. Allein auf das Rohmatieral, sagt Unternehmenschef Heinz Fritz, habe seine Firma Monate lang warten müssen. Die acht mal drei Meter großen Plexiglasscheiben-Blöcke, hergestellt von der Evonik Röhm GmbH in Darmstadt, kamen im Spätsommer in Herbrechtingen an. Hier wurden sie zunächst auf die benötigten Formate gebracht. Mittels Millimeter genau arbeitender Fünf-Achs-3 CNC-Fräsmaschine. Was die beiden größeren Scheiben angeht, war es damit allerdings nicht getan, so Fritz. Um sie auf zehn beziehungsweise 15,5 Meter Länge zu bringen, mussten jeweils zwei Scheiben, geschliffen und poliert, fugenlos verklebt werden.

Die lange 15,5 Meter-Scheibe, musste daraufhin thermisch verformt werden, um sie in die gewünschte Bogenform zu bringen. Ein mehrere Wochen dauernder Erhitzungs- und Abkühlungsprozess, der exakt gesteuert werden muss. Die Schwaben können dabei aber auf viel Erfahrung und Routine bauen. Aus Herbrechtingen stammt unter anderem die 14,5 Meter lange Plexiglasscheibe für das Flusspferd-Becken im Kölner Zoo. Die Anforderungen an die Stabilität der Scheibe seien hier noch mal andere als in Lübbenau, so Fritz. Dafür würden die Lübbenauer jetzt die größte Acrylscheibe Europas haben.

Noch größerem Außendruck ausgesetzt sind die Kugeln und Kuppeln, die von den Schwaben für den U-Boot-Einsatz gebaut werden. Eher filigran muten dagegen Vitrinen, Leuchtschriften oder Laborartikel an, die in dem Fachbetrieb mit seinen mehr als 40 Mitarbeitern ebenfalls angefertigt werden. Wie auch Fassaden, Gehäuse, Verkleidungen oder Rutschen. Selbst Möbel, ja sogar Schlagzeuge bauen die Schwaben aus Plexiglas.

Die Spreewelten GmbH zahlen für die drei Scheiben insgesamt rund 400 000 Euro, so Badleiter Axel Kopsch. Wobei zwei Scheiben den neuen Strömungskanal für die Humboldt-Pinguine vom vergrößerten Schwimmerbereich trennen, die dritte Scheibe den neuen Kinderbereich vom Pinguinbecken. Zweifellos investiere man hier viel Geld. Doch der künftig deutliche größere Außenbereich der Spreewelten, in dem Mensch und Tier nur noch von einer Plexiglasscheibe getrennt sind, sei die große Attraktion des Bads und sein Alleinstellungsmerkmal.

Maßarbeit war das Einsetzen der gekrümmten Scheibe in die einen halben Meter tiefen Fuge.
Maßarbeit war das Einsetzen der gekrümmten Scheibe in die einen halben Meter tiefen Fuge. FOTO: LR / Daniel Preikschat